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12.10.07 , 12:14 Uhr
SSW

Lars Harms zu TOP 17 - Herausforderungen des demografischen Wandels für den Wirtschaftsstandort Schleswig-Holstein

Presseinformation Kiel, den 12.10.2007 Es gilt das gesprochene Wort



Lars Harms
TOP 17 Herausforderungen des demografischen Wandels für den Wirtschaftsstandort Schleswig-Holstein annehmen Drs. 16/1627

Schaut man sich die Bevölkerungsentwicklung der Vergangenheit und deren Fortschreibung in die
Zukunft an, so zeigt sich mit aller Vehemenz, dass die Menschen in Deutschland immer älter
werden und die Zahl der Kinder kontinuierlich abnimmt: Bis zum Jahr 2030 wird sich die
Bevölkerungszahl von heute 81,6 Mio. auf 74,7 Mio. Menschen verringert haben. Aus den niedrigen
Geburtenraten über 30 Jahre hinweg resultiert auch, dass die Bevölkerung immer älter wird.
Während 2005 das Durchschnittsalter der Bevölkerung 41 Jahre war, wird es im Jahr 2030 auf 51
Jahre ansteigen.


In Unternehmen liegt das Durchschnittsalter derzeit bei 43 Jahren, 2030 soll es 53 Jahre betragen.
Gleichzeitig erhöht sich der Anteil derer, die über 60 Jahre alt sind. Derzeit sind 24,8 % der
Bevölkerung älter als 60 Jahre, im Jahr 2020 werden es 29,5 % sein. Bis 2030 steigt die Anzahl der
über 60-Jährigen auf 35,4 % der Gesamtbevölkerung, wenn nicht gehandelt wird. Diese Zahlen
sprechen eine deutliche Sprache. 2



Diese Entwicklung wird weit reichende Folgen für Produkt-, Kapital-, Immobilien- und
Dienstleistungsmärkte haben; jedoch auch auf die Finanz-, Bildungs-, Sozial- und
Zuwanderungspolitik von Bund, Ländern und Kommunen. Darüber hinaus stellt sie den
Arbeitsmarkt vor neue Herausforderungen. Deshalb begrüßen wir, dass CDU und SPD mit dem
heutigen Antrag die Herausforderungen des demografischen Wandels für den
Wirtschaftsstandort Schleswig-Holstein auf die Tagesordnung gesetzt haben.


Dabei geht es aus Sicht des SSW nicht darum, immer nur den Untergang des Abendlandes
anzumahnen – wie es in der Populärpresse Gang und Gebe ist, wenn das Thema demografischer
Wandel angesprochen wird – vielmehr müssen wir uns endlich auch mal mit den Chancen und
Möglichkeiten beschäftigen, die sich auch aus dieser Entwicklung gerade für Schleswig-Holstein
ergeben können. Denn diese Entwicklung kommt ja nicht von heute auf morgen. Es ist ein Prozess
der sich über 30 Jahre fortsetzen wird – soviel kann man heute Wohl schon sagen – und deshalb
geht es darum aktiv in diesen Prozess zum Wohle des Landes einzugreifen.


Zum einen muss die Politik die Unternehmen dabei unterstützen den demografischen Faktor in
ihrem Personalmanagement und in der Unternehmensentwicklung mit einzubeziehen. Denn
obwohl mehr als 70 % aller Unternehmen bekannt ist, dass in den nächsten 10 Jahren der Anteil
der über 55-jährigen in den Betriebe stark zu nehmen wird, sind nur wenige Firmen schon dabei,
hinreichende Lösungskonzepte zu erarbeiten. Hier sollte die Landesregierung Programme
anbieten, die die Unternehmen dabei unterstützen eine altersausgewogene Personalpolitik zu
entwickeln. Denn es ist ja richtig, dass nur diejenigen Wirtschaftsstandorte attraktiv bleiben
werden, die auch in Zukunft über ein ausreichend und gut ausgebildetes Arbeitskräfteangebot
verfügen. Dazu gehört natürlich auch, dass Schleswig-Holstein ein qualitativ hochwertiges Schul-
und Hochschulsystem verhält und dass man eine Ideologiefreie Einwanderungspolitik betreibt. 3
Darüber hinaus ist es natürlich auch wichtig – wie im Antrag angesprochen – das die
Landesregierung gerade die kleinen und mittleren Unternehmen dabei unterstützt, neue
Geschäftsfelder, die sich aus dem demografischen Wandel ergeben, zu erschließen.


Die Gesundheitswirtschaft, die Kulturwirtschaft, der Bereich Life-Science und die
Bildungseinrichtungen sind alles Bereiche, wo wir in Schleswig-Holstein einer älter werdenden
Gesellschaft viel zu bieten haben und davon sollten gerade unsere Unternehmen in Zukunft noch
mehr als bisher profitieren können.


Allerdings fehlt mir im Antrag ein wichtiger Punkt. Denn gerade im Tourismusbereich dürfte der
demografische Wandel große Möglichkeiten für uns im Land bieten. Ältere Menschen werden in
Zukunft mehr verreisen, sie sind fit und stellen große Anforderungen. Was liegt näher, als das
Schleswig-Holsteins Tourismuswirtschaft sich gerade bei diesen „Best Agern“ profiliert und sich
quasi als Florida Deutschlands positioniert, um ältere Menschen anzuziehen. Wir haben schöne
Landschaften, zwei Meere und viel Frische Luft. Was uns fehlt sind aber immer noch vernünftige
touristische Strukturen, die sich auf die veränderten Urlaubsanforderungen, die sich durch den
demografischen Wandel ergeben werden, einstellen. Gleiches gilt übrigens auch, wenn man
daran denkt, dass diese begüterten Schichten durchaus auch ihren gesamten Lebensabend hier
bei uns verbringen könnten.


In diesem Bereich sehen wir also großen Chancen für unsere Wirtschaft und deshalb ist der
demografische Wandel nicht nur eine Herausforderung, sondern insbesondere für uns in
Schleswig-Holstein auch eine Chance, die wir nutzen sollten.

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