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Lars Harms zu TOP 24 - Ablehnung des integrierten Börsengangs der Bahn
Presseinformation Kiel, den 22.3.2007 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 24 Ablehnung des integrierten Börsengangs der Bahn Drs. 16/1280Der SSW hat die Bahnreform von Anfang an trotz erheblicher Kritik konstruktiv begleitet. Für unswar das Ziel der Reform, die vorhersehbaren nationalen und internationalen Verkehrszuwächseim Personen- und Güterverkehr auf die Schiene zu verlagern, das ausschlaggebende Argument.Mit der Reform sollten aber auch die weiteren Vorgaben der Europäischen Union, mehrWettbewerbsfähigkeit, Gleichstellung der Bahn mit den anderen Verkehrsträgern und eindiskriminierungsfreier Zugang zum Schienenverkehrsmarkt erfüllt werden.Darüber hinaus wurde aber auch das Ziel verfolgt, dass die Bahn sich nach wirtschaftlichen undunternehmerischen Prinzipien am Markt behaupten soll. Somit ist zwar der Börsengang der Bahneine logische Konsequenz der Reform. Allerdings hatte sich der schleswig-holsteinische Landtagim Februar dafür ausgesprochen, dass es unbedingt eine Trennung von Netz und Bahn gebenmuss, damit ein fairer Wettbewerb auf der Schiene gewährleistet werden kann. 2Diese Forderung findet sich auch im vorliegenden Beschlussvorschlag wieder. Im Prinzip wäre esdie beste Lösung, dass die Schieneninfrastruktur in öffentlicher Hand verbleibt und unabhängigbetrieben wird. Und man darauf aufbauend dann Ausschreibungen von Verkehrsleistungendurchführt, die so jeden Vorwurf von Einflussnahme oder unberechtigtem Entgegenkommensseitens der Auftraggeber ausschließen würden. Nur durch die Abkopplung der Infrastruktur ausdem Mutterkonzern bekommen wir langfristig mehr Wettbewerb und ein breiteres Angebot aufder Schiene. Und nur so können wir gewährleisten, dass alle zu den gleichen Bedingungen auf denStrecken fahren. Ziel muss es sein, dass auf der Schiene Waffengleichheit herrscht und jeder diegleiche Chance hat, einen Auftrag zu erhalten. Hierfür sind faire Ausschreibungen immer noch dasbeste Mittel.Nun hat sich die Große Koalition in Berlin nach monatelangem Streit darauf geeinigt, dass dieBahn vor der geplanten Teilprivatisierung das Netzeigentum vom Bahnbetrieb trennen und aufdem Bund übertragen muss. Allerdings soll die DB zumindest in den ersten 15 Jahren das 34.000Kilometer lange Schienennetz weiter bewirtschaften und auch bilanzieren dürfen. Dazu bekommtdie Deutsche Bahn eine Option auf weitere 10 Jahre und einen jährlichen Zuschuss des Bundes vonzu 2,5 Milliarden Euro zum Erhalt des Netzes. Dabei kommt der Regulierungsbehörde die Aufgabezu, einen diskriminierungsfreien Wettbewerb zu gewährleisten.Wir haben den Berliner Kompromiss, der aus der Sicht von Herrn Mehdorn, dem Chef desBahnkonzerns, sicherlich positiv bewertet wird, im Wirtschaftsausschuss kontrovers diskutiert.Denn mit dieser Teilprivatisierung besteht natürlich weiterhin die Gefahr, dass die Bahn trotz derTrennung ein „Quasi-Monopol“ beibehält, weil sie weiterhin für den Betrieb der Netze zuständigsein wird. Deshalb hätte der SSW es auch lieber gesehen, wenn man sich für ein getrenntesModell entschieden hätte, in der der Staat Eigentümer und Betreiber des Netzes bleibt und somitfür einen fairen Wettbewerb im Interesse der Kunden sorgt. 3Allerdings freue ich mich, dass meine Kolleginnen und Kollegen aus dem Wirtschaftsausschussder Anregung des SSW gefolgt sind und in der Beschlussempfehlung festgeschrieben haben, dassfür uns in Schleswig-Holstein weiterhin eine Trennung von Netz und Betrieb das Ziel sein muss.Das heißt aus meiner Sicht, die jetzt gewählte Lösung kann nur ein Zwischenschritt sein.Nun wird man abwarten müssen, wie sich das gewählte Modell in Zukunft entwickelt. Sowohl dieOpposition im Bund und auch die Fahrgastvereinigung Pro Bahn sind äußerst skeptisch, welcheFolgen die Teilprivatisierung für die Kunden haben wird. Insbesondere fürchtet man eine weitereKonzentration der DB auf die rentablen Strecken zwischen den großen Städten und sieht eineGefahr für den Bahnverkehr in der Fläche. Wenn das Modell funktionieren soll, wird es daher ausSicht des SSW entscheidend sein, dass die Regulierungsbehörde mit ausreichend Kompetenzenund Eingriffsmöglichkeiten ausgestattet wird, um der Deutschen Bahn wirklich Paroli bieten zukönnen.Dazu haben wir deutlich gemacht, dass Schleswig-Holstein als Flächenland ein Interesse daranhat, das Erfolgsmodell der Regionalisierung, wie wir es bisher kennen, fortzusetzen. Daher fordernwir auch im Antrag, dass im Zuge des Börsenganges der Bahn der Bestand und dieLeistungsfähigkeit der Netze auch in der Fläche sichergestellt werden. Dazu müssen dieerforderlichen verkehrspolitischen Einflussnahmemöglichkeiten seitens des Bundes weiterhingewährleistet sein. Die Kapitalmarktfähigkeit der Bahn ist also das Eine, aber für den SSW stehtdie Wettbewerbsfähigkeit, Kundenorientierung und der faire Netzzugang für alle Wettbewerberan vorderster Stelle.