Diese Webseite verwendet ausschließlich für die Funktionen der Website zwingend erforderliche Cookies.
Lars Harms zu TOP 11 - Nichtraucherschutzgesetz
Presseinformation Kiel, den 10.5.2007 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 11 Nichtraucherschutzgesetz Drs. 16/1363Der Suchtbericht der Bundesregierung hat es in dieser Woche noch einmal durch Zahlen belegt:immer weniger Menschen in Deutschland rauchen. Die Kampagnen der letzten Jahre, diekonsequente Aufklärung und nicht zuletzt die Verteuerung der Zigaretten durch die Erhöhung derSteuern haben Wirkung gezeigt. Viele Menschen wissen um die Gefahren des Rauchens undfangen gar nicht erst an.Doch der Bericht hat auch gezeigt, dass die Kampagnen gegen das Rauchen bei einigen auchnichts fruchten. Schlimmer noch: das Einstiegsalter für Raucher sinkt seit Jahren kontinuierlich.Viele Kinder und Jugendliche haben Geschmack am Rauchen gefunden. Das ist sehr bedauerlichund zeigt, dass wir die Anstrengungen in Richtung Aufklärung intensivieren müssen. Erkenntnisseüber die Auswirkungen der neuen Regelung, nach der nur Erwachsene via Geldkarte anZigarettenautomaten eine Packung bekommen, liegen noch nicht vor. Schließlich gilt das neueSystem erst seit Januar. Dennoch gehe ich davon aus, dass der freie Verkauf mittels Automat fürKinder und Jugendliche effektiv erschwert wurde. Morgens vor der Schule noch schnell eine 2Packung ziehen, geht einfach nicht mehr. Diese technische Einschränkung ist einfallsreich undwar schon lange überfällig.Wir müssen uns als Politiker allerdings auch unsere Grenzen eingestehen. Es ist vollkommenunmöglich, das Rauchen aus unserer Gesellschaft komplett zu verdrängen. Totalitäre Regimesmögen es versuchen, aber eine demokratische Gesellschaft muss das Privatleben der Bürgerinnenund Bürger schützen. Rauchen in Privaträumen muss weiterhin gestattet sein. Darum halte ichauch nichts von verordneten Rauchverboten im Auto. Wenn Kinder an Bord sind, solltenvernünftige Menschen natürlich die Zigarette aus machen. Kinder sollten Zigarettenrauch sowenig wie möglich ausgesetzt sein, schließlich schädigt Passivrauchen die Kinder nachweislicherheblich. Darum ist es für verantwortliche Eltern klar, dass sie niemals in der Gegenwart ihrerKinder rauchen. Allerdings glaube ich, wir sollten hier nicht mit Verboten arbeiten, sondernaufklären, weil das Auto, der Garten, die Wohnung oder das eigene Haus eben zur Privatsphärezählen, aus der sich der Staat nach Möglichkeit heraus halten sollte.Rauchen in der Schwangerschaft ist ebenfalls ein Risikofaktor, der nach meinem Dafürhaltenmehr Frauen verdeutlicht werden sollte. Viele Säuglinge, die mit Untergewicht zur Welt kommen,haben rauchende Mütter. Frauenärzte sollten sich die Zeit nehmen können, ihre Patientinnen aufdiese Zusammenhänge hinzuweisen. Das müssen die Krankenkassen entsprechend honorieren.Rauchen ist übrigens einer von drei Faktoren, die nachweislich den plötzlichen Kindstod auslösenkönnen. Grund genug, die Zigarette zur Seite zu legen.Ich habe diese Punkte angeführt, weil ich eines unterstreichen möchte: Rauchen ist gefährlich.Nicht nur für den Raucher selbst, sondern auch für diejenigen, die Zigarettenrauch -unbeabsichtigt oder nicht - einatmen. Darum hat sich die Politik für eine nachhaltigeNichtraucherpolitik eingesetzt. Das Thema ist ja nicht erst seit gestern auf der Tagesordnung. InSchleswig-Holstein haben wir eine Reihe von Initiativen in Gang gesetzt, um das Nichtrauchen zu 3fördern. Ich denke da nicht zuletzt an die Debatten um ein rauchfreies Landeshaus undRauchverbote in den Schulen. Wir haben auch schon einiges erreicht.Der SSW hat immer betont, dass Grundlage einer nachhaltigen Verhaltensänderung nur dieinnere Einsicht sein kann. Gerade beim Rauchen zeigt sich, dass die Raucher sich gut informiertüber die Folgen des Rauchens zeigen. Sie wissen um höheres Krebsrisiko, kürzereLebenserwartung und eine überdurchschnittliche Rate an Herzinfarkten unter Rauchern.Trotzdem hat sie die Sucht voll im Griff.Darum drängt der SSW auf klare und eindeutige Regelungen. Meines Erachtens kann diese nurheißen: Rauchen in öffentlichen, geschlossenen Räumen ist verboten. Punkt. Ohne Wenn undAber ist das Rauchen in allen öffentlich zugänglichen Bereichen verboten. Einzige Ausnahme kannin größeren Gebäuden ein Raucherraum sein. Ich betone „kann“, denn ein Zwang zur Ausweisungeines Raucherraumes sollte unterbleiben.