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Anke Spoorendonk zu TOP 21 - Situation und Perspektiven der beruflichen bildung
PresseinformationKiel, den 12.07.2007 Es gilt das gesprochene WortAnke SpoorendonkTOP 21 Situation und Perspektiven der beruflichen Bildung 16/1456 Drs. 16/1456Die Antwort der Landesregierung auf die Große Anfrage der FDP über „Situation undPerspektiven der beruflichen Bildung in Schleswig-Holstein“ gehört zum Glück zu denjenigenBerichten, die es wert sind, gelesen zu werden. Im Namen des SSW bedanke ich mich also bei denzuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Bildungsministeriums, die uns dieselesenswerte Beantwortung der gestellten Fragen beschert haben. Dass dies alles keineSelbstverständlichkeit ist, wissen wir aus leidiger Erfahrung.Bestätigt wird, was auch in Veranstaltungen zu den Themen Ausbildungssituation undberufliche Bildung immer wieder eine Rolle spielt: Die Schülerzahlen in den Vollzeitschulartennehmen zu und für viele Jugendliche bedeutet der Übergang zur Beruflichen Schule erst einmal,dass sie ihren Hauptschulabschluss nachholen, einen Mittleren Schulabschluss, dieFachhochschulreife oder die allgemeine Hochschulreife erhalten. Das ist positiv.Aus Sicht des SSW wird aus dieser Entwicklung aber auch deutlich, dass die Berufliche Schuleeinen Großteil des Bildungsauftrages erfüllt, der eigentlich bei den allgemein bildenden Schulenliegen sollte. Es kann im Grunde nicht angehen, dass heute ein Drittel aller Abiturienten den 2Umweg über das Berufliche Gymnasium machen müssen, um die allgemeine Hochschulreife zuerlangen, zumal dies für die Jugendlichen auch kein einfacher Weg ist.Uns ist natürlich bewusst – auch dieses geht aus der Beantwortung der Landesregierung hervor –dass der Ausbau der vollschulischen Angebote auch eine Reaktion auf die Stagnation auf demAusbildungsmarkt ist. Die Zahl der Schulabgängerinnen und Schulabgänger hat sich in denletzten 10 Jahren kontinuierlich gesteigert, während das Ausbildungsplatzangebot fast konstantgeblieben ist. Wer aber behauptet, dass wir es hier ausschließlich mit einem Aspekt der„Warteschleifendebatte“ zu tun haben, verkennt, dass die jungen Menschen sich sehr bewusstfür einen höheren Bildungsabschluss einsetzen.Am Schulwandertag des DGB und der GEW, der am 1. Juni hier im Landtag stattfand, führte ich,wie andere Kollegen auch, Gespräche mit den teilnehmenden Jugendlichen. Ich unterhielt michmit einer Abschlussklasse der Hauptschule Jarplund-Weding, die mich ausdrücklich daraufaufmerksam machte, dass diejenigen, die nach den Sommerferien weiter zur Schule gehenwollten, um den Realabschluss zu erwerben, sich absolut nicht als „Warteschleife“ auffassten. Ja,dass sie sich durch dieses Etikett eigentlich verletzt fühlten.Dennoch geht aus der Großen Anfrage hervor, dass die Warteschleifen und die vielen berufs-vorbereitenden Maßnahmen ein vorrangiges Problem darstellen. Die Zahl der Jugendlichen imschulischen „Übergangssystem“ hat sich von 1995 bis 2005 kontinuierlich erhöht – auf dengesamten Zeitraum bezogen um 85 %. Dass die Berufsschulen dabei am meisten geleistet haben,während das Angebot der Bundesagentur für Arbeit relativ konstant blieb, gibt meines Erachtenszu denken. Der SSW begrüßt daher, dass sich die Landesregierung mit ihrem HandlungskonzeptSchule und Arbeitswelt, auch das Ziel gesetzt hat, die verschiedenen Bildungsangebote besseraufeinander abzustimmen.Auch der präventive Ansatz ist notwendig und richtig. Wie sich die Landesregierung im Einzelnendie Umsetzung des Konzepts vorstellt, sollte im Ausschuss erläutert werden. Dabei ist es positiv, 3dass auch das neue Schulgesetz mit der Meldepflicht für Berufsschüler den präventiven Ansatzstärkt.Im Ausschuss sollten wir uns auch näher mit den Konsequenzen des neuen Berufsbildungs-gesetzes auseinandersetzen. Ich denke dabei zum einen an die Möglichkeiten der schulischenBerufsbildung, die der SSW verstärkt aufgegriffen wissen