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Anke Spoorendonk zu TOP 17 - Sprachheilpädagogische Förderung
Presseinformation Kiel, den 22.2.2007 Es gilt das gesprochene WortAnke SpoorendonkTOP 17 Sprachheilpädagogische Förderung Drs. 16/1218Kleine Kinder, die den lautlichen Unterschied zwischen dem D und dem T nicht hören können, fürdie also Fehde und Fete das absolut gleiche sind, scheitern später als Schulkinder: sie hören keinenUnterschied und schreiben ihn demzufolge auch nicht. Diese Kinder scheitern beiDiktatprüfungen und erhalten wegen unzureichender Rechtschreibung schlechte Noten. Das bautSchulfrust, der durch eine Frühförderung vermeidbar gewesen wäre.Wir müssen also die möglichst frühzeitige Förderung von Kindern sicherstellen, damit die Kinderin der Schule nicht versagen. Diese beiden Zusammenhänge sind klar und auch mehrmals imLandtag einhellig besprochen worden. Nicht nur besprochen, es wurde auch Nägel mit Köpfengemacht. Der SSW lehnt in diesem Zusammenhang aber eine einseitige Bestandsgarantieeinzelner Institutionen kategorisch ab. Nach meinem Dafürhalten sollte der Landtag überStrukturen entscheiden und nicht über einzelne Einrichtungen.Das vorbildliche Integrative Sprachförderkonzept der Landesregierung leistet gute Arbeit; allemvoran das Projekt „Fördephon“. Wir werden meines Erachtens zu Recht bundesweit dafür gelobt. 2Dennoch möchte ich auf einige offene Frage hinweisen. Ich beziehe mich auf Zahlen ausFlensburg. 83 Kinder von 634 potenziellen Schulanfängern wurden dort 2005 als besondersförderungsbedürftig eingestuft. Das ist keine besonders hohe Zahl. Von den Kindern mitFörderbedarf hatte allerdings jedes fünfte gar keinen Kindergarten besucht. Für diese Kinder fängtalso erst mit der Einschulung die Förderung an. Dann kann es manchmal schon zu spät sein.Obwohl das Projekt SPRINT gerade in diese Lücke einspringen soll, halten wir unsere Forderungaufrecht, Kinder auch jenseits der Institutionen zu fördern und das möglichst frühzeitig. Der SSWhat es in der Vergangenheit beharrlich gefordert: wir müssen Wege finden, auch diejenigenKinder zu erreichen, die keinen Kindergarten besuchen. Aus diesem Grund müssen wiraufsuchende Sozialarbeit auf stabile institutionelle Füße stellen.Den Problemen von zweisprachigen Kindern, die Schwierigkeiten mit der Schulsprache Deutschhaben, wird mit einem ganzen Bündel von Maßnahmen zu Leibe gerückt. Die Einbeziehung derEltern ist dabei besonders wichtig, damit die Kinder ausreichend motiviert werden. Hier könntemeines Erachtens noch mehr geschehen. Probleme bei Sprache und Kommunikation haben abernicht nur Kinder mit Migrationshintergrund. Auch in deutschen Familien wird oftmals länger vordem Fernseher gesessen als zusammen gesprochen. - Die Presse schreckte seine Leserschaft letzteWoche mit der Horrorvision der „Generation der Stammler und Nuschler“ auf.Bei immer mehr Kindern würden bei der Einschulung Sprachdefizite festgestellt. Allerdings fragenKritiker, ob wir nicht eine Geisterdebatte führen. Bei 50 verschiedenen Sprachtests allein inDeutschland liegt der Verdacht nahe, dass man heute sensibler auf kleine Defizite reagiert alsnoch vor zehn Jahren. Sogar Wissenschaftler kapitulieren vor der Frage, welcher sprachlicheEntwicklungsstand bei Kindern in einem bestimmten Alter normal ist. Manchmal kann ich michdes Eindrucks nicht erwehren, dass Kinder sich heutzutage kaum noch in Ruhe entwickeln können.Eine ausufernde Ratgeber-Industrie verunsichert Eltern und Pädagogen. Ich denke, dass wir hierein vernünftiges Mittelmaß finden müssen. 3Kinder, die allerdings gravierende Artikulations- und Wortfindungsprobleme haben, solltenwohnortnah gefördert werden. Ich halte nichts davon, Kindergartenkinder viele Kilometer durchdie Gegend zur Sprachförderung zu kutschieren. Das vermittelt ihnen den Eindruck, dass bei ihnenirgendetwas nicht stimmt. Eine Förderung direkt im Kindergarten durch eine Sprach- oderHeilpädagogin scheint mir der beste Weg zu sein. Die Fortbildung der Pädagogen in den Kitas istdie starke Säule der Sprachförderung in Schleswig-Holstein. Sie sind in der Lage,Sprachentwicklungsverzögerungen zu erkennen und den Eltern die geeigneten Maßnahmen zuempfehlen.Das spricht nicht gegen eine, in den meisten Fällen vorübergehende, Unterbringung in einemInternat. Kinder mit komplexen Sprachstörungen haben die Möglichkeit, das Internat in Wentorfzu besuchen, dass durch seine ganzheitliche Arbeit Hervorragendes leistet.Letztlich sollten wir aber versuchen, dem Motto „Kurze Wege für kurze Beine“ zu genügen und dieFörderung der Kinder vor Ort ermöglichen.