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WG: Lars Harms zu TOP 14 - Neue Stromnetze grundsätzlich als Erdkabel ausführen
PresseinformationKiel, den 23.03.2007 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 14 & 35 „Vorrang für Erdkabel im Infrastrukturplanungs- beschleunigungsgesetz“ und „Verstärkung des Stromnetzes in Schleswig-Holstein“ Drs.n 16/1282 & 16/1288Im September letzten Jahres hat sich der Landtag eindeutig für Erdkabel beim Stromnetzausbauausgesprochen. Hiermit sollte ein politisches Signal gesetzt werden, zumal man seinerzeitgerade in der Diskussion war, wie diese Problematik in das neue Infrastrukturplanungs-beschleunigungsgesetz aufgenommen werden könnte.Seinerzeit waren wir optimistisch, dass hier endlich ein großer Wurf gelingen könnte. Inzwischensind wir wieder auf dem Boden der Tatsachen gelandet. Denn das, was uns die Große Koalitionauf Bundesebene beschert hat, ist nichts als ein fauler Kompromiss, der niemandem hilft. Statteine eindeutige Regelung zu schaffen, unter welchen Bedingungen nun Erdkabel vorgeschriebensind, hat man in Berlin mal wieder einmal mit einer Kann-Bestimmung, die niemandem wirklichweh tut, kein Problem gelöst. Im Gegenteil. Das Problem ist jetzt nur noch verschärft worden. 2Wir wissen jetzt, dass man zwar Erdkabel verlegen und deren Kosten dann auch finanziellumlegen darf, aber eine verbindliche Vorschrift ist das immer noch nicht. Es geht bei dieserVorschrift immer noch der Grundsatz: Wir kommen dem Volk theoretisch näher, aber praktischbeugen wir uns der Stromlobby.Auf der Strecke Breklum–Flensburg hat es im Planfeststellungsverfahren für eine Freileitung 580Einsprüche mit insgesamt 870 einzelnen Einwendungen gegeben – so viele, wie noch nie zuvor.Spinnt man hier das Szenario nun weiter, werden sich nach der Planfeststellung, allerWahrscheinlichkeit nach, eine Vielzahl von einzelnen Einsprüchen gegen die Trasse und dieBaumaßnahme ergeben und die Bürger vor Ort natürlich Rechtsmittel einlegen. Wir werden alsozum Jahresende eine planfestgestellte Freileitungstrasse haben, die weiterhin nicht genehmigtwerden kann, weil eine Vielzahl von Klagen eingereicht worden sind und deren Bearbeitung wirdsich dann über Jahre hinziehen. Der Effekt wird sein, dass jahrelang in Spitzenzeiten derWindstrom in Nordfriesland und anderswo nicht abgeleitet werden kann. Das ist klimapolitischeine Bankrotterklärung der Gesetzesmacher in Berlin und schädigt die regionale Wirtschaft inSchleswig-Holstein – deshalb muss die Landesregierung im Sinne der Bürgerinnen und Bürgerunseres Landes handeln.Nach Schätzungen des Bundesverbandes Windenergie müssen die Windmüller, derenWindmühlen aufgrund von Kapazitätsüberlastungen derzeit in Hochlastzeiten abgeschaltetwerden müssen, bis zu sieben Prozent Einbußen erleiden. Das heißt, dass eine Windenergie-anlage von einem Megawatt Leistung rund 10.000 Euro weniger einbringt, als wenn der gesamteStrom ins Stromnetz eingespeist werden könnte. Für den einzelnen Windmüller ist das eineKatastrophe. Und für einen zukünftigen Investor ist das ein Grund, nicht in Schleswig-Holstein,sondern in einem anderen Bundesland zu investieren. Das darf die Landesregierung nichtzulassen, zumal eine Erdverkabelung ohne weiteres möglich ist. 3Aber nicht nur die Windmüller und Investoren verlieren hier Geld. Auch die Gemeinden verlierenSteuereinnahmen. Laut Prognos-Studie betragen die Gewerbesteuereinnahmen pro installiertemMegawatt durchschnittlich 5.000 Euro pro Jahr. Für eine kleine Gemeinde ist dass eine riesigeSumme, zumal ja meist nicht nur eine, sondern mehrere Anlagen pro Eignungsfläche aufgestelltwerden. Allerdings setzt dies voraus, dass die Anlagen auch laufen und nicht abgeschaltetwerden, wenn es sich zu lohnen beginnt. Und es setzt voraus, dass Investoren mit Freudeninvestieren wollen und die Sicherheit haben, dass man hier auch Geld verdienen kann.Wenn man aber sieht, dass wir zum Beispiel in Nordfriesland bis zum Jahresende nur 465Megawatt Leistung maximal in das Netz einspeisen können, aber dort schon 732 MegawattLeistung installiert sind, dann ist klar, dass dies nicht funktionieren kann. Und wenn dieBundesregierung mit ihrer „Großen Koalition des schlechten Kompromisses“ hier schlechteGesetze macht, dann muss die Landesregierung hier ganz klar Schleswig-HolsteinischeInteressen vertreten. Deshalb schlagen wir vor, dass neue Netze grundsätzlich nur noch alsErdkabel auszuführen sind und so die Freileitung zum Ausnahmefall wird.Die möglichen zusätzlichen Investitionskosten hierfür können schon jetzt auf den Strompreisumgelegt werden. Allerdings glaube ich nicht, dass sich dies sehr stark auswirken wird, weil jadie Netzunterhaltung sich verbilligen wird. Das hat man auch in Dänemark erkannt. EnergienetDanmark, der staatliche Netzbetreiber, wird jetzt in der Nähe von Esbjerg ein Erdkabel verlegen,obwohl dies anfangs kostspieliger ist. Mittel- und langfristig wird sich dies aber rechnen. Das hatman in Dänemark eingesehen und deshalb sollten wir diesem Beispiel folgen.Durch eine Lösung, wie wir sie vorschlagen, werden die Bürgerwünsche beachtet – was ja an sichein Ziel von Politik sein sollte. Und wir würden schneller zu einer wirklich nachhaltigen Lösung –nämlich Erdkabel – kommen. Wir wollen dies, weil wir die Menschen in Schleswig-Holstein undderen Gemeinden eben nicht daran hindern wollen, Geld zu verdienen und Arbeitsplätze zuschaffen und weil wir unseren Beitrag zum Klimaschutz leisten wollen.