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Lars Harms zu TOP 17 - Herausforderungen des demografischen Wandels für den Wirtschaftsstandort Schleswig-Holstein
Presseinformation Kiel, den 12.10.2007 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 17 Herausforderungen des demografischen Wandels für den Wirtschaftsstandort Schleswig-Holstein annehmen Drs. 16/1627Schaut man sich die Bevölkerungsentwicklung der Vergangenheit und deren Fortschreibung in dieZukunft an, so zeigt sich mit aller Vehemenz, dass die Menschen in Deutschland immer älterwerden und die Zahl der Kinder kontinuierlich abnimmt: Bis zum Jahr 2030 wird sich dieBevölkerungszahl von heute 81,6 Mio. auf 74,7 Mio. Menschen verringert haben. Aus den niedrigenGeburtenraten über 30 Jahre hinweg resultiert auch, dass die Bevölkerung immer älter wird.Während 2005 das Durchschnittsalter der Bevölkerung 41 Jahre war, wird es im Jahr 2030 auf 51Jahre ansteigen.In Unternehmen liegt das Durchschnittsalter derzeit bei 43 Jahren, 2030 soll es 53 Jahre betragen.Gleichzeitig erhöht sich der Anteil derer, die über 60 Jahre alt sind. Derzeit sind 24,8 % derBevölkerung älter als 60 Jahre, im Jahr 2020 werden es 29,5 % sein. Bis 2030 steigt die Anzahl derüber 60-Jährigen auf 35,4 % der Gesamtbevölkerung, wenn nicht gehandelt wird. Diese Zahlensprechen eine deutliche Sprache. 2Diese Entwicklung wird weit reichende Folgen für Produkt-, Kapital-, Immobilien- undDienstleistungsmärkte haben; jedoch auch auf die Finanz-, Bildungs-, Sozial- undZuwanderungspolitik von Bund, Ländern und Kommunen. Darüber hinaus stellt sie denArbeitsmarkt vor neue Herausforderungen. Deshalb begrüßen wir, dass CDU und SPD mit demheutigen Antrag die Herausforderungen des demografischen Wandels für denWirtschaftsstandort Schleswig-Holstein auf die Tagesordnung gesetzt haben.Dabei geht es aus Sicht des SSW nicht darum, immer nur den Untergang des Abendlandesanzumahnen – wie es in der Populärpresse Gang und Gebe ist, wenn das Thema demografischerWandel angesprochen wird – vielmehr müssen wir uns endlich auch mal mit den Chancen undMöglichkeiten beschäftigen, die sich auch aus dieser Entwicklung gerade für Schleswig-Holsteinergeben können. Denn diese Entwicklung kommt ja nicht von heute auf morgen. Es ist ein Prozessder sich über 30 Jahre fortsetzen wird – soviel kann man heute Wohl schon sagen – und deshalbgeht es darum aktiv in diesen Prozess zum Wohle des Landes einzugreifen.Zum einen muss die Politik die Unternehmen dabei unterstützen den demografischen Faktor inihrem Personalmanagement und in der Unternehmensentwicklung mit einzubeziehen. Dennobwohl mehr als 70 % aller Unternehmen bekannt ist, dass in den nächsten 10 Jahren der Anteilder über 55-jährigen in den Betriebe stark zu nehmen wird, sind nur wenige Firmen schon dabei,hinreichende Lösungskonzepte zu erarbeiten. Hier sollte die Landesregierung Programmeanbieten, die die Unternehmen dabei unterstützen eine altersausgewogene Personalpolitik zuentwickeln. Denn es ist ja richtig, dass nur diejenigen Wirtschaftsstandorte attraktiv bleibenwerden, die auch in Zukunft über ein ausreichend und gut ausgebildetes Arbeitskräfteangebotverfügen. Dazu gehört natürlich auch, dass Schleswig-Holstein ein qualitativ hochwertiges Schul-und Hochschulsystem verhält und dass man eine Ideologiefreie Einwanderungspolitik betreibt. 3Darüber hinaus ist es natürlich auch wichtig – wie im Antrag angesprochen – das dieLandesregierung gerade die kleinen und mittleren Unternehmen dabei unterstützt, neueGeschäftsfelder, die sich aus dem demografischen Wandel ergeben, zu erschließen.Die Gesundheitswirtschaft, die Kulturwirtschaft, der Bereich Life-Science und dieBildungseinrichtungen sind alles Bereiche, wo wir in Schleswig-Holstein einer älter werdendenGesellschaft viel zu bieten haben und davon sollten gerade unsere Unternehmen in Zukunft nochmehr als bisher profitieren können.Allerdings fehlt mir im Antrag ein wichtiger Punkt. Denn gerade im Tourismusbereich dürfte derdemografische Wandel große Möglichkeiten für uns im Land bieten. Ältere Menschen werden inZukunft mehr verreisen, sie sind fit und stellen große Anforderungen. Was liegt näher, als dasSchleswig-Holsteins Tourismuswirtschaft sich gerade bei diesen „Best Agern“ profiliert und sichquasi als Florida Deutschlands positioniert, um ältere Menschen anzuziehen. Wir haben schöneLandschaften, zwei Meere und viel Frische Luft. Was uns fehlt sind aber immer noch vernünftigetouristische Strukturen, die sich auf die veränderten Urlaubsanforderungen, die sich durch dendemografischen Wandel ergeben werden, einstellen. Gleiches gilt übrigens auch, wenn mandaran denkt, dass diese begüterten Schichten durchaus auch ihren gesamten Lebensabend hierbei uns verbringen könnten.In diesem Bereich sehen wir also großen Chancen für unsere Wirtschaft und deshalb ist derdemografische Wandel nicht nur eine Herausforderung, sondern insbesondere für uns inSchleswig-Holstein auch eine Chance, die wir nutzen sollten.