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Lars Harms zu TOP 20 & 21 - Klimasschutz in Schleswig-Holstein und CO2-Einsparungen in der Landesverwaltung
PresseinformationKiel, den 21.02.2007Es gilt das gesprochene WortLars Harms Schleswig- TOP 20 & 21 Klimaschutz in Schleswig-Holstein und CO 2-Einsparung in der Landesverwaltung Drs. 16/1221 und 16/1222Mit dem Antrag zur CO2-Einsparung in der Landesverwaltung greifen die Grünen ein Thema auf,beidem das Land eine Vorreiterrolle in Sachen klimaschonender und energiesparender Umgangeinnehmen muss. Wir können den Menschen im Land nicht erklären, warum sie sich klima- undumweltschonend verhalten sollen, wenn wir es ihnen nicht vorleben. Daher können wir demAntrag in allen drei aufgeführten Punkten zustimmen.Wenn wir den ersten Punkt des Antrages nehmen, dann erinnert dies stark an die Äußerungender Fraktionsvorsitzenden Renate Künast, die empfohlen hatte, Autos mit Hybridtechnologie desjapanischen Herstellers Toyota zu kaufen. Dies hat natürlich für heftige Gegenreaktionen ausPolitikerkreisen mit sich geführt, die sofort die deutsche Automobilindustrie diskreditiert sahenund gleich vor weiteren Arbeitslosen warnten. 2Die Grünen hier im Landtag haben sich bei ihrer Forderung glücklicherweise geschickterangestellt als ihre Parteikollegin. Denn die Forderung nach Hybridfahrzeugen ist Automarkenunabhängig. Es bezeichnet nur die Kombination von mindestens zwei verschiedenenAntriebsarten. So bieten bereits heute mehrere PKW-Hersteller kombinierteVerbrennungsmotoren mit zusätzlichem Elektroantrieb an.Die Vorteile hierbei sind beachtlich: Effizienter Elektroantrieb im Stau und Stadtverkehr, keinedirekten Emissionen beim Elektroantrieb, kein Energieverbrauch im Stand, beim E-Antriebgewohnte Leistung im Verbrennungsantrieb auf Landstrassen und Autobahnen und eineKraftstoffersparnis von bis zu 15 % sind möglich. Aber natürlich haben diese Fahrzeuge aucheinen Nachteil - die Anschaffungskosten sind derzeit noch recht hoch. Aber trotzdem denke ich,dass sich diese Diskussion allemal lohnt. Denn ich sehe, dass die Vorteile überwiegen.Aber wir müssen selbstkritisch eingestehen, dass die deutsche Automobilindustrie über Jahrehinweg wichtige technologische Entwicklungen verschlafen hat.Vielleicht hätte auch die Politik bereits früher auf die Automobilindustrie einwirken müssen - mitentsprechenden gesetzlichen Regelungen - hinsichtlich der klimaschädlichen Abgase.Leider hat die Automobilindustrie, aber auch der Verbraucher, entsprechende Signale nichtwahrnehmen wollen, dass ein Umdenken in der Gesellschaft gefordert ist, hinsichtlich desEnergieverbrauchs – Stichwort Ökosteuer. Die damalige Bundesregierung hat es seinerzeit nichtgeschafft, die Ökosteuer als Steuerungsinstrument im Sinne des Umweltschutzes zu verkaufen.Vielmehr hat die damalige Opposition es geschafft, die Ökosteuer madig zu machen.Die Umsetzung des ersten Punktes ist nicht von heute auf morgen machbar und wie bereitsgesagt, wird dies nur mit einem gewissen Mehraufwand möglich sein. Gleiches gilt im Übrigenauch für den zweiten Punkt des Antrages, der die wärmetechnische Sanierung allerLandesliegenschaften fordert. In Zeiten steigender Energiepreise werden sich 3Sanierungsprogramme sowie Maßnahmen, die eine Verbesserung der Energieeffizienz mit sichführen, über kurz oder lang rechnen.Dass die Landesregierung hierbei jedoch eigene Programme aufstellen muss, halte ich fürüberzogen. Hier sollte die Landesregierung