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Anke Spoorendonk zu TOP 27 - Hochschulpakt
Presseinformation Kiel, den 22.3.2007 Es gilt das gesprochene WortAnke SpoorendonkTOP 27 Hochschulpakt Drs. 16/1191Bereits im September hat der Landtag das zukünftige Angebot an Studienplätzen und die damitverbundenen Herausforderungen für Schleswig-Holstein diskutiert. Damals lagen noch keinekonkreten Vorschläge der Landesregierung vor. Aber die Problematik war damals – genau wieheute – schon klar: Die Zahlen der Abiturenten und damit der potentiellen Studenten werden inden nächsten Jahren stark ansteigen. - In zehn Jahren wird die Anzahl laut Landesregierung von11.800 Schülerinnen und Schülern mit Abitur auf 17.600 steigen.Dies ist natürlich eine erfreuliche Entwicklung, denn im internationalen Vergleich hat dieBundesrepublik - und damit auch Schleswig-Holstein - viel zu wenige Studierende, um denAnforderungen einer globalisierten Wirtschaft zu genügen. Das heißt: wir brauchen unbedingtmehr Abiturenten, die studieren wollen, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. DasPotential in Form von mehr Abiturenten ist in Schleswig-Holstein also vorhanden.Die Diskussion im September aber machte deutlich, dass die Landesregierung noch keine oder nurungenügende Vorstellungen davon hat, wie dieser Anstieg der Studierenden von den schleswig- 2holsteinischen Hochschulen bewältigt werden soll. Heute haben wir die Situation, dass zumBeispiel die Universität Flensburg viele Bewerberinnen und Bewerber ablehnen muss, weil siekeine Aufnahmekapazitäten mehr hat. Das ist auf lange Sicht natürlich kein hinnehmbarerZustand.Seit der Diskussion über dieses Thema im September sind zwei wichtige Entscheidungen imHochschulbereich getroffen worden. Zum einen hat die Große Koalition ein neuesHochschulgesetz verabschiedet, das aber aus Sicht des SSW leider kaum einen positiven Beitragdazu leisten wird, wie wir leistungsfähigere Hochschulen in Schleswig-Holstein bekommen. DieseDiskussion brauchen wir heute nicht noch mal zu führen. Der SSW hat ja seine Haltung zu diesemGesetz in der Debatte im Februar klar und deutlich gesagt.Zum anderen haben sich die Länder bereits im Dezember auf den Hochschulpakt 2020 geeinigt.Durch die von den Bundesländern beschlossenen Eckpunkten sollen bis zum Jahr 2020 zusätzlichefinanzielle Mittel in die Hochschulen fließen, die den Hochschulen helfen sollen, die steigendenStudierendenzahlen zu bewältigen. Gemeinsam mit dem Bund haben sich die Länder auf dieFinanzierung von rund 90.000 neuen Studienplätzen verständigt.Laut Bericht der Landesregierung im Ausschuss fallen davon in den Jahren 2007 bis 2010 fast4.000 zusätzliche Plätze für Studienanfänger in Schleswig-Holstein an. Den Löwenanteil desZuwachses bekommt mit ca. 1.600 die CAU Kiel, während die Universitäten in Flensburg undLübeck eher bescheidene Zuwächse bekommen. Angesichts der Tatsache, wie vieleBewerberinnen und Bewerber sich für den Hochschulstandort Flensburg entschieden haben, istdiese Verteilung aus Sicht des SSW etwas verwunderlich.Dennoch ist der Beschluss zum Hochschulpakt natürlich positiv zu werten, weil er doch auch zeigt,dass trotz der Föderalismusreform eine Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländernunumgänglich ist. Allerdings sind die 90.000 Studienplätze bundesweit gesehen nur der Tropfenauf dem heißen Stein, und man kann diese Eckpunkte also nur als einen ersten Schritt bezeichnen. 3Schließlich hat die jahrzehntelange Unterfinanzierung der Hochschulen diesen Hochschulpakterst notwendig gemacht. Das gilt leider auch für Schleswig-Holstein, wo gerade die jüngeren undkleineren Hochschulen deutlich unterfinanziert sind.Trotz dieses ersten Schrittes, von dem auch Schleswig-Holstein profitieren wird, bleibt aus Sichtdes SSW immer noch unklar, wie die steigenden Studierendenzahlen nachhaltig finanziert werdensollen, ohne dass die Qualität von Forschung und Lehre darunter leidet. Wenn im Bericht derLandesregierung die Schaffung zusätzlicher Lehrkapazitäten an den Universitäten durchErhöhung der Lehrverpflichtung von 8 auf 9 Semesterwochenstunden in Kiel und Lübeckangekündigt wird, während man dies in Flensburg bereits macht, dann zeigt dies überdeutlich,wie prekär die finanzielle Situation ist. Dieser Vorschlag kann nur eine kurzfristige Notlösungsind. Die Verwendung von 1-Euro-Kräften in der universitären Lehre wie in Hamburg lehnt derSSW jedenfalls entschieden ab. Wir brauchen langfristig haltbare Lösungen, damit wir dieQualität der Hochschulen trotz steigender Studierendenzahlen erhalten oder gar verbessern.Dazu kommen auch noch die Fragen über das zukünftige Bafög und die sozialen Infrastrukturenan den Hochschulen. Wenn wir wollen, dass mehr jungen Menschen studieren, müssen wir dieBafög-Leistungen ausweiten und auch in zusätzlichen Wohnraum für die Studierendeninvestieren. Aus Sicht des SSW geht in dieser Frage also kein Weg an einer Kooperation zwischendem Bund und den Ländern vorbei. Dieses Beispiel zeigt zudem, dass Teile der neuenFöderalismusreform wenig durchdacht waren. Wer glaubt, dass er die Bildungsheraus-forderungen ohne den Bund bewältigen kann, der muss dringend umdenken und auf den Bodender Tatsachen zurückkommen. Insgesamt können wir den aktuellen Bericht der Landesregierungzum Hochschulpakt also nur als eine erste sehr vorläufige Befassung werten. Auf dieLandesregierung und den Landtag wartet in den nächsten Jahren noch ein hartes Stück Arbeit,damit den Studierenden in Schleswig-Holstein ausreichende und gute Studienplätze zurVerfügung gestellt werden können. Aus Sicht des SSW muss das jedenfalls das übergeordnete Zielder Hochschulpolitik des Landes sein.