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25.01.07 , 15:43 Uhr
FDP

Heiner Garg zum Bericht der Regierung über Leukämieerkrankungen in der Elbmarsch

FDP Landtagsfraktion Schleswig-Holstein



Presseinformation Wolfgang Kubicki, MdL Nr. 023/2007 Vorsitzender Dr. Heiner Garg, MdL Stellvertretender Vorsitzender Kiel, Donnerstag, 25. Januar 2007 Dr. Ekkehard Klug, MdL Parlamentarischer Geschäftsführer Sperrfrist: Redebeginn Günther Hildebrand, MdL
Es gilt das gesprochene Wort!
Gesundheit/Leukämie
Heiner Garg zum Bericht der Regierung über Leukämieerkrankungen in der Elbmarsch In seinem Redebeitrag zu TOP 33 (Leukämiefälle im Raum Geesthacht/Elbmarsch) sagte der stellvertretende Vorsitzende der FDP- Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag, Dr. Heiner Garg:
„Wir wissen, dass in Geesthacht und in der Samtgemeinde Elbmarsch in den Jahren 1990 bis 2006 16 Kinder unter 15 Jahren an Leukämie erkrankt sind. Und wir wissen, dass wir nicht wissen, welche Ursache diese Häufung an Leukämieerkrankungen hat.
Das ist die ebenso erschütternde wie ernüchternde Bilanz, die sich aus dem Bericht der Landesregierung zu „Leukämiefällen im Raum Geesthacht/Elbmarsch“ ziehen lässt.
Übrigens einem sehr sachlichen Bericht und ich möchte es deshalb auch nicht versäumen, gleich zu Beginn allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Sozialministerium, die an der Erstellung des Berichts mitgewirkt haben, für die gewählte Form der Darstellung zu danken.
Auf der langjährigen Suche nach einer Antwort, was oder wer Schuld ist, dass so viele Kinder an Leukämie erkrankten, war der Umgangston leider selten so sachlich.
Politiker wie Wissenschaftler haben jahrelang mit ihren Sichtweisen und Interpretationen um sich geworfen – teilweise tun sie es noch. Einen Preis für Diplomatie hätte dafür keiner gewonnen.
Umso mehr hoffe ich, dass wir für die weitere Arbeit jetzt zu einem angemesseneren Umgangston finden, der die Ängste der Betroffenen ernst nimmt, der keine Ängste, aber auch keine unbegründeten Hoffnungen schürt oder Vorurteile bedient, der Platz lässt für eine ergebnisoffene Recherche.
Die Bewohner Geesthachts und der Elbmarsch leben mit einer – nach wie vor – ungeklärten Bedrohung. Christian Albrecht, Pressesprecher, V.i.S.d.P., FDP Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag, 1 Landeshaus, 24171 Kiel, Postfach 7121, Telefon: 0431/9881488 Telefax: 0431/9881497, E-Mail: presse@fdp-sh.de, Internet: http://www.fdp-sh.de/ Und leider gibt es zum jetzigen Zeitpunkt ausweislich des Berichts nach Auskunft von Experten auch keine neuen, erfolgversprechenden Ansätze für weitere Untersuchungen, die eine Aufklärung der Ursachen des Leukämieclusters erwarten lassen.
Das heißt nicht, dass wir die Flinte ins Korn schmeißen.
Gerade hat sich der Sozialausschuss des Schleswig-Holsteinischen Landtages geschlossen dafür ausgesprochen, die vom Niedersächsischen Landtagsausschuss initiierte Anhörung von Wissenschaftlern zu Leukämie- Fällen in der Elbmarsch gemeinsam durchzuführen.
Dabei handelt es sich um eine Anhörung, an der zum ersten Mal in der zwanzigjährigen Geschichte der Leukämiekommission alle beteiligten Wissenschaftler in einer Runde zusammen kommen werden. Ich finde das ausgesprochen gut. Möglicherweise ergeben sich aus dieser Expertenrunde doch noch neue Ansätze. Diese Hoffnung bleibt. Nur ändert das an der ungeklärten Bedrohung nichts. Und damit müssen wir ehrlich umgehen.
Ich bin davon überzeugt, dass Wissenschaft und Politik viel Glaubwürdigkeit zurückgewinnen würden, wenn alle Beteiligten fair und transparent mit ihrem „Nichtwissen“, wie ich es nennen möchte, umgehen würden, anstatt ihre jeweiligen Sichtweisen zur vermeintlichen Wahrheit zu überhöhen.
Gerade nach den jahrelangen Streitigkeiten, nach Studien und noch mehr Studien und weiteren Studien über die Studien gibt es zu den Leukämie- Fällen keine „Wahrheit“ mehr. Sie ist eine Konstruktion. Gespeist von Bevölkerungskreisen und Wissenschaftlern, für die bereits die Existenz eines Kernkraftwerkes Grund genug ist, von einer gefährlichen Strahlenwirkung auszugehen.