Partner suchen, die sich bereits mit entsprechendenThemen befassen. Schließlich gibt es neben den Landesliegenschaften auch Liegenschaften desBundes oder der kommunalen Ebene. Anstatt dass jeder hier einen eigenen Weg geht, sollteversucht werden, gemeinsame Lösungen und Programme anzustreben. Dies spart Zeit und vorallem Geld und wir müssen den tiefen Teller nicht erneut erfinden. So hat beispielsweise derDeutsche Städte- und Gemeindebund in einer seiner Dokumentationen bereits wertvolleAnregungen für eine effiziente Energieeinsparung in kommunalen Liegenschaften gegeben.Derartige Anregungen sollten wir uns zu Nutze machen.Eine Überprüfung des in Frage kommenden Inventars in der Landesverwaltung halte ichebenfalls für sinnvoll. Denn auch hier gilt es klimarelevante Emissionen zu verringern. AlsBeispiel sei hier Australien genannt, das die Glühbirnen verbieten will und stattdessenschrittweise auf Energiesparlampen umstellt. Demnach wird davon ausgegangen, dass dies dieCO2-Belastung um vier Millionen Tonnen reduziert. Ich denke, diese Größenordnung machtdeutlich, dass auch noch so unspektakuläre Veränderungen einen positiven Effekt haben können.Jeder kann einen Beitrag leisten, aber dafür bedarf es einer zielgerichtetenInformationskampagne sowie entsprechender Fortbildungen, um das Bewusstsein für Klima-und Umweltfragen zu schärfen. Und ich denke gerade die jüngsten Klimaberichte undVorhersagen haben die Bevölkerung für dieses Thema mehr denn je sensibilisiert. Daher sehe ichgute Chancen, die Mitarbeiter in den Landesverwaltungen dahingehend zu motivieren, dasBewusstsein für Energieeinsparmöglichkeiten zu schärfen und den Klimawandel durch eineReduktion von Treibhausgasemissionen abzumildern. 4Aber letztendlich sollten derartige Informationskampagnen und Programme auch auf diegesamte Bevölkerung ausgeweitet werden. Hier muss die Landesregierung gegebenenfalls ihreProgramme zur energetischen Gebäudesanierung oder zur Energieeffizienz überarbeiten und sieentsprechend anpassen.Eingangs habe ich bereits gesagt, dass wir dem Antrag in allen drei Punkten zustimmen können,denn wir erkennen die Wichtigkeit derartiger Maßnahmen durchaus an. Aber ich denke, wirhätten bereits viel weiter sein können, wenn die Grünen einen derartigen Antrag bereits vorJahren eingebracht hätten. Nämlich zu der Zeit, als sie selbst noch in der Verantwortung alsregierungstragende Fraktion waren und einen Umweltminister hier im Land hatten.Der zweite vorliegende Antrag der Grünen greift die Komplexität des klimaschonendenUmgangs auf und weist darauf hin, was notwendig ist, um die Reduzierung der CO2-Emissionenbis 2050 gegenüber dem Stand von 1990 wirklich erreichen zu können. Es wird noch maldeutlich, dass die Verantwortung für die Klimaveränderung in allen gesellschaftlichen Bereichenliegt. Um dem Klimakollaps entgegenzuwirken, brauchen wir entsprechende Konzepte undMaßnahmen. Und hier setzt der Antrag der Grünen an.Doch bereits der „Agenda 21 und Klimaschutzbericht Schleswig-Holstein 2004“ hat nahezu alledie im Antrag aufgeführten Punkte aufgegriffen. Er ist somit eine gute Grundlage für dasgeforderte Konzept der Grünen. Ich glaube dies ist sinnvoll, denn der Bericht der damaligenLandesregierung macht deutlich, dass die bisherigen Bestrebungen zur Umsetzung derKlimaschutzziele nur schwer und mit einem enormen Aufwand erreichbar sind. Dies darf unsaber nicht davon abhalten, diese trotzdem umzusetzen.Den ersten Punkt des Antrages können