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Anke Spoorendonk zu TOP 42 - Minderheitenbericht 2007
Presseinformation Kiel, den 13.12.2007 Es gilt das gesprochene WortTOP 42 Minderheitenbericht 2007 Drs. 16/1730Anke Spoorendonk:Der SSW begrüßt, dass wir heute zum zweiten Mal den Minderheitenbericht der Landesregierungin der Mitte der Legislaturperiode diskutieren können. Dies gibt uns nicht nur die Möglichkeit, dieErgebnisse der Minderheitenpolitik zu beurteilen; viel mehr können wir in der verbleibenden Zeitder Wahlperiode auch noch parlamentarische Initiativen ergreifen, die sich aus der Debatte desBerichtes ergeben.Der Bericht gibt einen guten Überblick sowohl über den aktuellen Stand der Minderheitenpolitikauf Landesebene wie auch über die Entwicklung der vier Minderheiten des Berichts - nämlich derDänen, der Friesen und der Sinti und Roma in Schleswig-Holstein sowie der deutschen Minderheitin Dänemark. Besonders hervorheben möchte ich, dass die Organisationen der Minderheiten ineinem so genannten Forum die Möglichkeit erhalten, sich zu Problemstellungen ihrer Wahl zuäußern. Dadurch wird der notwendige Dialog zwischen Landesregierung, Landtag und den 2Vertreterinnen und Vertretern der Minderheiten dokumentiert. – mit dem Ziel, ihn weiter zuverbessern.Aus dem Bericht geht hervor, dass die Minderheitenpolitik ein dynamischer Prozess ist, der stetsvon neuen Herausforderungen geprägt wird - auch von europäischer Seite. Dem SSW ist es indiesem Zusammenhang wichtig festzustellen, dass die Minderheiten als handelnde Akteure ander Minderheitenpolitik des Landes aktiv mitwirken – zum Beispiel in dem neuen DialogforumNorden oder in den Minderheitengremien des Landtages. Denn genau darum geht es: Wir wollendie Minderheitenpolitik des Landes mitgestalten – gemeinsam mit unseren Mitbürgerinnen undMitbürgern aus der Mehrheitsbevölkerung; dies gilt natürliche insbesondere für den SSW.In diesem Zusammenhang möchte ich noch einmal klarstellen, dass die grenzüberschreitendeZusammenarbeit zwischen Schleswig-Holstein und Dänemark zwar ein wichtiger Baustein für dieEntwicklung der Grenzregion ist und daher für die Minderheiten auf beiden Seiten der Grenzeeinen hohen Stellenwert hat; sie ersetzt aber keinesfalls die eigentliche Minderheitenpolitik. Dasgleiche gilt für die vom Landtag in Auftrag gegebene Kompetenzanalyse „Minderheiten alsStandortfaktor im deutsch-dänischen Grenzland“. Wir haben keinen Zweifel, dass dieMinderheiten für das Grenzland einen Mehrwert in kultureller, sozialer und wirtschaftlicherHinsicht darstellen; dies alles darf aber nicht ausschlaggebend für die Ausgestaltung derMinderheitenpolitik des Landes sein.Für den SSW ist entscheidend, dass die Angehörigen der Minderheiten als gleichberechtigteBürgerinnen und Bürger dieses Landes wahrgenommen werden, sowohl in kultureller wie auch insprachlicher Hinsicht. Das muss das Ziel der Minderheitenpolitik des Landes sein, und genau daranmuss sich die Landesregierung messen lassen. Durch die Rahmenkonvention des Europarates unddie europäische Sprachencharta hat die schleswig-holsteinische Minderheitenpolitik verstärkteine europäische Dimension erhalten, die uns daran erinnert, dass Minderheitenpolitik letztlichmit der UN - Menschenrechtskonvention zusammenhängt. Konkret gilt, dass das Verhältnis von 3Mehrheit und Minderheit heute so gut ist selten zuvor. Dennoch gibt es eine Reihe vonProblembereichen, die ich gerne ansprechen möchteSo sieht der SSW im Medienbereich große Probleme auf die dänische Minderheit zukommen, dadie dänischen Fernsehsender ab 2009 den analogen Betrieb einstellen und die dänischenProgramme dann nur noch digital empfangbar sein werden. Dies wird zu einer deutlichenBeeinträchtigung bei dem Empfang des dänischen Fernsehens im Landesteil Schleswig führen.Erschwerend kommt