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14.09.07 , 10:43 Uhr
SSW

Lars Harms zu TOP 18 - Mit preußischem Obrigkeitsstaat fördert man keine moderne Esskultur

Presseinformation
Kiel, den 14.09.2007 Es gilt das gesprochene Wort



Lars Harms
TOP 18 Gesunde Ernährung in Kindertagesstätten und Schulen Drs. 16/1528; 16/1585

Um es gleich vorweg zu sagen: Bei aller Sympathie für die Bemühungen der Kollegin Heinold um
die Gesundheit unserer Kinder, wird der SSW den Grünen bei diesem Antrag nicht folgen. Wer
die Anträge der Kolleginnen und Kollegen durch die letzten Monate verfolgt hat, könnte leicht
den Eindruck gewinnen, die Grünen würden alles gesetzgeberisch regeln und diktieren wollen.
Das Rauchverbot kann ich ja noch nachvollziehen. Aber beim ministeriellen Verbot von Zucker,
Fett und Salz an Kindertagesstätten und Schulen hört es bei mir wirklich auf. Mit preußischem
Obrigkeitsstaat fördert man keine moderne Esskultur!


Dabei stimmt der SSW vollständig darin überein, dass etwas passieren muss, um unseren
Kindern und ihren Eltern frühzeitig eine gesunde Ernährung und Bewegung beizubringen. Die
Notwendigkeiten und die Bedeutung einer frühen Prävention brauche ich hier nicht zu
wiederholen. Die grundlegende Einsicht ist heute eigentlich auch Allgemeingut, lediglich an
konkretem Wissen und an der Umsetzung in Schulen und Tagesstätten hapert es noch vielerorts. 2



Natürlich gibt es auch heute schon vorbildliche Einrichtungen, die ihren Eltern gesunde Brot-
pakete für die Kinder vorschreiben, Süßigkeiten in der Einrichtung einschränken und den Kindern
das Wissen über eine gesunde Ernährung spielerisch vermitteln. Das Problem ist nur, dass dies
bei weitem nicht in allen Kindertagesstätten passiert und dass durch die Ganztagsschule neue
Herausforderungen entstehen. Ich glaube aber nicht, dass die Landesregierung deshalb
vorschreiben sollte, welche Lebensmittel in die Kindergärten eingeführt werden dürfen.
Entscheidend ist, dass die Pädagogen und Eltern vor Ort sich damit auseinandersetzen. Erzieher
und Lehrer müssen das notwendige Wissen bekommen, um diese Frage mit den Eltern und
Kindern umzusetzen.


Das notwendige Handwerkszeug dafür ist heute eigentlich schon vorhanden. Der Antrag der
Grünen verweist auch selbst auf die vielen Organisationen, die sich dieser Frage gewidmet
haben. Außerdem gibt es eine Reihe von lokalen Projekten und Initiativen. Die Kollegin Heinold
hat ja einige davon besucht, unter anderem in Flensburg, wo die Universität sowohl im Bereich
Ernährung als auch in Sachen Bewegung sehr stark beteiligt ist. Darüber hinaus hat auch die
Hochschule CVU Sønderjylland in Apenrade einige dänische und deutsche Kindergärten aus
Flensburg darin unterrichtet, wie sie eigene „Unternehmenspläne“ dafür entwickeln, die Kinder
pädagogisch und spielerisch an die Themen Ernährung und Bewegung heranzuführen. Ich denke
diese Ressourcen der Hochschulen, des Netzwerkes Ernährung und anderer Fachleute müssen
wir nutzen, um dass Personal aus allen Kitas und Schulen in Schleswig-Holstein zu schulen und
auf lokale Best-Practice-Beispiele aufmerksam zu machen. Jede Einrichtung sollte Fortbildungen
angeboten bekommen und ihren eigenen Aktionsplan dafür entwickeln müssen, wie man vor
Ort mit dieser Frage umgeht. Das bringt letztlich mehr als korrekte Ernährung detailliert per
ministeriellem Erlass vorzuschreiben.


Entscheidend ist, dass dafür auch die entsprechenden Mittel zur Verfügung gestellt werden; da
sind wir mit den Grünen wieder ganz d’accord. Der Staat muss vor allem in den Ganztagsschulen 3
finanziell eine vernünftige Ernährung in einem vernünftigen baulichen Rahmen sicherstellen.
Vollkommen daneben finde ich allerdings, dass die Grünen zwei Preise für das Mittagessen an
Schulen fordern, je nachdem ob die Eltern nun Hartz IV beziehen oder nicht. Ich will keine
Kantine, bei der sich die Kinder von Hartz IV-Empfängern in eine andere Schlange stellen, einen
Armutsausweis vorzeigen müssen oder allein durch die Zahlung eines anderes Preises
stigmatisiert werden. Das kann nur ein Fehler im Grünen Antrag sein. Es muss einen niedrigen
Preis geben, den alle bezahlen können. Alles andere ist nicht akzeptabel.


Trotz allem hat der Antrag der Grünen aber den Charme, dass er der Regierung nicht nur einen
Bericht abverlangt, sondern einen konkreten Maßnahmekatalog. Dafür habe ich Verständnis,
denn zumeist ist der Weg vom Bericht zur Handlung einer langer und für das Parlament
intransparent. Der SSW kann einem Teil der 11 Punkte im Grünen Antrag aber selbst bei bestem
Willen nicht zustimmen. Deshalb würden wir es vorziehen, wenn wir im Ausschuss einen
Kompromiss auf der Basis des Antrags 16/1528 erarbeiten könnten. Sollte es aber zur Abstim-
mung in der Sache kommen, werden wir den Berichtsantrag der Großen Koalition unterstützen.

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