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Anke Spoorendonk zu TOP 19 - Ausgestaltung des europäischen Forschungsraums
Presseinformation Kiel, den 12.10.2007 Es gilt das gesprochene WortAnke SpoorendonkTOP 19 Ausgestaltung des Europäischen Forschungsraumes Drs. 16/1636Die Idee des Europäischen Forschungsraums geht über 30 Jahre zurück. In den 70’er Jahren prägteihn der damalige Forschungskommissar Ralf Dahrendorf mit dem Ziel, die Vernetzung derMaßnahmen zwischen Mitgliedsstaaten und Europäischer Kommission im Bereich Forschung undEntwicklung voranzubringen. Der Europäische Forschungsraum soll mit anderen Worten einenBinnenmarkt für die Forschung schaffen, um die gesamteuropäische Zusammenarbeit undKoordination von nationalen Forschungsaktivitäten zu stärken.Ein weiterer Meilenstein zur Umsetzung dieser Vision war die so genannte Lissabon-Strategie derEU-Mitgliedsstaaten. Kernpunkt dieser Strategie ist die Absichtserklärung, dass die Ausgaben fürForschung und Entwicklung auf 3% des Bruttoinlandsproduktes steigen sollen. Davon sollen dieWirtschaft 2/3 und der Staat 1/3 aufbringen. Das 3%-Ziel ist kein Selbstzweck, rufe ich inErinnerung, denn die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sind eine wichtige Messgröße fürInnovationswillen und Innovationsvermögen eines Landes. 2Neben den Ausgaben für Forschung und Entwicklung ist das Personal in diesen Bereichen derwichtigste Indikator für den Input in Forschung und Entwicklung, der in einem Land oder in einemSektor der Forschungslandschaft geleistet wird. Eine Steigerung der Mittel für Forschung undEntwicklung bedingt eben auch eine Steigerung der in diesem Bereich tätigen hoch qualifiziertenPersonen.Ich hebe diese beiden Punkte hervor – die Aufstockung der Mittel für Forschung und Entwicklungund die effizientere Nutzung des vorhandenen Begabungspotentials – weil sie fast schon einSymbol dafür sind, dass die Idee eines Europäischen Forschungsraums erst dann Wirklichkeit wird,wenn mehr Geld und mehr Ressourcen in diesen Sektor hineinfließen. Da reicht es eben nicht,dass Bund und Länder im Dezember 2006 in einer gemeinsamen Vereinbarung das Ziel, 3% desBruttoinlandsproduktes in Forschung und Entwicklung zu investieren, noch einmal bestätigen.Konkret bedeutet dies aus Sicht des SSW, dass an dem Fundament für einen EuropäischenForschungsraum noch vieles verbessert werden muss, ehe uns das Grünbuch der EU-Kommission„Der Europäische Forschungsraum: Neue Perspektiven“ wirklich weiter hilft. Nicht nur dieUnterfinanzierung unserer Hochschulen ist ein Problem. Auch die Tatsache, dass immer noch zuwenige Frauen in Forschung und Lehre tätig sind, stellt letztlich ein Entwicklungshemmnis dar.Denn die Forderung nach gleichen Chancen für Frauen ist längst nicht mehr ein Gebot dersozialen Gerechtigkeit, sie ist viel mehr ein wichtiger Erfolgsfaktor in der Wissensgesellschaft. Dieunzureichende Repräsentanz von Frauen in Wissenschaft und Forschung, insbesondere in denFührungspositionen, gehört also nach wie vor zu den gravierenden Modernisierungs- undDemokratiedefiziten unserer wissenschaftlichen Einrichtungen. Eine wettbewerbsorientierteSchwerpunkt- und Profilbildung der Hochschulen und Forschungseinrichtungen wie auch eineStärkung ihrer Konkurrenzfähigkeit im internationalen Vergleich muss deshalb eine nachhaltigeDurchsetzung der Chancengleichheit im Wissenschaftsbereich zur Voraussetzung haben. Aber,wie gesagt: alles dies ist wohl bekannt, denn hier trifft der abgedroschene Satz vomHandlungsdefizit nun wirklich zu. 3Da die Entwicklung auf EU-Ebene aber weiter geht, macht es natürlich Sinn, dass auch inSchleswig-Holstein eine Debatte darüber angestoßen wird, wie wir insgesamt unsereForschungseinrichtungen in diesem neuen Europäischen Forschungsraum positionieren können.Dazu gehört genau so die Auswertung des Grünbuches wie die Formulierung einer Strategie fürden Abbau von Mobilitätshemmnissen im Wissenschaftsbereich. Dass wir es dabei mit einemweiten Feld zu tun haben, zeigt ein Blick über die deutsch-dänische Grenze. Denn in unseremnördlichen Nachbarland hat sich die Regierung das Ziel gesetzt, diese Hemmnisse durchsteuerliche Anreize abzubauen. – Was meiner Meinung nach belegt, wie wichtig es ist, zu einereuropäischen Lösung hinsichtlich der Etablierung eines „Binnenmarktes“ für Forschung zugelangen.Mit dem 7.Forschungsrahmenprogramm der EU für den Zeitraum 2007-2013 steht denMitgliedstaaten der EU nun auch ein wichtiges Finanzinstrument für die Ausgestaltung desEuropäischen Forschungsraums zur Verfügung. Ohne jetzt die Debatte wiederholen zu wollen, diewir Anfang des Jahres hier im Landtag dazu führten, möchte ich nur noch einmal auf dendamaligen Bericht der Landesregierung verweisen, der ja eine ganze Reihe von Problemen bei derInanspruchnahme dieses Programms deutlich machte. Er belegte zum Beispiel eindrucksvoll, dasswir in Schleswig-Holstein häufig nicht die hohen Ausschreibungsanforderungen diesesForschungsprogramms erfüllen können – wegen fehlender personeller Ressourcen und fachlicherKapazitäten. Denn der Aufwand ist sehr groß und potenzielle Antragsteller müssen sich bereits imVorfeld über die Möglichkeiten des 7. Forschungsrahmenprogramms informieren und schonfrühzeitig mögliche Projektpartner ansprechen, damit sie überhaupt eine Chance haben, an dieseForschungsgelder heranzukommen – zumal Fördermittel, laut Bericht, zunehmend von regionalenProgrammen auf überregionale Programme verlagert werden.