hinzu, dass die Digitalisierung auch im Kabelbereich zum Ausfall derdänischen Sender führen kann. Dieses Thema haben wir bereits im letzten Jahr hier im Landtagdebattiert, wobei wir dankenswerter Weise sowohl die Unterstützung der Landesregierung wieauch die des gesamten Hauses für unseren Antrag erhielten. Ich brauche also nicht zuwiederholen, wie wichtig die freie Empfangbarkeit des öffentlich-rechtlichen dänischenFernsehens für die dänische Minderheit ist.Zumal das Angebot des NDR oder das der privaten Anbieter in den Minderheitensprachen desLandes immer noch äußerst gering ist. Ein Gutachten, das die ULR im letzten Jahr für dieLandesregierung in Auftrag gab, empfiehlt die Einsetzung einer hochrangig besetzten deutsch-dänischen Expertenkommission, um die medienpolitischen und technischen Handlungsoptionenaufzuzeigen. Aus Sicht des SSW, wäre es wünschenswert, wenn die Landesregierung diesenVorschlag aufgreifen würde – mit dem Ziel, die Bonn-Kopenhagener Erklärungen von 1955 imMedienbereich weiterzuentwickeln. Wir stellen uns also einen deutsch-dänischen Ansatz vor.Zumal diese beiden Minderheitenerklärungen gerade für den Bereich der Medien konkreteVorgaben machten, worauf aufgebaut werden sollte.Der SSW hat die neue Möglichkeit für dänischsprachige Ortschilder im Landesteil Schleswigbegrüßt. Bei der Frage der dänischsprachigen Schilder, die natürlich nicht zuletzt mit Rücksicht aufdie Situation in Sønderjylland sehr sensibel angegangen werden muss, geht es vor allem um einekulturelle Anerkennung der dänischen Minderheit vor Ort. Daher müssen jetzt die Angehörigen 4der dänischen Minderheit gemeinsam mit ihren Nachbarn entscheiden, ob ihre Gemeinde oderihre Stadt zukünftig auch in dänischer Sprache ausgeschildert werden soll. In Flensburg wird manschon ab dem nächsten Jahr eine zweisprachige Beschilderung einführen. Anderswo - zumBeispiel in Schleswig - begnügt man sich erst einmal mit einer dänischen Beschilderung anöffentlichen Gebäuden. Aber auch hier ist ein dynamischer Prozess in Gang gesetzt worden, dervon der Landesregierung, vom Landtag und von den Minderheiten selbst aktiv begleitet werdenmuss.Wir kommen auch bei diesem Minderheitenbericht nicht umhin, auf die finanzielle Gleichstellungder dänischen Minderheit einzugehen. Mit dem Beschluss, ab dem 1. Januar 2008 wieder dasgleiche für die Schulkinder der dänischen Schulen wie für die Kinder der öffentlichen Schulen zuzahlen, hat die Landesregierung eine der wichtigsten Forderungen hinsichtlich der finanziellenGleichstellung der Minderheit erfüllt. Das ist natürlich aus minderheitenpolitischer Sicht einpositives Signal. Ich möchte aber auch darauf hinweisen, dass diese Gleichstellung seit 1998ausgesetzt war.Der gleiche politische Wille, der ab 1.1.2008 die Rückkehr des Gleichbehandlungsprinzips bei denSchülerkostensätzen vorsieht, sollte aber auch bei den Schülerbeförderungskosten endlich zumTragen kommen. Sowohl die zuständigen Kreise wie auch Dansk Skoleforening for Sydslesvig undder SSW haben seit Jahren immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass es in diesem Bereichfür die dänische Minderheit keine gesetzliche Regelungen gibt. Das Problem ist also hinreichendbekannt und die Große Koalition hat ja bei den Beratungen zum neuen Schulgesetz im Frühjahr2007 signalisiert, dass sie gewillt ist, das Problem der Schülerbeförderungskosten in 2008 zulösen. Der SSW fordert daher, dass die mögliche erneute Änderung des Schulgesetzes auch dazubenutzt wird, eine Regelung für die Schülerbeförderungskosten zu den Schulen der dänischenMinderheit gesetzlich zu verankern. 