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Anke Spoorendonk zu TOP 17 - Aufkommensneutrale Unternehmenssteuerreform
Presseinformation Kiel, den 10.5.2007 Es gilt das gesprochene WortAnke SpoorendonkTOP 17 Aufkommensneutrale UnternehmenssteuerreformBereits in der März-Sitzung haben wir das Thema Unternehmenssteuerreform im Rahmen einerAktuellen Stunde hier im Landtag diskutiert. In der damaligen Debatte wurde sowohl von Rednernder CDU als auch von der SPD betont, dass die Unternehmenssteuerreform die öffentlichenHaushalte nicht in unvertretbarer Weise belasten darf. Nun kann man lange darüber streiten, was„unvertretbar“ bedeutet, aber wenn man sich die Haushaltslage des Landes ansieht, dann kann esSicht des SSW nur bedeuten, dass diese Reform unbedingt aufkommensneutral gestaltet werdenmuss. Deshalb haben wir den heutigen Antrag eingebracht.Die bisherigen Pläne der Bundesregierung sind nämlich in keiner Weise aufkommensneutral, dadie Unternehmen insgesamt über 5 Jahre mit jährlich mindestens 5 Mrd. Euro entlastet werdensollen. Nach Angaben der Landesregierung kostet die Reform dem Land Schleswig-Holsteinmindestens 80 Mio. Euro Steuereinnahmen und den schleswig-holsteinischen Kommunen fast40 Mio. Euro pro Jahr. Dies ist vor dem Hintergrund der immer noch angespannten finanziellenLage des Landes und der harten Sparmaßnahmen im Doppelthaushalt 2007/2008 aus Sicht desSSW nicht hinnehmbar. 2Die Kommunen, die Landesbediensteten und viele soziale und kulturelle Organisationen habenden massiven Sparkurs der Landesregierung im letzten Jahr am eigenen Leibe zu spürenbekommen. Deshalb wäre es aus Sicht des SSW geradezu ein Hohn für die Betroffenen, wenn manjetzt einfach den Unternehmen in dieser guten konjunkturellen Phase weitere Steuergeschenkemachen will. In diesem Zusammenhang möchte ich daran erinnern, dass die Gewinne der 30größten DAX-Unternehmen nach Presseangaben in diesem Jahr gegenüber 2006 mit einerzweistelligen Rate zunehmen und damit einen neuen Rekord erreichen.Vor diesem Hintergrund ist es unverständlich, wenn der Bundesfinanzminister ohne Not auf diezusätzlichen Steuereinnahmen der großen Konzerne verzichten will. Denn die wirtschaftliche Lageund die Konjunkturaussichten sind ja so gut wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr. Es ist also nichteinsehbar, warum den Unternehmen weitere Steuergeschenke auf Kosten der öffentlichen Handgemacht werden sollte. Der SSW fordert daher eine aufkommensneutraleUnternehmensteuerreform, die nicht zur Belastung der öffentlichen Haushalte führt. Das heißt,wenn man die Steuersätze auf das internationale Niveau senken will – was durchaus vernünftigsein kann – dann muss man gleichzeitig die Abschreibungsmöglichkeiten der Unternehmen – dieerwiesenermaßen in Deutschland sehr weit gefasst sind – so einschränken, dass es Netto zukeinen Steuermindereinnahmen kommt.Dies ist nach den bisherigen Informationen nicht der Fall. Dazu gibt es sogar Anzeichen, dass derMittelstand bei der angedachten Reform wieder einmal benachteiligt wird. Dies sehen auch vieleSteuerexperten so - zum Beispiel Professor Lorenz Jarass, der von 1998 bis 2000 Mitglied derKommission zur Reform der Unternehmensbesteuerung war. Jarass bezeichnete in der FrankfurterRundschau die aktuellen Pläne für die Unternehmenssteuerreform als unsozial und vertritt dieAuffassung, dass dadurch das Steuerrecht noch komplizierter wird als es heute schon ist. 3Seiner Ansicht nach führt die Reform zu massiven Steuerausfällen – höher als vomBundesfinanzminister erwartet. Dabei werden die bestehenden strukturellen Probleme - nämlichdie steuerliche Subventionierung des Arbeitsplatzexportes und die Zerschlagung inländischerFirmen - überhaupt nicht angegangen.Der Bundesfinanzminister argumentiert damit, dass die steuerliche Belastung der deutschenUnternehmen im internationalen Vergleich viel zu hoch ist. Richtig ist, dass der theoretischeSteuersatz bei rund 39% liegt. Aber nach Berechnungen der EU sind es faktisch nur 20% weil es so 20%,viele Abschreibungsmöglichkeiten gibt. Mit der reellen Steuerlast ist Deutschland also sehrwettbewerbsfähig, was ja übrigens auch der steigende Export jedes Jahr wieder beweist.Es ist zwar löblich, wenn Herr Steinbrück jetzt viele der Steuerschlupflöcher schließen will, abervon der Senkung der Körperschaftssteuer von 25% auf 15% und der weiteren Ungleichbehandlungvon Personen- und Kapitalgesellschaften profitieren nur die großen Konzerne. Und dieSteuereinnahmeverluste der öffentlichen Hand sind katastrophal – zumal der angeblichelangfristige finanzielle Ausgleich durch mehr Arbeitsplätze und höhere Gewinne aus Sicht desSSW vorläufig reine Utopie sind.Ich erinnere in diesem Zusammenhang nur an die letzte Unternehmenssteuerreform desdamaligen Bundesfinanzministers Hans Eichel, die zu dramatischen Einnahmeverlusten auch inSchleswig-Holstein geführt hat. Die finanzielle Konsequenz aus dieser Reform ist nach den Zahlenvon Finanzminister Wiegard geradezu die Ursache der Finanzprobleme des Landes. Und jetzt istman in Berlin dabei, schon wieder den gleichen Fehler zu begehen.Aus unserer Sicht reicht die Erhöhung der Erbschaftssteuer – die wir natürlich befürworten –allerdings nicht als Kompensation aus. Zumal sie nach Angaben von Finanzminister Wiegard nur16. Mio. • zusätzliche Steuereinnahmen pro Jahr für den Landeshaus erbringen würde. Wenn dieBundesregierung ihre Pläne nicht ändert, muss die Landesregierung daher im Bundesrat gegendiese Reform stimmen.