wir in weiten Teilen durchaus unterstützen.Doch es gibt auch Punkte, in denen wir den Grünen nicht folgen können. So soll dieLandesregierung beispielsweise Alternativen zum Bau von neuen Kohlekraftwerken inSchleswig-Holstein entwickeln. Gleichzeitig wird unter Punkt 2 des Antrages gefordert, dass die 5Landesregierung sich auf allen politischen Ebenen dafür einsetzen soll, dass die Genehmigungvon Kohlekraftwerken nur noch mit nachgewiesener gesicherter CO2-Abscheidung erteilt wird.Was ist nun die Intention der Grünen? Entweder man steht zu modernen Kohlekraftwerken mitentsprechenden Filtern, oder nicht.Für uns gilt, dass wir um den Bau von Kohlekraftwerken nicht umhin kommen, wenn wir denAusstieg aus der Atomenergie vollziehen wollen. Und natürlich, müssen hierbei die Werte fürCO2-Abscheider nach den geltenen Richtlinien eingehalten werden und am besten noch weitunterschritten werden. Der CO2-Ausstoß muss so gering wie möglich sein, damit wir dieVersorgungssicherheit weiterhin gewährleisten können – nach dem Atomausstieg. Wenn wirhierbei nicht sauber vorgehen, würden wir nur den Teufel mit dem Belzebub austreiben. Dieskann nicht gewollt sein.Der im Antrag angesprochene Hochwasser- und Küstenschutz, steht nach unserer Auffassungauch im Zusammenhang mit der Frage der Entwässerung und der Entwässerungsmöglichkeiten.Diese Punkte greift der Antrag nicht auf, sie gehören aber auch in diese Kategorie. Ebenso wieder Verzicht von Ausgleichszahlungen für Küstenschutzmaßnahmen, wie wir es bereits in derDebatte zum Naturschutzgesetz gefordert haben. Die Meeresspiegel werden weiter steigen undin Zukunft wird der Küstenschutz eine neue Dimension erfahren. Dies sollten wir dann nichtdurch Ausgleichszahlungen erschweren.Den zweiten Punkt des Antrages sprach ich bereits an. Hier werden die Grünen dann auch mehrkonkret in ihren Forderungen und präsentieren eine Reihe von Lösungen für die unter Punkt Iaufgeführten Fragestellungen. Zu beschließen, dass die Landesregierung ein Konzept vorlegensoll und gleichzeitig die Lösungen zu beschließen, halte ich für den falschen Weg.Ergebnisoffenheit wäre hier ehrlicher gewesen. 6Einen großen Teil der Lösungsansätze können wir durchaus stützen. Aber es gibt auch Punkte,die wir anders sehen. Wenn es nach den Grünen geht, soll die Landesregierung sichbeispielsweise für den Bau eines europäischen Hochspannungsgleichstromnetzes einsetzen. DerGedanke ist wohl richtig, aber vordringlich sehe ich den Auftrag, dass wir in Schleswig-Holsteinerst einmal ein Netz bekommen sollten, dass die erneuerbaren Energien landesweit ableitenkann. Denn aktuell sehe ich die Probleme in Schleswig-Holstein als gravierender an.Ebenso sind viele der genannten Forderungen im Bereich Verkehr durchaus erstrebenswert. Sohalte ich ein Tempolimit auf Autobahnen für absolut notwendig weil es hier formell überhauptkeine Beschränkung gibt. Auf Landesstrassen gibt es diese; deshalb ist hier eine Änderung nichtvordringlich. Auch die Einführung von geeigneten Emissionsbegrenzungen für alleKraftfahrzeuge ist grundsätzlich richtig. Die Frage nach der konkreten Umsetzung, halte ichjedoch noch für diskussionswürdig. Ebenso sollten wir bedenken, was die Weiterentwicklung derökologischen Steuerreform gerade in den Grenzregionen für Konsequenzen mit sich führt –Stichwort Tanktourismus.Da wir bei einigen der aufgelisteten Punkte noch Klärungsbedarf haben, bin ich der Auffassung,dass wir dies im Ausschuss weiter vertiefen sollten.