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Anke Spoorendonk zu TOP 42 - Sprachförderung in Schleswig-Holstein
Presseinformation Kiel, den 14.09.2007 Es gilt das gesprochene WortAnke SpoorendonkTOP 42 Sprachförderung in Schleswig-Holstein Drs. 16/1463Frühzeitige Sprachförderung gehört zu den probaten Mitteln, um Chancengleichheit und Teilhabeam gesellschaftlichen Leben zu verwirklichen. Was sich fast wie eine Binsenwahrheit anhört,gehört aber erst seit rund 10 Jahren zu den Kernaufgaben der Landespolitik. Denn seit 1996 fördertdas Land erst die Qualifizierung des pädagogischen Personals von Kindertageseinrichtungen aufdem Gebiet der allgemeinen Sprachförderung. Und erst im Jahr 2006 finden sich für dievorschulische Sprachförderung 3 Mio € im Haushalt des Landes wieder. Insgesamt möchte dieGroße Koalition in dieser Legislaturperiode 27 Mio € für den Bereich der Sprachförderung zurVerfügung stellen. Wer noch die Debatten hier im Hause zum neuen Kindertagesstättengesetz imOhr hat, wird wissen, dass diese Mittel – trotz des positiven Signals – noch nicht die Garantie füreine nachhaltige Sprachförderpolitik sind.Kinder mit Defiziten in der Sprachentwicklung können sich grob in drei Gruppen einteilen lassen:Kinder aus spracharmen Familien, die nur kurze Sätze beherrschen und denen dieBedeutungsvielfalt der Sprache verschlossen ist. Daneben gibt es Kinder, die im Elternhaus nicht 2deutsch sprechen, sondern eine andere Sprache und darum einer besonderen öffentlichenFörderung bedürfen, um deutsch sicher zu beherrschen. Die letzte Gruppe sind Kinder, dieaufgrund von Schwerhörigkeit oder einer anderen physischen oder psychischen Ursache nichtoder kaum sprechen.Aus diesen drei Problembereichen ergeben sich laut Bericht der Landesregierung auch dreiHandlungsfelder: Die Sprachförderung in Kindertageseinrichtungen, die ja mit dem neuenKindertagesstättengesetz Teil des Bildungsauftrages von Kindertageseinrichtungen geworden ist.Die Arbeit der Förderzentren –teils für die Fachkräfte der Kindergärten, teils als eigentlicheSprachheilförderung – und die Sprachintensivförderung im Rahmen der SPRINT-Maßnahmen imletzten halben Jahr vor der Einschulung der betroffenen Kinder.Man möchte meinen, dass diese drei Handlungsfelder auch drei Gruppen von Kindern ent-sprechen. Ein Blick in die Statistiken des vorliegenden Berichtes belehrte mich allerdings einesBesseren. Gemischte Gruppen sind weit überwiegend das Mittel der Wahl, wobei die Entwicklungdeutlich auf eine Entflechtung der Gruppen hinaus läuft. Zweidrittel der Gruppen sind heutegemischt, während ihr Anteil im letzten Jahr noch über 80% betrug. Das begrüßt der SSW, dennSprachenlernen und Sprachförderung werden in gemischten Gruppen vermengt.Die Entwicklung hin zu klar definierten Gruppen – zum Beispiel von Kindern mit Migrations-hintergrund – muss also weiter vorangebracht werden, um die Effizienz der SPRINT-Maßnahmenzu steigern.Für alarmierend halte ich darüber hinaus, dass inzwischen jeder zehnte ABC-Schütze imZusammenhang mit SPRINT gefördert wird. In Flensburg war es im letzten Jahr sogar fast jedesfünfte Kind. Es ist aber positiv, dass im Bericht darauf hingewiesen wird, dass die Kooperationzwischen Kindertageseinrichtungen und den Schulen mittlerweile so gut funktioniert, dass dieFördermaßnahmen nach dem Schuleintritt der betroffenen Kinder fortgesetzt werden. 3Für uns ist dabei von Bedeutung, dass Kinder in erster Linie integrativ gefördert werden. Das giltderzeit für über 65%, wobei auch aus dem Bericht hervor geht, dass sich diese Entwicklungfortsetzen wird. Aus Sicht des SSW ist es also nicht der Sache dienlich, wenn – wie mehrfach imLandtag geschehen – nicht die Sprachförderung, sondern der Erhalt der Sprachheilgrundschulenin den Mittelpunkt der Debatte gerückt wird. Angesichts der Vielzahl an Fällen und Förder-instrumenten kommen wir aber um eine valide Evaluation der verschiedenen Maßnahmen nichtherum. - Also: Welche Fortschritte machen die Kinder und können sie mittels SPRINT demUnterricht folgen und sich selbst am Unterricht beteiligen?Ich weiß gut, dass unter Fachleuten um die Messung des Sprachentwicklungsstandes einerbitterter Streit tobt. Dennoch müssen wir genau wissen, ob und in welchem Maße die Mittelanschlagen. Der vorliegende Bericht gibt uns erste Hinweise – auch darüber, was im Bereich derSprachförderung vonseiten der Landesregierung weiter geplant ist. Schon dadurch erfüllt er einewichtige Funktion.