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Lars Harms zu TOP 12 - Künftig gehört der Landeswald dem Finanzminister und nicht den Bürgern
PresseinformationKiel, den 12.09.2007 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 12 Gesetz über die Anstalt Schleswig-Holsteinische Landesforsten (Drs. 16/1582)Langsam aber sicher, weiß der Bürger nicht mehr, was er von dieser Regierung und der sietragenden Parteien halten soll. Die Kolleginnen und Kollegen von der CDU sind ja wenigstensnoch konsequent in ihrer Haltung. Sie haben klar angekündigt, dass sich der Landeswald„rechnen“ soll und alle anderen Ziele gegenüber der Gewinnorientierung hinten anstehen sollen.Diese Haltung teile ich zwar nicht, aber man weiß wenigstens, wo sie stehen. Bei denSozialdemokraten allerdings, weiß man es nicht. Da wird über Jahre, ja Jahrzehnte, eine gutePolitik zur naturnahen Entwicklung der Landeswälder gemacht, die auch von uns als SSWunterstützt wurde. Und nun gibt man diese Politik völlig auf.Auf dem Landesparteitag der SPD wird verkündet, dass Schluss sein soll, mit der reinwirtschaftlichen Betrachtung von Staatseigentum und dass man wieder zurückfinden will, zurVerantwortung für soziale Belange. Und dann bekommen wir hier so etwas geboten. DieLandesforsten werden in eine eigene Rechtsform überführt, die Gewinnstreben zum Ziel hat undbei der der Naturschutzgedanke und die Gemeinwohlleistungen des Waldes für die Bürgerinnen 2und Bürger nur noch nach Kassenlage mal hier und da eine Rolle spielen darf. Wir kennen diesesSpiel schon von der Diskussion um die Schülerbeförderung. Auf Parteitagen wird etwasverkündet und im Landtag wird dann das Gegenteil dessen beschlossen. Und nun macht dieSozialdemokratie mit diesem Spiel bei den Landeswäldern weiter.Für uns hat der Landeswald eine ganz andere Bedeutung als für die derzeit Regierenden. Für unsist der Landeswald immer noch die größte Naturschutzmaßnahme des Landes Schleswig-Holstein. Aufgabe des Landeswaldes ist es nicht vorrangig, Gewinn abzuwerfen, sondern seinenBeitrag für den Klima- und Naturschutz zu leisten. Und deshalb braucht man ihn auch nicht ineine Anstalt öffentlichen Rechts zu überführen. Im Landeswald sollen die Freiräume geschaffenwerden, die im Privatwald nicht geschaffen werden können. Jeder Privatwaldbesitzer betreibtseine Forsten nach den Bestimmungen des Landeswaldgesetzes. Das ist gut so und wird von unsauch anerkannt. Aber die Aufgabe des Landes ist es, in seinen Wäldern der naturnahenEntwicklung nicht nur eine Chance zu geben, sondern diese auch zu fördern. Und das kostetGeld. Wird aber der Landeswald in eine eigene Rechtsform überführt, so wird sich derwirtschaftliche Druck erhöhen und andere Ziele werden in den Hintergrund rücken.Ein Ziel, wie die Gewinnorientierung, sollte nicht als Hauptziel, sondern als Nebenziel formuliertsein. Unsere Betrachtungsweise unterscheidet sich sehr von der der Großen Koalition. Wirwollen, dass sich die Landeswälder so naturnah wie möglich entwickeln können und dass derGewässer- und Naturschutz hier die entscheidende Rolle spielen. Deshalb können wir auch nichtverstehen, dass im Verwaltungsrat der neuen Anstalt neben dem Fachministerium und demPersonalrat zwar das Finanzministerium und sogar Vertreter der Wirtschaft ihren Platzbekommen sollen, die Umweltverbände aber völlig außen vor gehalten werden. DieseBestimmung zeigt exemplarisch, dass die fachlich fähigen, aber unbequemen,Naturschutzverbände draußen vor gelassen werden sollen. So soll Gewinnstreben vorNaturschutz gestellt werden. 3Betrachtet man dann noch die Presseerklärung des Umweltministers vom 4. September, somüssen die Alarmglocken um so mehr schrillen. Da wird erstens angekündigt, dass der Verkaufvon so genannten unwirtschaftlichen und entbehrlichen Splitterwaldflächen weitergeführtwerden soll. Was das bedeutet, konnten wir insbesondere beim Verkauf des WaldesChristianslust im letzten Jahr sehen. Diese Politik wird jetzt weitergeführt und wenn erst einmalalles weg ist, kann man diese Entwicklung nicht mehr zurück drehen. Diese Flächen werden fürden Naturschutz dank der Großen Koalition verloren sein.Als zweites kündigt der Minister dann noch an – ich zitiere: „Es soll versucht werden, fürInfrastruktur- und Tourismusleistungen (z.B. Trimm-Dich-Pfade, Parkbänke, Reitwege) BeiträgeDritter zu erheben.“ Man will also Beiträge erheben; entweder von den Bürgerinnen und Bürgernselbst, von den Kommunen oder auch von Vereinen, die den Wald nutzen. Auf jeden Fall sollenwir alle für die Politik der Landesregierung zahlen und das bar-cash.Hier wird somit nicht der Spagat zwischen Einnahmeoptimierung und Erhalt derGemeinwohlleistungen geschafft, sondern der erste Schritt hin zu einem völligen Rückzug desLandes aus seinen Wäldern getan. Der Schritt hin zum Verkauf aller Landeswälder ist dann nichtmehr weit. Die weniger gewinnbringenden aber umweltpolitisch wertvollen naturnahen Wälderwerden auf ein Minimum reduziert. Und das hat dann nichts mehr mit Gemeinwohlleistungenzu tun. Ab dem 1. Januar gehört der in Jahrzehnten oft auch mit ehrenamtlicher Unterstützungaufgebaute Landeswald nicht mehr den Bürgerinnen und Bürgern, sondern nur noch demFinanzminister und dem finanzpolitischen Diktat.