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Lars Harms zu TOP 18 - Mit preußischem Obrigkeitsstaat fördert man keine moderne Esskultur
PresseinformationKiel, den 14.09.2007 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 18 Gesunde Ernährung in Kindertagesstätten und Schulen Drs. 16/1528; 16/1585Um es gleich vorweg zu sagen: Bei aller Sympathie für die Bemühungen der Kollegin Heinold umdie Gesundheit unserer Kinder, wird der SSW den Grünen bei diesem Antrag nicht folgen. Werdie Anträge der Kolleginnen und Kollegen durch die letzten Monate verfolgt hat, könnte leichtden Eindruck gewinnen, die Grünen würden alles gesetzgeberisch regeln und diktieren wollen.Das Rauchverbot kann ich ja noch nachvollziehen. Aber beim ministeriellen Verbot von Zucker,Fett und Salz an Kindertagesstätten und Schulen hört es bei mir wirklich auf. Mit preußischemObrigkeitsstaat fördert man keine moderne Esskultur!Dabei stimmt der SSW vollständig darin überein, dass etwas passieren muss, um unserenKindern und ihren Eltern frühzeitig eine gesunde Ernährung und Bewegung beizubringen. DieNotwendigkeiten und die Bedeutung einer frühen Prävention brauche ich hier nicht zuwiederholen. Die grundlegende Einsicht ist heute eigentlich auch Allgemeingut, lediglich ankonkretem Wissen und an der Umsetzung in Schulen und Tagesstätten hapert es noch vielerorts. 2Natürlich gibt es auch heute schon vorbildliche Einrichtungen, die ihren Eltern gesunde Brot-pakete für die Kinder vorschreiben, Süßigkeiten in der Einrichtung einschränken und den Kinderndas Wissen über eine gesunde Ernährung spielerisch vermitteln. Das Problem ist nur, dass diesbei weitem nicht in allen Kindertagesstätten passiert und dass durch die Ganztagsschule neueHerausforderungen entstehen. Ich glaube aber nicht, dass die Landesregierung deshalbvorschreiben sollte, welche Lebensmittel in die Kindergärten eingeführt werden dürfen.Entscheidend ist, dass die Pädagogen und Eltern vor Ort sich damit auseinandersetzen. Erzieherund Lehrer müssen das notwendige Wissen bekommen, um diese Frage mit den Eltern undKindern umzusetzen.Das notwendige Handwerkszeug dafür ist heute eigentlich schon vorhanden. Der Antrag derGrünen verweist auch selbst auf die vielen Organisationen, die sich dieser Frage gewidmethaben. Außerdem gibt es eine Reihe von lokalen Projekten und Initiativen. Die Kollegin Heinoldhat ja einige davon besucht, unter anderem in Flensburg, wo die Universität sowohl im BereichErnährung als auch in Sachen Bewegung sehr stark beteiligt ist. Darüber hinaus hat auch dieHochschule CVU Sønderjylland in Apenrade einige dänische und deutsche Kindergärten ausFlensburg darin unterrichtet, wie sie eigene „Unternehmenspläne“ dafür entwickeln, die Kinderpädagogisch und spielerisch an die Themen Ernährung und Bewegung heranzuführen. Ich denkediese Ressourcen der Hochschulen, des Netzwerkes Ernährung und anderer Fachleute müssenwir nutzen, um dass Personal aus allen Kitas und Schulen in Schleswig-Holstein zu schulen undauf lokale Best-Practice-Beispiele aufmerksam zu machen. Jede Einrichtung sollte Fortbildungenangeboten bekommen und ihren eigenen Aktionsplan dafür entwickeln müssen, wie man vorOrt mit dieser Frage umgeht. Das bringt letztlich mehr als korrekte Ernährung detailliert perministeriellem Erlass vorzuschreiben.Entscheidend ist, dass dafür auch die entsprechenden Mittel zur Verfügung gestellt werden; dasind wir mit den Grünen wieder ganz d’accord. Der Staat muss vor allem in den Ganztagsschulen 3finanziell eine vernünftige Ernährung in einem vernünftigen baulichen Rahmen sicherstellen.Vollkommen daneben finde ich allerdings, dass die Grünen zwei Preise für das Mittagessen anSchulen fordern, je nachdem ob die Eltern nun Hartz IV beziehen oder nicht. Ich will keineKantine, bei der sich die Kinder von Hartz IV-Empfängern in eine andere Schlange stellen, einenArmutsausweis vorzeigen müssen oder allein durch die Zahlung eines anderes Preisesstigmatisiert werden. Das kann nur ein Fehler im Grünen Antrag sein. Es muss einen niedrigenPreis geben, den alle bezahlen können. Alles andere ist nicht akzeptabel.Trotz allem hat der Antrag der Grünen aber den Charme, dass er der Regierung nicht nur einenBericht abverlangt, sondern einen konkreten Maßnahmekatalog. Dafür habe ich Verständnis,denn zumeist ist der Weg vom Bericht zur Handlung einer langer und für das Parlamentintransparent. Der SSW kann einem Teil der 11 Punkte im Grünen Antrag aber selbst bei bestemWillen nicht zustimmen. Deshalb würden wir es vorziehen, wenn wir im Ausschuss einenKompromiss auf der Basis des Antrags 16/1528 erarbeiten könnten. Sollte es aber zur Abstim-mung in der Sache kommen, werden wir den Berichtsantrag der Großen Koalition unterstützen.