Gespeist von anderen Teilen der Bevölkerung und anderen Wissenschaftlern, die die Leukämie-Erkrankungen genau unterteilen in akute und chronische Leukämien, in lymphatische und myeloische Leukämien und die die Zusammenhänge mit radioaktiver Strahlung deshalb ausschließen können. Gespeist von einer Fülle weiterer Kenntnisse und Wahrnehmungen, von Erfahrungen, Überzeugungen und Gefühlen. Viele Wahrheiten – aber die Bedrohung bleibt.
Und die Tatsache, dass immer wieder Kinder an Leukämie erkranken. Was liegt da näher als der Wunsch, endlich doch die Ursache zu finden?
Als blanker Zynismus muss es doch erscheinen, wenn der Direktor des Kinderkrebszentrums am UKE, Reinhard Schneppenheim, Ende November via dpa erklärt, dass die Zahlen erst noch ein weiteres Jahr über dem Durchschnitt liegen müssten, bevor nähere Untersuchungen angestellt würden. - Noch mehr kranke Kinder?
Wir wissen, dass wir nichts wissen.
Alle durchgeführten Untersuchungen lieferten bislang keine mögliche Erklärung für die Ursache der Häufung kindlicher Leukämien in Geesthacht und in der Elbmarsch.
Weder die Untersuchungen in Schleswig-Holstein, die unter besonderer Berücksichtung strahlenbiologischer und epidemiologischer Fragestellungen durchgeführt wurden, noch die niedersächsischen Untersuchungen, die Christian Albrecht, Pressesprecher, V.i.S.d.P., FDP Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag, 2 Landeshaus, 24171 Kiel, Postfach 7121, Telefon: 0431/9881488 Telefax: 0431/9881497, E-Mail: presse@fdp-sh.de, Internet: http://www.fdp-sh.de/ primär die Umweltmedien zum Gegenstand hatten, also z.B. das Nahrungsmittel, Wasser, Luft und Boden etc. Dabei wurde selten eine Region so auf den Kopf gestellt: Waren Viren Ursache der Leukämien? Schadstoffe im Trinkwasser? Biozide oder Pestizide? Altlasten auf Kinderspielplätzen? Muttermilch oder Kuhmilch? Oder war es doch Radioaktivität?
Es gibt keine eindeutige Ursache. Und alle müssen sich davor hüten, nur deshalb eine Erklärung anzubieten, möglicherweise sogar eine spannende Erklärung, nur weil es ansonsten noch schwerer auszuhalten wäre, dass sich die Ursache-Wirkung-Beziehung nicht erklären lässt.
Ich spiele damit bewusst an auf die „These eines Brandereignisses auf dem Forschungsgelände der GKSS“ wie es die Grünen und die regierungs- tragenden Fraktionen unter Bezugnahme auf eine Fernsehdokumentation in ihren Fragenkatalog aufgenommen haben. Dankenswerter Weise hat die Landesregierung auch darauf eine sachliche Antwort gefunden.
Wir müssen aber aufpassen, dass nicht auch die Fragestellung nach diesem Muster erfolgt. Fragestellungen, die die Untersuchung bewusst nur in eine Richtung leiten, sind möglicherweise ebenfalls spannend, möglicherweise aber ebenso wenig dienlich die Wahrheit zu finden wie spannende Erklärungen. Auch das hat sich in den Kommissionen der vergangenen Jahre gezeigt.
Wir wissen, dass wir noch nichts wissen.
Es ist noch nicht einmal sicher, dass wir überhaupt etwas heraus finden. Die Center for Disease Control und Prevention in den USA haben im Zeitraum 1960 bis 1980 diverse Cluster von Krebserkrankungen untersucht, insgesamt 108. Bei keinem Cluster ist es gelungen, eine Ursache für die Häufung zu entdecken1.
Unser Ziel muss es deshalb sein, ergebnisoffen weiter nach einer Ursache für die Leukämieerkrankungen in Geesthacht und in der Elbmarsch zu suchen. Ohne Frage wird diese Suche auch in Zukunft kontrovers verlaufen. Insbesondere da die hoch komplexen medizinischen wie physikalischen Zusammenhänge häufig für Laien kaum nachvollziehbar sind.
Umso wichtiger ist es, dass sowohl wir Politiker als auch die Wissenschaftler ehrlich und transparent mit diesen Kontroversen umgehen. Alles andere ist für die Betroffenen eine Zumutung.“



1 S. 2 des Berichts, Drs.: 16/1165 Christian Albrecht, Pressesprecher, V.i.S.d.P., FDP Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag, 3 Landeshaus, 24171 Kiel, Postfach 7121, Telefon: 0431/9881488 Telefax: 0431/9881497, E-Mail: presse@fdp-sh.de, Internet: http://www.fdp-sh.de/

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