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13.07.07 , 15:43 Uhr
SSW

Anke Spoorendonk zu TOP 36 - Informatik als Unterrichtsfach

Presseinformation
Kiel, den 13. 7. 2007 Es gilt das gesprochene Wort



Anke Spoorendonk
TOP 36 Informatik als Unterrichtsfach Drs. 16/1496

Von dem niederländischen Informatiker Edsger Wybe Dijkstra stammt der Satz „In der Informatik
geht es genauso wenig um Computer wie in der Astronomie um Teleskope.“ Diesem
Missverständnis sitzt die antragstellende FPD-Fraktion allerdings auf. Die junge Wissenschaft der
Informatik hat zwar unsere Gesellschaft seit ungefähr 40 Jahren verändert, indem sie die
Voraussetzungen für einen weltweiten Datenverkehr schuf, dennoch gehört sie keineswegs in
den Kanon der „Allgemeinbildung“, wie der vorliegende Antrag suggerieren möchte. Informatik
ist die Wissenschaft von der systematischen Verarbeitung von Informationen, insbesondere der
automatischen Verarbeitung mit Hilfe von Rechenanlagen. Niemand wird das ernsthaft zur
Allgemeinbildung rechnen. Der SSW lehnt die Einführung eines Schulfaches Informatik ab.


Das bedeutet keineswegs, dass Informatik unwichtig oder randständig ist. Der Auftrag der Schule
ist allerdings eindeutig: die Schülerinnen und Schüler sollen lernen, verantwortungsbewusst mit
Datentechnik und mit Medien umzugehen. Nicht die Vermittlung der Informatik ist von Nöten,
sondern die Vermittlung von Medienkompetenz. Wenn heute bereits Grundschüler 2
selbstverständlich mit Maus und Tastatur hantieren, belegen sie damit eindrücklich, dass es ihnen
egal ist, wie diese Maschinen funktionieren. Sie erschließen sich mittels interaktiver Programme
neue Horizonte, ohne dabei - dank guter Vermittlung - die Realität aus den Augen zu verlieren. In
der Schule geht es um eine nutzerorientierte Pädagogik, die die Grenzen eines Mediums ohne
erhobenen Zeigefinger vermitteln kann. Der Computer ist weder eine Wunderwaffe noch
Teufelswerk, sondern ein alltägliches Arbeitsmittel wie der Stift, die Schere und ein Buch.
Niemand muss ein Fernsehtechniker sein, um die manipulative Kraft des Fernsehens zu begreifen.


Der Antrag führt einen neuen Lehramtsstudiengang Informatik in Kiel an. Ich möchte darauf
hinweisen, dass in der Lehrerausbildung weniger die Informatik, denn die Medienerziehung
unumgänglich ist. Wir sollten dementsprechend sicherstellen, dass alle angehenden Pädagogen
mit Medienerziehung vertraut gemacht werden und sie auch beherrschen. Medienbildung gehört
zu den fachlichen und fachübergreifenden Bildungszielen und ist ein grundlegendes
pädagogisches Erfordernis für alle Unterrichtsfächer, angefangen beim Sportunterricht, der mit
Anschauungsvideos arbeitet, bis hin zu naturwissenschaftlichen Fächern, die mittels geeigneter
Software das Fach erschließen helfen. Die Vermittlung von Denkprinzipien und einer fragenden
und hinterfragenden Haltung ist das A und O eines verantwortungsbewussten Umgangs mit
Medien. Das sollten alle Lehrerinnen und Lehrer beherrschen, damit sie Kinder und Jugendliche
dazu bringen, zu dem jeweils verwendeten Medium Fragen zu stellen. Auf diese Weise werden die
Schülerinnen und Schüler ertüchtigt, auch beim privaten Medienkonsum nicht unkritisch zu sein.


Überlegter Medieneinsatz leistet also einen wichtigen Beitrag zur Qualitätsverbesserung des
Unterrichts, der allen Schülerinnen und Schülern zugänglich gemacht werden sollte. Damit steht
die Medienerziehung im Vordergrund. Der SSW lehnt die Einführung von Informatik als Schulfach
ab.

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