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Anke Spoorendonk zu TOP 8 - Strafvollzug in Schleswig-Holstein
PresseinformationKiel, den 07.06.2007 Es gilt das gesprochene WortAnke SpoorendonkTOP 08 Strafvollzug in Schleswig-Holstein Drs. 16/1347Der SSW hat in der Diskussion über die Ausgestaltung des Strafvollzugs immer eine mäßigendeund vernunftorientierte Position eingenommen. Ich betone das, weil gerade in diesem Politikfelddie Boulevardmedien durch ihre einseitige Berichterstattung eine aufgeheizte Stimmung zuerzeugen wissen. Da ist dann von Wegschließen und Schlimmerem die Rede. Von dieserStimmungsmache sollten wir uns nicht unsere Entscheidungen diktieren lassen. Ich sage dasausdrücklich vor dem Hintergrund aktueller Geschehnisse, die nicht als Vorwand für einenunsozialen Strafvollzug herangezogen werden sollten, und nichts anderes ist das Wegsperrenohne Perspektive.Die Föderalismusreform hat den Ländern die Aufgaben für den Strafvollzug übertragen. Kritikerbefürchten einen Billigknast, der von privaten Unternehmen allein aus Profitkalkül betriebenwird. So eine Aufgabenübertragung wird es in Schleswig-Holstein nicht geben. Der SSW wirdeiner Privatisierung des Strafvollzugs auch niemals seine Stimme geben. 2Die Zusammenarbeit der Länder in Sachen Strafvollzug begrüßen wir ausdrücklich. Dennoch wirdes die Zukunft zeigen, wie sich die neue Kompetenzaufteilung auswirken wird.Strafvollzugpolitik bemisst sich eher nach Jahrzehnten, denn nach Legislaturperioden.Die rot-grüne Landesregierung hat ein großes Investitionsprogramm für die Haftanstaltenangeschoben, das nun weitergeführt wird. Noch im Jahre 2000 musste die damaligeJustizministerin teilweise katastrophale Zustände in den Haftanstalten einräumen. Übrigenshatte damals auch die FDP-Fraktion eine entsprechende Anfrage gestellt. Seitdem hat sich aberviel getan. Der SSW unterstützt die Modernisierung der Haftanstalten als einen Beitrag zurResozialisierung. Enge Knäste überfordern das Personal und führen zu Gewalt. Die Zahlen ausder Großen Anfrage belegen eindrücklich die Anstrengungen des Landes, diese Defizite zubeheben. Die Anstalten im Land sind nun einmal in ihrem Kernbestand durchschnittlich 100Jahre und älter und können nur mit erheblichem Aufwand baulich umgestaltet werden. EineNeiddebatte, nach der es Gefangene besser hätten als mancher Mieter, erledigt sich angesichtsder immer noch notwendigen Unterbringung in Dreierzellen, wie in Flensburg, sicherlich vonselbst.Gerade Jugendliche, die ihr ganzes Leben noch vor sich haben, müssen eine zweite Chanceerhalten, um nach Verbüßung der Strafe mit einer entsprechenden schulischen oder beruflichenPerspektive selbständig leben können. Den Ausbau entsprechender Angebote, vor allem inNeumünster, begrüßt der SSW ausdrücklich. Angesichts immer längerer Haftzeiten bietenqualifizierende Maßnahmen eine gute Grundlage für ein neues Leben. Dass die Freizeitangeboteparallel ausgebaut werden, weil gerade Jugendliche bei Leerzeiten auf dumme Gedankenkommen, ist der richtige Weg und sollte weitergeführt werden.Dass auch bald die jugendlichen weiblichen Gefangenen im Land inhaftiert werden, statt imniedersächsischen Vechta, ist gut und richtig. Eine wohnortnahe Inhaftierung erleichtert es den 3jungen Frauen sicherlich, den Anschluss an ihr Umfeld und ihre Familie zu behalten. In