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Lars Harms zu TOP 11 - Schleswig-Holsteins Beitrag zum Klimaschutz
Presseinformation Kiel, den 11.10.2007 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 11 Schleswig-Holsteins Beitrag zum Klimaschutz und mögliche Auswirkungen der Klimaveränderung Drs. 16/1620Klimawandel, seine Ursachen und die möglichen Auswirkungen haben gerade in jüngster Zeit zuvielen Diskussionen auf allen Ebenen geführt. Und die neuesten Erkenntnisse sind mehr alsalarmierend. Der Klimawandel hat globale Auswirkungen, die nicht endgültig abschätzbar sind.Aber wir wissen, dass er sich auf die Nahrungsmittelproduktion, Wasserverfügbarkeit,Meeresspiegel, Gesundheit, Tier- und Pflanzenarten sowie auf die Ökosysteme auswirkt. Dies gehtso auch aus der Antwort der Landesregierung hervor. Die globale Veränderung des Klimas hatAuswirkungen bis in den kleinsten lokalen Bereich. Daher verteilt sich die Verantwortung hierfürauch auf alle Ebenen.Gerade die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse haben deutlich gemacht, dass es fünf vorzwölf ist und inwieweit sich der Klimawandel abwenden lässt, ist fragwürdig. Der 4. Bericht desIPCC (Intergovernmental Penal on Climat Change) macht hierzu deutlich, dass der Klimawandelnicht mehr vollständig aufzuhalten ist. Wenn es uns nicht gelingt, das Ruder herumzureißen,rennen wir sehenden Auges in den Klimakollaps. 2Klimaforscher und -Wissenschaftler warnen bereits seit Jahren vor den Auswirkungen desKlimawandels und haben immer wieder auf den Treibhauseffekt hingewiesen. Jahrelang musstensie sich wie Rufer in der Wüste vorgekommen sein, denn lange Zeit gab es auch wissenschaftlicheAusführungen, die den Zusammenhang zwischen Treibhausgasen und Klimawandel bestrittenhaben und darauf verwiesen, dass es immer wieder globale Kalt- und Wärmeperioden gegebenhat, die nicht von Menschen verursacht wurden. Verantwortliche konnten sich somit immerwieder auf solche Äußerungen berufen und die Hände getrost in den Schoß legen. Insbesonderedie USA als größter Emittent von CO2-Treibhausgasen haben jahrelang so agiert und nichts getan.Rückblickend müssen wir feststellen, dass durch dieses passive Verhalten wertvolle Zeit verlorengegangen ist und es ist nicht vollends absehbar war, was uns diese Bequemlichkeit bringen wird.Aber anstatt aus den Erfahrungen der Vergangenheit Lehren zu ziehen, sind die Ergebnisse derTagung des IPCC in Paris mehr als ernüchternd. Die Amerikaner sind gegen Gesetze zur Regelungdes CO2-Ausstoßes und Inder und Chinesen wollen ihr Wirtschaftswachstum nicht gefährden. Ausder Antwort der Landesregierung geht hervor, dass der Energiebedarf weltweit weiter wachsenwird. Insbesondere China verzeichnet aufgrund des industriellen Wachstums einen starkenAnstieg des Energiebedarfs, der insbesondere durch die fossilen Energieträger Gas, Kohle undErdöl gedeckt wird. Ein derartiges „weiter so- und mehr davon“ ist katastrophal.Angesichts dieser Entwicklung kann man sich die Frage stellen, warum die EU dann überhauptnoch Anstrengungen unternimmt die CO2-Emissionen gegenüber 1990 mindestens um 20% biszum Jahr zu reduzieren und bis 2050 Minderungen von 60 bis 80% gegenüber 1990 zu erreichen.Aber hier sagen wir als SSW deutlich, dass wir uns der Verantwortung stellen müssen und dieseAnstrengungen unternehmen müssen und wir begrüßen diese Beschlüsse ausdrücklich. Aber wirmahnen auch an, dass wir es uns nicht leisten können, von diesen Zielen weiter abzurücken.Wir müssen den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen und Umwelt vorleben. Nur dannkönnen wir dies auch von anderen fordern. Hier haben wir eine Vorbildfunktion die mit derSelbstverpflichtung anfängt und diese müssen wir ernst nehmen. 