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Anke Spoorendonk zu TOP 23 - Zwangsarbeitslager in der Volksrepublik China
Presseinformation Kiel, den 10.10.2007 Es gilt das gesprochene WortAnke SpoorendonkTOP 23 Verurteilung des Systems der Zwangsarbeitslager in der Volksrepublik China Drs. 16/1644Bereits bei der Debatte über den Bericht zur Fortentwicklung der Zusammenarbeit zwischenSchleswig-Holstein und der chinesischen Partnerregion Zhejiang im November vergangenenJahres sprachen mehrere Rednerinnen und Redner - und auch der SSW - das Thema derMenschenrechte in China an. Denn trotz aller Fortschritte, die China in wirtschaftlicher Hinsichtin den letzten Jahren erreicht hat, bleibt die Situation in den Fragen der Menschenrechteweiterhin sehr schwierig.Daher begrüßt der SSW, dass wir uns heute mit einer interfraktionellen Resolution zur„Verurteilung des Systems der Zwangsarbeiter in der Volksrepublik China“ befassen. Es gehtdarum, das Bewusststein für diese Problematik zu schärfen. – Wobei Schleswig-Holstein durchseine Partnerschaft mit Zhejiang einer besonderen Verantwortung zukommt, die wir mit dieserResolution und der öffentlichen Debatte dazu auch wahrnehmen. 2Auch der Deutsche Bundestag und beispielsweise die Hamburgische Bürgerschaft haben dassensible Thema der so genannten Laogai-Lager öffentlich aufgegriffen, weil Zwangsarbeitslagerimmer noch zu den großen Menschenrechtsproblemen in der Volksrepublik China gehören. Sobefinden sich zurzeit mehrere Millionen Menschen in diesen Lagern. Genauere Angaben sindnatürlich schwer zu beschaffen. Man rechnet aber damit, dass etwa 10% der Insassen politischeGefangene sind. Das Laogai-System umfasst nach Recherchen der Washingtoner Laogai ResearchFoundation mehr als 1000 Gefängnisse, Lager und andere Einrichtungen, in denen die Insassenunterschiedliche industrielle Tätigkeiten verrichten müssen.Die Laogai-Lager dienen ausdrücklich der Umerziehung der Gefangenen - zu „neuensozialistischen Menschen" oder zu „reformierten Kriminellen". Damit ist das System der Lagoi-Lager in der Volksrepublik China ein wesentliches Instrument der politischen Unterdrückung. Aufder anderen Seite sind die Laogai aber zumeist auch profitable Unternehmen. Das heißt: sowohlihre Existenz als auch die Arbeitsbedingungen dienen auch rein wirtschaftlichen Interessen.Die Arbeitsbedingungen sind in der Regel menschenunwürdig. Die Essensrationen sind an dieArbeitsleistungen gebunden; die unentgeltliche Arbeit dauert bis zu 16 Stunden täglich - an siebenTagen die Woche, bei oft nur 3 bis 4 Feiertagen im Jahr. Arbeiten im Umgang mit giftigenChemikalien - oder auch Arbeiten im Uranabbau - werden dabei nach Berichten von Betroffenenohne die notwendige Schutzkleidung durchgeführt. Körperliche Gewalt und auch Folter sind ander Tagesordnung. Aufgrund dieser Umstände ist die Todesrate in den Laogai extrem hoch.Zum einen handelt es sich hier also um Menschenrechtsverletzungen, die man überall auf derWelt ansprechen sollte. Zum anderen kommt noch hinzu, dass viele Unternehmen aus Chinanichts zuletzt wegen dieser Lager einen Wettbewerbsvorteil im internationalen Handel haben. DieKehrseite der Globalisierung hat also leider auch viel mit Menschenrechtsverletzungen zu tun,und gerade wir in der westlichen Welt haben eine besondere Verpflichtung darauf zu drängen,dass Menschenrechte, ethische Normen und soziale Mindeststandards überall auf der Welt 3eingehalten werden. - Das gilt dann natürlich auch für die westlichen Staaten selbst und nichtnur für Schwellen- und Entwicklungsländern.Wenn es um Menschenrechtsverletzungen geht, haben wir es mit einer langen Liste von zu tun,wie jährlich von Amnesty International vorgetragen – angefangen mit den Verhältnissen imGuantanamo – Lager der Amerikaner oder - wie uns ganz aktuell wieder in Erinnerung gerufenwird – in Birma, wozu jüngst in der dänischen Presse nachzulesen war, dass zum Beispiel diestaatliche dänische Pensionskasse ATP trotz UNO-Sanktionen mit Birma Geschäfte gemacht undso das Regime unterstützt hat. Ein derartiges Verhalten ist inakzeptabel und muss verurteiltwerden, wenn wir denn unsere eigenen Werte und Prinzipien noch ernst nehmen.Für China gilt also, dass die chinesischen Firmen einen enormen Wettbewerbsvorteil durchniedrige Umweltstandards, zu niedrige Löhne und oftmals katastrophale Arbeitsbedingungenhaben. Die Zwangsarbeitslager sind dabei natürlich die Perversion dieses Wettbewerbsvorteils.Auch wenn wir in Deutschland gern mit China Handel betreiben, müssen wir also von unseremSelbstverständnis her unbedingt darauf drängen, dass China die internationalen Standards derWTO zum Beispiel, aber auch die in der UN-Menschenrechtskonvention enthaltenenMenschenrechte anerkennt.Wir hoffen, dass diese Resolution einen kleinen bescheidenen Beitrag zum Dialog mit denVerantwortlichen in China beitragen wird, damit man auf Sicht dieses System derZwangsarbeitslager endlich abschafft.