Öffentliche Räume sind nicht nur Behörden, Gerichte, Schulen und Rathäuser. Zu den öffentlichenRäumen gehören zweifelsohne auch die Restaurants, die Kneipen und alle Gaststätten. DerenVerband, der DeHoGa hat bundesweit eine freiwillige Lösung versprochen, die aber vonvornherein zum Scheitern verurteilt war. Aus einem ganz einfachen Grund: Jeder Wirt riskiert dasAbwandern seiner Kundschaft zur Konkurrenz, wenn diese das Rauchen gestattet. Da konnte esnicht gut gehen, nur auf eine freiwillige Regelung zu setzen. Die großen Ketten setzten einRauchverbot relativ einfach durch, bleiben doch bei ihnen die Gäste nur wenige Minuten, umBurger oder Pommes zu verzehren. Zu einer längeren Mahlzeit gehört dagegen für Viele inDeutschland einfach die Zigarette. Kleingeisterei wurde den Wirten vorgeworfen. Und das warennoch die Vorwürfe der harmloseren Sorte.Die kleinen Schilder mit der durchgestrichenen Zigarette verschwanden aus vielen Restaurantsgenau so schnell, wie sie einmal aufgetaucht waren. Auch die Bundesregierung musste einsehen, 4dass diese Strategie langfristig nicht zum gewünschten Erfolg führen konnte. DerKonkurrenzdruck unter den Restaurants ist enorm. Rauchfreiheit gilt bis dato nicht unbedingt alseine Werbemaßnahme. Woran das liegt, kann man nur mutmaßen.Ich möchte an dieser Stelle ganz klar sagen: die Freiheit gerät nicht in Gefahr, wenn das Rauchenin der Öffentlichkeit verboten wird. Die Kollegen von der FDP rücken das Rauchverbot in eineReihe mit anderen Diskussionen. Nach dem Motto: wenn das Rauchverbot erst durchgesetzt ist,kommt es bald zur Sportpflicht, Süßigkeitenverbot und ähnlichem Unsinn. Natürlich wird esimmer Menschen geben, die meinen, dass vernünftiges, gesundes Verhalten nur durch staatlicheMaßnahmen durchzusetzen sei. So ein Dominoeffekt ist aber kein Naturgesetz. Gurtmuffelhaben in den 70er Jahren genau die gleichen Horrorszenarien angeführt, um die Gurtpflicht zudiskreditieren. Im Nachhinein hat sich das als völlig haltlos erwiesen. Der private Bereich wird janicht geregelt.Das Freiwilligkeitsprinzip führt uns aber wegen der Unklarheit nicht weiter. Das zeigen alleinternationalen Erfahrungen. Auch der DeHoGa musste eingestehen, dass freiwilligeRauchverbote nicht zum flächendeckenden Verbot führen werden. Diese Fakten sind bekannt. Ichkann nicht verstehen, dass die FDP diese Tatsachen ignoriert. Sie knüpft an einenDiskussionsstand an, der bereits überholt ist. Das Freiwilligkeitsprinzip ist nichts anderes als dasAusnahmeprinzip a la Niedersachsen. Wer als Wirt keine Lust auf allabendliche Diskussionen mitseiner Kundschaft hat, der wird natürlich eine Ausnahmegenehmigung erwirken. Wer möchteschon Kunden verlieren? Niemand!In Schottland, wo bereits ein Rauchverbot gilt, sind diejenigen, die sich gegen ein Rauchverboteinsetzten, heute heilfroh, dass sie in ihrem Pub nicht alle drei Jahre neu tapezieren müssen, dasssie in rauchfreier Umgebung arbeiten können und dass sie ihre Kleidung nicht jeden Tag auslüftenmüssen. Und auch die Angestellten sind dort jetzt dankbar, dass sie nicht mehr in einergesundheitsschädlichen Umgebung arbeiten müssen. Die Wirte profitieren dort im Übrigen auch 5finanziell von dem Verbot, auch wenn sie das nicht unbedingt vor ihren Gästen zugeben würden.Eine klare Regel, die ausnahmslos das Rauchen verbietet, schafft somit Sicherheit und„Waffengleichheit“ unter den gastronomischen Betrieben.Ich möchte abschließend auf das Argument der föderalen Vielfalt eingehen. Angeblich sei es denRauchern und den Nichtrauchern nicht zuzumuten, dass sie in einem Bundesland rauchen dürfen,während es beim Nachbarn ganz anders zugeht. Natürlich würde ich es bedauern, wenn sichDeutschland nicht zu einem einheitlichen Vorgehen durchringen könnte, weil einigeBundesländer vor der Lobby Tabakindustrie einknicken. Doch ich bin optimistisch, dass es soähnlich wie in Niedersachsen ablaufen wird: die Ausnahmen werden erst lautstark angekündigtund dann klammheimlich einkassiert. Auch wenn das nicht überall der Fall sein sollte: einFlickenteppich aus Rauchverboten und Ausnahmen ist nicht das Ende der Welt.Der SSW hat immer wieder zu Augenmaß in der Debatte geraten: weder ist Hysterie wegen einereinzelnen gerauchten Zigarette angebracht, noch ist die Aufregung um die Einschränkung vonangeblichen Grundrechten hier berechtigt. Die Bürgerinnen und Bürger haben ein Recht auf klare,nachvollziehbare und transparente Regelungen. Genau das wäre ein allgemeines Rauchverbot.Der FDP-Vorschlag ist dagegen unklar, sachlich nicht nachvollziehbar und wegen der Ausnahmennicht transparent. Darum lehnt der SSW den Entwurf ab.