3Was können wir also tun, um die Situation in Europa, in Deutschland und in Schleswig-Holstein zuverbessern? Einer besonderen Aufgabe kommt hierbei der „energiepolitische Dreisprung“ zu.Energieeinsparung, Erhöhung der Energieeffizienz und Vorrang für erneuerbare Energien.Dass die Umsetzung dieser Maßnahmen nicht einfach ist und nur sehr langsam von statten geht,wissen wir aus der Vergangenheit.Dies ist unter anderem darin begründet - und darauf weist auch die Landesregierung hin – dassdie Länder, die sich frühzeitig gegen den Einsatz der Kernenergie entschieden haben, einewesentlich konsequentere energiewirtschaftliche Investitionsstrategie in RichtungEnergieeffizienz und erneuerbare Energien entwickelt haben. So ist der Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung in Dänemark mit ca. 50% Anteil an der Stromerzeugung und fast vollständigerWärmeversorgung aller Groß- und Mittelstädte ebenso wie in den Niederlanden – ca. 40% KWKAnteil an der Stromerzeugung - und Österreich mit ca. 30% wesentlich höher als in Deutschlandmit ca. 10%. Ebenso ist der Anteil der Windenergienutzung und Biomassenutzung in Dänemarkund Österreich vergleichsweise hoch. Die CO2-Emissionen pro Kopf der Bevölkerung liegen inDänemark und Österreich ca. 10% niedriger als in Deutschland.Nun lässt sich die Fehlentscheidung auf Kernenergie zu setzen zwar nicht zurückdrehen, aber esmacht deutlich, dass der Druck, aus der Kernenergie auszusteigen, nicht nachlassen darf. Anstattweiter auf die risikobehaftete Kernenergie zu setzen, müssen Anstrengungen unternommenwerden, den Mix aus Energieeinsparung, Erhöhung der Energieeffizienz und Vorrang fürerneuerbare Energie voran zu bringen. Inwieweit dies von Erfolg gekrönt sein wird, wird dieZukunft zeigen. Aber wir können davon ausgehen, dass der weltweite Energieverbrauch in denkommenden Jahren massiv steigen wird. Daher werden in der näheren Zukunft die fossilenEnergieträger weiterhin eine wichtige Rolle für die Energieversorgung spielen. 4Aus Sicht des SSW gibt es keine Alternative zum Atomausstieg und ich kann nur davor warnen,angesichts des steigenden Energiebedarfs, diesen Atomkonsens in Zweifel zu ziehen. Dies ist dieeinzig wahre Entscheidung, um endlich einen Schlussstrich unter diese risikobehafteteEnergieform zu setzen. Im Zusammenhang mit der Klimadiskussion und der CO2-Reduktion wirddie Atomenergie von seinen Befürwortern immer wieder ins Spiel gebracht. Auch wenn esvordringlich so aussieht, dass die Atomenergie zur Lösung der CO2-Problematik beitragen könnte,birgt diese Energieform Risiken in sich, die wir letztendlich nicht kontrollieren können und die eingefährliches Abfallproblem für viele nachfolgende Generationen darstellt. Diese Seite derAtomenergie müssen wir berücksichtigen, wenn wir über künftige Energiepolitik sprechen.Doch wie lässt sich der Energiebedarf decken. Hier benötigen wir eine Übergangslösung und füruns ist klar, dass wir um den Einsatz von Kohlekraftwerken nicht herum kommen. Für uns geht esdabei darum, alte Kohlekraftwerke durch neue zu ersetzen – denn auch so erzielen wir eineVerbesserung der CO2-Bilanz. Der Einsatz neuester Technologien ist hierfür deshalbunumgänglich, um Kohlekraftwerke zu rechtfertigen. Insbesondere kommt hierbei der CO2-Reduzierung besondere Bedeutung bei. Die Landesregierung macht hierzu deutlich, dass diesgrundsätzlich erreichbar ist durch die Steigerung des elektrischen Wirkungsgrades, demergänzenden Einsatz von emissionsärmeren Brennstoffen und durch die Kraft-Wärme-Kopplung.Darüber hinaus besteht die noch kaum genutzte Möglichkeit, CO2 vor oder nach demVerbrennungsprozess abzuscheiden und an geeigneten Stellen zu lagern. Doch diese Entwicklungsteckt derzeit noch in den Kinderschuhen und wirft insbesondere in Bezug auf die Lagerung nochFragen auf. Aber nichts desto trotz, sollten wir diese technologische Entwicklung weitervoranbringen, damit wir uns auf diesem Feld ein Know-how aneignen, dass zur Lösung künftigerEnergieprobleme beitragen kann.Wenn für Schleswig-Holstein entschieden wird, ein Kohlekraftwerk zu errichten, dann darf diesnur dort geschehen, wo wir eben auch die Abwärme entsprechend nutzen können, damit denhöchsten Wirkungsgrad erzielen können. Und aus Sicht des SSW kommt dafür nur der Standort 5Brunsbüttel in Frage. Neben der Möglichkeit der Abwärmenutzung haben wir dort eben auchStandortvorteile, wie z.B. die notwendige Netzstruktur sowie die Möglichkeit, der direktenvergleichsweise Klima schonenden Erreichbarkeit aufgrund des Hafens.Aber eins muss hierbei auch deutlich gesagt werden, für uns sind Kohlekraftwerke nicht dieendgültige Lösung des Energieproblems, gerade aufgrund der CO2-Problematik. Doch alsÜbergangslösung sehen wir in der Kohle eine geeignete Alternative.Letztendlich muss es aber darum gehen, den energiepolitischen Dreisprung hinzubekommen. Unddie Aussichten, insbesondere im Bereich der erneuerbaren Energien, wie sie auch von derLandesregierung dargestellt werden, lassen uns hoffen, dass wir langfristig den Strombedarf auserneuerbaren Energien mehr als abdecken können. Insbesondere die Windenergie mit einemAnteil von rund 33% am Stromverbrauch kann heute bereits Erfolge verzeichnen. Zwei Bereicheder erneuerbaren Energien möchte ich für Schleswig-Holstein besonders hervorheben. Zum einender Windenergiesektor – Onshore und Offshore - und zum anderen, auf Grund der ländlichenStruktur, die Energiegewinnung aus Biomasse.Der Antwort der Landesregierung ist hierzu zu entnehmen, dass bis 2020 unsere Stromerzeugungvoraussichtlich einen Anteil am Stromverbrauch von weit über 100% erreicht – wenn diegeplanten Offshore-Windkraftanlagen realisiert werden und wenn das Repowering an Landdurchgeführt wird. Hinzu kommt der Stromanteil aus der Biomasse. Natürlich sind dies durchauserfreuliche Aussichten, aber damit dies auch eintreffen kann, bedarf es noch erheblicherAnstrengungen. Es gibt leider noch zu viele ungeklärte Fragen. Diese gehen über dieunzureichenden Netzkapazitäten, über planungsrechtlichen Fragen hinsichtlich des Repoweringbis hin zur Wirtschaftlichkeit der Offshore-Windkraftanlagen. Daher können wir uns auch nichtkurzfristig auf den alleinigen Ausbau der Windkraft und der Biomasse verlassen. Jedoch solltenwir politisch alles daran setzen, den Weg so schnell wie möglich hierfür zu ebnen, damit dieerneuerbaren Energien vollends ausgeschöpft werden können und so auch die fossilenEnergieträger abgelöst werden können.