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Lars Harms zu TOP 15 - Klimaschutz in der Landwirtschaft
PresseinformationKiel, den 07.06.2007 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 15 16/1422 Klimaschutz in der Landwirtschaft Drs. 16/1422Die Auswirkungen des Klimawandels, werden sich für Europa dadurch auszeichnen, dass miteiner Zunahme von Extremwetterlagen zu rechnen ist. Insbesondere ein Wirtschaftsbereich wirdhiervon direkt betroffen sein, nämlich die Landwirtschaft. Daher müssen in der Landwirtschaftjetzt die Wege eingeschlagen werden, um sich dieser Herausforderung zu stellen. Hierbei geht esnicht nur darum, die Fruchtfolge anzupassen oder die Auswahl anzubauender Arten zuuntersuchen. Dies sind natürlich mittel- und langfristige Planungen in der Landwirtschaft, diegemacht werden müssen, um sich den Herausforderungen der Zukunft zu stellen. Und ich binmir sicher, dass die Landwirtschaft hier Mittel und Wege findet sich zu positionieren.Das Umweltbundesamt macht deutlich, dass die Landwirtschaft in Deutschland mit etwa 7% anden gesamten Treibhausgasemissionen in Deutschland beiträgt. Demnach haben dielandwirtschaftlich bedingten Methanemissionen einem Anteil von etwa 40 % an derGesamtemission. Diese stammen hauptsächlich aus der Rinderhaltung. Die Lachgasemissionen 2aus der Landwirtschaft tragen mit etwa 50% zu den Gesamtemissionen von Lachgas bei. Sie sindim wesentlichen durch Stickstoffumsätze im Boden bedingt. Es besteht hier ein direkterZusammenhang zwischen der Intensität der Bodenbewirtschaftung und der Emissionshöhe. DieEmissionen von Kohlendioxyd aus landwirtschaftlichen Böden haben einen Anteil von 4,5 % undspielen damit eine kleinere Rolle. An den Ammoniakemissionen ist die Landwirtschaft hingegenmit mehr als 90 % beteiligt. Diese sind zu 10 % auf die Düngung, der überwiegende Anteil aberauf die Tierhaltung und das Wirtschaftsdüngermanagement zurückzuführen. Dies sind keineneuen Erkenntnisse, aber ich meine, es macht deutlich, dass die Landwirtschaft eineVerantwortung hat, der sie sich stellen muss.Anlässlich der Woche der Umwelt beim Bundespräsidenten in Berlin, hat der DeutscheBauernverband diese Thematik auch aufgegriffen und stellt dar, dass durch die Landwirtschaftmehr Klima schädliches CO2 gebunden als freigesetzt wird. Damit leisten Land- undForstwirtschaft in ihrer Produktion in diesem Bereich einen positiven Beitrag zum Klimaschutz.Aber man ist sich von Seiten des Bauernverbandes auch bewusst, dass eine weitere VerringerungKlima schädlicher Gase in der Landwirtschaft notwendig ist. Diese Erkenntnis ist zu begrüßen.Denn es nützt nichts, wenn nur CO2 eingespart wird, dieses aber durch Lachgasemissionen„aufgefressen“ wird. Daher brauchen wir einen übergreifenden Ansatz.Und nun komme ich zu Antrag der Grünen. Natürlich kann man sich den aufgeführten Punktenim Antrag nicht verschließen, aber ich meine – und das ist meine Kritik – es ist eine einseitigeSicht auf die Landwirtschaft. Wir können doch nicht so tun, als ob unsere Landwirtschaft hier inSchleswig-Holstein auf einer Insel der Glückseeligen lebt. Sie sind globalen wirtschaftlichenZwängen ausgesetzt, die ich im Grünenantrag vermisse. Hier ist keine ausbalancierte Sicht aufdie Landwirtschaft zu erkennen.Von den aufgeführten Punkten möchte ich kurz auf einige eingehen.Wenn von der intensiven Tierhaltung gesprochen wird, dann ist damit auch dieMilchviehhaltung gemeint. Entscheidend für einen wirksamen Klimaschutz ist hierbei die 3Emissionen pro Kilogramm oder Liter eines erzeugten Produktes. Wenn wir heuteHochleistungsmilchkühe haben, die etwa 10.000 Liter Milch geben können, ist dies aus Sicht derKlimabilanz besser zu bewerten, als eine Kuh, die nur 5.000 Liter Milch gibt. Eine Verringerungder intensiven Tierhaltung wäre hierbei also sogar ein falsches Signal, wenn man nur den BereichKlimaschutz betrachtet.Punkt 4 des Antrages, die energetische Nutzung von Reststofffen als Biomasse. Wir wissen, dassderzeit ein Boom im Bereich der energetischen Nutzung von Biomasse stattfindet. Hierbeikommt insbesondere den nachwachsenden Rohstoffen wie beispielsweise Mais eine erheblicheBedeutung zu. Reststoffe werden heute in modernen Anlagen mit ca. 20- 30% beigemengt, aberohne den größeren Anteil von beispielsweise Mais lassen sich diese Anlagen nicht effektivbetreiben. Ob man das dann noch will, muss man genau prüfen.Die Unterstützung regionaler Verarbeitungs- und Vermarktungsangebote kann ich nurunterstützen und ist seit langem eine Forderung des SSW und wird auch von der Landwirtschaftselbst begrüßt. Doch hier müssen wir Erkennen, das dies hauptsächlich vom Verbrauchergesteuert wird. Aber nichts desto trotz sollten wir die Landwirtschaft in diesem Punkt weiterunterstützen.Was wir brauchen ist eine verstärkte Förderung im Bereich der Forschung in modernenVerfahrenstechniken und Produktionssystemen, mit einer ganzheitlichen Sicht. Damit meine ich,dass die Aspekte Ökologie, Ökonomie und Soziales – also im Sinne der Agenda 21 – in derartigeForschungsvorhaben einfließen müssen. Wir haben in Schleswig-Holstein das Know-how das esauszubauen gilt. Und wir müssen den landwirtschaftlichen Betrieb – wie jeden anderen Betrieb –als Ganzes ansehen und den Landwirten insbesondere Hilfestellung leisten, wie sie ihren Betriebund ihre Wirtschaftsweise so umstellen können, dass Ökologie, Ökonomie und soziale Aspektenicht unter die Räder geraten. Das hat vor allem etwas mit Forschung und Lehre zu tun.