diegleiche Richtung geht die Erhöhung der Besuchszeiten auf monatlich vier Stunden.Ich möchte aber auch betonen, dass es nicht sein kann, dass Jugendliche erst nach einer Straftatüberhaupt Förderung erhalten. Die nach wie vor hohe Jugendarbeitslosigkeit bleibt eine derwesentlichen Ursache der Jugendkriminalität. Im Mai war jeder sechste Arbeitslose imAgenturbezirk Flensburg unter 25 Jahre alt. Beschäftigungslos und perspektivenlos geratenJugendlichen mit dem Gesetz in Konflikt und machen eher Bekanntschaft mit dem Strafvollzugals ihnen lieb ist. Einzelfälle zeigen erschreckende Wertedefizite bei den Tätern, die dieStrafwürdigkeit ihrer Taten auch noch vor Gericht leugnen.Diese Defizite kann eine aufsuchende Sozialarbeit auffangen. Deren Mittel wurden aberausgerechnet im letzten Haushalt um ein Drittel gekürzt. Diese Kürzung ist ein Beispielkurzsichtiger Politik: Wenn Beratung und Sozialarbeit zurückgestrichen werden, steigt dieWiederholungsgefahr. Gerade im Jugendstrafvollzug ist das eine unheilvolle Entwicklung. Hierwird gute Arbeit von Kompetenzkonflikten zwischen Sozial- und Justizministerium zerrieben.Lobenswerterweise hat dieses Problem die Große Anfrage zutage gefördert! Wir müssen hierschnellstmöglich auf Änderung drängen.Eine aktuelle Debatte möchte ich allerdings nicht unerwähnt lassen: dasPersonalmanagementkonzept der CDU. Die Landesregierung hebt in ihrer Antwort hervor undbelegt dies im Weiteren durch Fakten, dass die Mitarbeiter im Justizvollzug stark belastet sind.Ich hätte mir allerdings eine greifbare Zahl gewünscht, die die Belastung quantifiziert. Dennochkann man schwarz auf weiß nachlesen, dass keinerlei Stellenabbau vorgesehen ist. Dabei solltenwir es auch belassen. Ich hoffe, dass wir uns einig sind, dass weder ein Stellenpool, noch einSeiteneinstig beim Strafvollzugsdienst infrage kommt. 4Im Jugendstrafvollzug benötigen wir sogar mehr Stellen. Die Antwort verweist hier vor allem aufden Bedarf an sozialtherapeutischen Fachkräfte; aber auch die Verlängerung der Besuchszeitenwird mehr Personal nötig machen.Das Personal in den Haftanstalten ist hoch motiviert, was unter anderen an der enormenFortbildungsbereitschaft abzulesen ist. 865 Stellen im Justizvollzug stehen jährlich mindestens1.200 Teilnehmer an Fortbildungsveranstaltungen gegenüber. Ich finde das absolut lobenswertund ein beispielhaftes Verhalten. In anderen Bereichen des öffentlichen Dienstes sucht mandergleichen. Andererseits deutet die ausweichende Antwort zur Aufwandsentschädigung fürDiensthundeführer (Seite 131) eine gewisse Unflexibilität im Bereich personeller Veränderung an.Es handelt sich um die Anschaffung und Ausbildung anstaltseigener Drogenspürhunde. NeueAufgaben werden, so scheint es zumindest, nicht so schnell in Bestehendes aufgenommen, wiees möglich wäre.Haftanstalten sind, das habe ich bereits ausgeführt, per se Organisationen, die sich nur langsamverändern. Im Sinne einer modernen Resozialisierung und Personalführung sollten, nachsorgfältiger Abwägung selbstverständlich, die Prozesse in den Anstalten beschleunigt werden.Defizite, denen sich die Fachleute in den Anstalten durchaus bewusst sind, sollten schnellerbehoben werden können. Dabei kommt es natürlich auf den Flankenschutz durch eine Politik an,die sich nicht von aktuellen Geschehnissen treiben lässt. Dafür steht der SSW bereit!