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Lars Harms zu TOP 12 - Vorsitz der Gesundheitsministerkonferenz
Presseinformation Kiel, den 30.1.2008 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 12 Vorsitz der Gesundheitsministerkonferenz – Schwerpunkte und Ziele der Landesregierung (DRs. 16/1796)Der geplante Gesundheitsfonds bringt eine Debatte wieder in den Vordergrund, die eigentlich nierichtig verstummt ist und zur Angstdebatte wird. Viele Bürgerinnen und Bürger sind der Ansicht,dass unser Gesundheitssystem kurz vor dem Kollaps steht; und das, obwohl die Fakten dagegensprechen: so gibt es in Deutschland kaum Wartelisten und die gesundheitliche Versorgungbewegt sich seit Jahren auf einem sehr hohen Niveau. Aber bei den Patienten geht die kalte Angstum.Das liegt nicht nur an einer Presse, die Probleme hochschaukelt, sondern auch an uns. Wirnehmen uns als Fachleute zu wenig Zeit, die komplizierten Regelungen so zu übersetzen, dass wirwirklich von den Bürgerinnen und Bürgern verstanden werden. Bei ihnen dringt seit Jahren statt„versicherungsfremde Leistungen“, „Diagnosesystem“ oder „Hausarztsystem“ nur eines durch:immer höhere Eigenbeteiligungen und immer geringere Ansprüche; mit einem Wort: Kürzung.Wir können nicht weitermachen, denn unverständliche Fachtermini nähren den Verdacht, dassdas System marode ist. Gerade das ist es aber nicht. Vielmehr sind die angeblichen Reformen, die 2in den letzten Jahren durchgeführt worden sind, Gift für das System gewesen. Nicht dasGesundheitssystem ist Handlungsunfähig, sondern Entscheidungen – wie die für einenGesundheitsfonds – versetzen dem Gesundheitssystem den entscheidenden Schlag. Die Problemesind somit hausgemacht und nicht vom Himmel gefallen.Die Gesundheitsministerin sollte deshalb versuchen, bei diesem Reform-Zug, dem jedes Jahr mehrWaggons angehängt werden, die Notbremse zu ziehen und sich erst einmal die Schienenanzusehen. Sie sollte eben nicht der Versuchung erliegen, schon jetzt auf die Bilanzpresse-konferenz zu schielen, wo sie dann über ihre Erfolge in zehn bis fünfzehn Themenfeldern spricht.Genauso machte es nämlich die vorige Gesundheitsministerkonferenz-Vorsitzende, Monika Stolzaus Baden-Württemberg – ebenso wie ihre Vorgänger. Ich befürchte allerdings, dass die Weichenschon längst gestellt sind und die Plöner Gesundheitsministerkonferenz im Juli wieder nur so vorThemen strotzen wird.Die Antrag stellende Fraktion hat insgesamt sieben Themengebiete angeführt, bei denenunmittelbar Entscheidungen anstehen. Und das sind bei weitem nicht alle. Ich möchte hier nur dieelektronische Versichertenkarte ansprechen, deren Entwickler mit erheblichen Schwierigkeitenkämpfen. Angesprochen sind außerdem nur indirekt die Probleme der flächendeckendenVersorgung auf dem Land, wenn in den nächsten Jahren die Hausärzte scharenweise in denRuhestand wechseln und keine Praxisnachfolger finden werden. Dann nehmen nochInfektionskrankheiten zu, wie der Noro-Virus, die nicht behandelbar sind. Iund - last, but not least- muss das Problem der explodierenden Medikamentenkosten gelöst werden. Das sind vieleBaustellen.Wie sieht die Richtschnur bei all diesen Entscheidungen aus? Eigentlich ist es ganz einfach: Einegute Versorgung zu vernünftigen Preisen! Die Anbieteregoismen und eine Doppelt- undDreifachstruktur verhindern allerdings die Umsetzung dieses Zieles. Noch Jahre nach der sogenannten Blüm-Reform sind immer noch Kostenträger und Kostenauslöser fein getrennt, was zu 3immer neuen Kostenschüben führt, während die Unzufriedenheit bei Beschäftigten und Patientenwächst.Die Große Koalition in Berlin setzt immer noch auf einen falschen Wettbewerb, nämlich den derNachfrager. Eine grundsätzliche Reform der Krankenversicherung und eine gerechte Verteilungder Finanzierungslasten sind nicht in Sicht.Ich habe bereits mehrmals davor gewarnt, in einen Planungsübereifer zu verfallen und alle heißenEisen auf einmal anzufassen. Letztlich verliert man im Gewusel einzelner Gesetze das Hauptzielaus dem Auge. Schlimmer noch: Wir haben in der Vergangenheit erlebt, wie sich die Maßnahmengegenseitig in die Quere kamen. Darum noch einmal die Forderung des SSW: Die Gesundheits-minister sollten sich auf ein Ziel beschränken. Das Ziel lautet: Die Finanzierung muss gerecht aufalle Schultern verteilt werden und das Gesundheitssystem muss transparenter werden. Hierfür istder Gesundheitsfonds der denkbar falscheste Weg. Die Gesundheitsministerkonferenz wäre einriesiger Erfolg, wenn dort die Aussetzung des Gesundheitsfonds beschlossen würde und manerneut beginnen würde, eine einheitliche und gerechte Finanzierung unter Beteiligung alleranzustreben.