möchte. Zum anderen wünsche ich mireine detaillierte Einschätzung hinsichtlich der neuen 2-jährigen Berufsausbildung. Der SSWbegrüßt, dass es diese neuen Ausbildungsmöglichkeiten gibt, wenn sie denn dazu führen, dassmehr Jungendliche eine Ausbildung erhalten. Was wir nicht wollen, ist ein Verdrängungs-wettbewerb.Und noch einen Punkt möchte ich im Ausschuss aufgreifen – die Möglichkeit der neuenRegionalen Berufsbildungszentren nämlich. Ich hätte mir gewünscht, dass dies schon aus derBeantwortung der Großen Anfrage hervorgegangen wäre. Insbesondere wüsste ich gern, wiesodort immer noch darauf verwiesen wird, dass es für bestimmte Ausbildungsgänge notwendig ist,Bezirksfachklassen einzurichten. Die neue Eigenständigkeit der RBZ müsste doch eigentlich dazuführen, dass diese nicht mehr erforderlich sind. Aus regionaler Sicht ist es wichtig, dass schnellauf Veränderungen auf dem Ausbildungsmarkt reagiert werden kann. Als Beispiel sei dieMechatroniker-Ausbildung genannt, die in Flensburg einen ganz anderen Hintergrund hat als inHusum. Und genau dies sollte mit der Umwandlung der Berufsschulen in RBZ besserfunktionieren als vorher.Als ich eingangs das Bildungsministerium für die Beantwortung der Großen Anfrage lobte, bezogmein Lob sich auch darauf, dass dort so viele Zusammenhänge angesprochen werden, dass esschwierig ist, hier im Plenum auf alle Aspekte einzugehen. Ich werde also den ganzen BereichWeiterbildung heute ausklammern, was wirklich nicht heißt, dass wir diesen Bereich nicht fürwichtig erachten – im Gegenteil. Auch darauf werden wir in der Ausschussberatung konkreteingehen, zumal uns bekannt ist, dass die Landesregierung als einen Beitrag zum Bürokratie-abbau das Bildungsfreistellunggesetz abschaffen möchte. Das wäre ein großer Fehler. 4Einen Punkt will ich aber unbedingt noch aufgreifen. Es dreht sich um die Ausbildung vonBerufsschullehrerinnen und -lehrern und um das Studiumsangebot der Universitäten. Dabeibeziehe ich mich auf die Situation an der Universität Flensburg und rufe in Erinnerung, dass dieUni Flensburg das Profil hat, ein Zentrum für Vermittlungswissenschaften zu sein. Dort wird derStudiengang Lehramt an Berufsbildenden Schulen in den Fachrichtungen Elektro- und Metall-technik vom „Berufsbildungsinstitut Arbeit und Technik“ (BIAT) getragen, dem vier Professurenzur Verfügung stehen – so in der Beantwortung der Großen Anfrage nachzulesen.Aus einer kleinen Anfrage, die ich vor kurzem zur Zukunft der Berufsschullehrerausbildung an derUni Flensburg gestellt habe, geht nunmehr hervor, dass die Landesregierung überlegt, das BIATnach Kiel zu verlegen – als Kompensation für die Verlagerung der Realschullehrerausbildungnach Flensburg. Und darum sage ich klar und deutlich, dass hier Äpfel mit Birnen verglichenwerden. Der SSW hat viel Verständnis dafür, dass die CAU Personalstellen einfordert. Das istnachvollziehbar. Gar nicht nachvollziehbar ist aber, dass das Wissenschaftsministerium dabeidas BIAT ins Spiel bringt. Damit kann die CAU wenig anfangen, während die Uni Flensburgdadurch schwer beschädigt wird. Sie verliert richtig Geld, weil das BIAT sehr forschungsintensivist und für die Universität wichtige Drittmittel einwirbt. Hinzu kommt, und das ist in diesemKontext das entscheidende, dass eine Verlagerung natürlich auch das Image der Universität alsForschungsstätte für Vermittlungswissenschaften beschädigen wird. Die Berufliche Bildunggehört ganz einfach dazu – auch unter grenzüberschreitenden Gesichtspunkten. Der SSW wirdsich also dafür stark machen, dass dieses nicht geschieht und hofft dabei auf die Unterstützungder Kolleginnen und Kollegen im Bildungsausschuss.Ich fasse zusammen: Mit den Antworten der Landesregierung auf die Fragen der FDP-Fraktion istdeutlich geworden, wie groß diese Baustelle der Beruflichen Bildung mittlerweile ist. Nicht alleswerden wir als Landtag in eigener Zuständigkeit lösen können. „Watt mutt, datt mutt“ sollteaber das Ziel der Ausschussberatung sein.