5Lars Harms:In Bezug auf die Friesen wird im Minderheitenbericht darauf hingewiesen, dass dieExpertenkommission zur Sprachencharta insbesondere das Friesisch-Gesetz begrüßt hat. In derkonkreten Arbeit für die friesische Sprache hat das Gesetz entscheidende Weichen gestellt. AlsBeispiel sei genannt, dass das Land Schleswig-Holstein nun nach und nach die Selbstverpflichtungzur zweisprachigen Beschilderung umsetzt und damit als gutes Beispiel für andere vorangeht. Sohat beispielsweise die Deutsche Bahn AG alle Bahnhöfe zwischen Husum und der dänischenGrenze zweisprachig deutsch-friesisch beschildert. Und genauso hat die private NEG die Streckezwischen Niebüll und Dagebüll zweisprachig beschildert.Trotzdem müssen wir erkennen, dass die kommunale Ebene noch nicht genauso engagierthandelt, wie es das Land tut. Hier müssen wir immer wieder dafür werben, alle Möglichkeiten derZweisprachigkeit bei Beschilderungen, Siegeln oder Briefköpfen auch zu nutzen. Sollte dies nichtden gewünschten Effekt haben, so schlägt die Expertenkommission zur Sprachenchartaverbindlichere Regelungen vor. Das heißt, wir hätten dann hier im Landtag die Aufgabe, unserFriesisch-Gesetz noch konkreter zu fassen.Auf einem anderen Feld hat es im Berichtszeitraum überhaupt keine Entwicklungen gegeben.Betrachtet man die Präsenz des Friesischen in den öffentlich-rechtlichen Medien, so muss manweiterhin feststellen, dass das Land Schleswig-Holstein hier auf dem letzten Platz in Europa steht.Keine andere Minderheit in Europa ist so schlecht in den Medien vertreten wie die Friesen. Daskann uns nicht zufrieden stellen, und hier steht insbesondere der NDR in der Verantwortung,endlich mehr für die friesische Sprache zu tun. Drei Minuten Radio in der Woche sind nicht genug.Und eines möchte ich noch hinzufügen: Sollten die Friesen aufgrund der Tatsache, dass der NDRnicht seiner minderheitenpolitischen Verantwortung nachkommt, einen eigenen Weg gehenwollen, so wird es unsere Aufgabe sein, hier unterstützend tätig zu werden. 6Wie wir als SSW aber schon in der Debatte zum letzten Minderheitenbericht deutlich gemachthaben, steht und fällt die staatliche Minderheitenpolitik mit dem Engagement im Kindergarten-und insbesondere im Schulbereich. Dies wird auch in der Stellungnahme der friesischenMinderheit zum Minderheitenbericht deutlich. Hier kommt dem zukünftigen Erlass zumFriesischunterricht, der ja auch aufgrund unserer Vorschläge zum Schulgesetz erarbeitet wird,eine besondere Bedeutung zu. Wenn man bedenkt, dass der letzte Erlass zum Friesischunterrichtvon 1927 stammt, kann man ermessen, welche Bedeutung dieser neue Erlass haben wird.Für den SSW sind dabei folgende Maßgaben besonders wichtig: Der Erlass muss sowohlermöglichen, dass man bei entsprechender Nachfrage Friesischunterricht bekommen kann, alsauch zulassen, dass Schulen von sich aus Friesischunterricht anbieten. Weiter muss Friesisch alsSprachenfach in allen Schulformen anderen Sprachen gleichgestellt werden, und dieses Angebotmuss überall in Nordfriesland und auf Helgoland möglich sein. Und die entsprechenden Behördenund Schulen müssen aktiv für den Friesischunterricht werben.Anke Spoorendonk:Zu guter letzt möchte ich für den SSW zum Ausdruck bringen, dass wir uns darüber freuen, dassim Berichtszeitraum das Wohnprojekt der Minderheit der deutschen Sinti und Roma „MaroTemm“ doch noch erfolgreich umgesetzt werden konnte. Die Bedeutung dieses Kieler Projektesfür die Sinti und Roma kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden, daher danken wir derLandesregierung – und insbesondere Innenminister Stegner – für ihren Einsatz bei derÜberwindung der Schwierigkeiten, die es bei der Umsetzung des Wohnprojektes gegeben hat.Insgesamt dankt der SSW dem Ministerpräsidenten sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiternder Staatskanzlei für einen ausführlichen und ausgewogenen Minderheitenbericht. - Und wirbedanken uns bei der Minderheitenbeauftragten Caroline Schwarz für ihren unermüdlichenEinsatz für die Minderheiten in Schleswig-Holstein!