Diese Webseite verwendet ausschließlich für die Funktionen der Website zwingend erforderliche Cookies.
Anke Spoorendonk zu TOP 9 - Denkmalrechtliche Unterschutzstellung der "Neutra-Siedlung" in Quickborn
PresseinformationKiel, den 21.02.2007Es gilt das gesprochene WortAnke Spoorendonk TOP o9 Entschließung zur denkmalrechtlichen Unterschutzstellung „Neutra- 16/1 der „Neutra-Siedlung“ in Quickborn Drs. 16/1181Jedes Jahr steigt die Zahl begeisterter Besucher beim Tag des offenen Denkmals. In einemDenkmal wohnen, möchten allerdings die Wenigsten, zu groß die Vorbehalte gegenunkomfortable Wohnverhältnisse und angeblich gängelnde Denkmalvorschriften. DieDenkmalschutzverantwortlichen haben es trotz einer werbenden Öffentlichkeitsarbeit in denletzten Jahren nicht vermocht, diese Vorurteile auszuräumen. Denkmalschutz gilt alsInvestitionsverhinderung und als lebensfernes Spinnertum.Genau diese Vorurteile begegnen uns auch bei einigen Eigentümern der Bungalows in der sogenannten Neutra-Siedlung in Quickborn. Der Landeskonservator argumentiert mit derEinzigartigkeit des homogenen Ensembles, das in dieser Form nirgendwo sonst zu finden sei. DieEigentümer fürchten dagegen um ihre Autonomie und nicht zuletzt wirtschaftliche Einbußen,wenn ihr prinzipiell unveränderbares Häuschen unverkäuflich wird. Angestachelt durch einige 2Presseveröffentlichungen hat sich die Auseinandersetzung so aufgeschaukelt, dass eineeinvernehmliche Lösung kaum noch denkbar ist.Der vorliegende Antrag geht diesem Abwägungsprozess zwischen öffentlichem Interesse an derBewahrung eines Stadtdenkmals und den Eigentümerinteressen aus dem Weg, indem er diebesondere Bedeutung der Neutra-Siedlung schlichtweg negiert. Gebäude, die weder einzigartignoch baulich bedeutungsvoll sind, müssen auch nicht unter Denkmalschutz gestellt werden,lautet der Tenor des Antrags. Inzwischen ist die Neutra-Siedlung zu einem Symbol geworden, solles zumindest nach den Kritikern der Denkmalschutzpolitik werden. Eine wunderbareGelegenheit, einer vermeintlich bevormundenden Politik eins auszuwischen.So einfach ist es dann doch nicht.Zunächst verfängt die Verfahrenskritik des Antrages in keinster Weise. Meines Wissens hat derPetitionsausschuss über die anhängige Petition noch nicht entschieden. Das bleibt abzuwarten.Darüber hinaus kennen die wenigsten Kollegen die Neutra-Siedlung aus eigener Anschauung.Eine Parteinahme für die eine oder andere Seite verbietet sich daher ausdrücklich.Der Konflikt lässt sich mittels des Antrags keineswegs beenden. Auch bei dessen Annahme wirdder Denkmalschutz auf seiner Position beharren. Es wird also durch den Antragsteller weiter Ölaufs Feuer gegossen.Auch der Denkmalschutz tut sich keinen Gefallen, wenn er das Verfahren stur weiter betreibt.Ich hätte mir gewünscht, dass die Eigentümer der Neutra-Häuser von Anfang an besser in dieEntscheidungsprozesse eingebunden gewesen wären. Es stellt sich für mich die Frage, ob dieVerabschiedung eines entsprechenden Bebauungsplanes nicht geeigneter gewesen wäre, denCharakter der Siedlung zu bewahren.In Flensburg gibt es ein Wohnviertel, das nach seinen runden Front-Fenstern als Monokelviertelbekannt ist. Die Stadt hat einen Bebauungsplan mit einer Erhaltungssatzung ausgelegt und mit 3den Anwohnern diskutiert. Natürlich gibt es in Flensburg nicht nur eitel Sonnenschein deswegen;auch hier sind die Hausbesitzer alarmiert, ob sie bestimmte Veränderungen an ihren Häusernweiter vornehmen können. Die Stadtverwaltung ist ihnen in einigen Punktenentgegengekommen und konnte auf diese Weise viel Vertrauen wieder gutmachen, als es zumBeispiel um den Verzicht von Rückbauten ging. Niemand muss also seinen Anbau wiederabreißen. Der Genehmigungsvorbehalt betrifft dagegen die Installation von Solaranlagen; wasauf allgemeines Verständnis stößt. Ausnahmen, die bei Kulturdenkmalen ausdrücklichvorgesehen sind, verspricht die Stadt großzügig handzuhaben.Der SSW regt an, dieses Verfahren auch in Quickborn zu beschreiten, so dass die Entscheidungenin der Kommune vor Ort getroffen werden können. Erfahrungsgemäß lassen sichMissverständnisse über kurze Wege allemal besser klären als über lange Instanzen.