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Anke Spoorendonk zu TOP 45 - Ausbau U3 / Krippenfinanzierung
Presseinformation Kiel, den 29.2.2008 Es gilt das gesprochene WortAnke SpoorendonkTOP 45 Ausbau U 3 – Krippenfinanzierung Drs. 16/1849Die Bundesfamilienministerin lässt das Thema der Kinderbetreuung für die Kleinstenoffensichtlich nicht mehr los. Im Wochentakt ersinnt sie neue Pläne zur Optimierung derBetreuung: ob es sich nun um Elternzeiten für Großeltern handelt oder um die Unterstützung vonBetriebskindergärten auch bei kleineren Betrieben. Nachdem viele Jahre hindurch die Politikunzureichende Strukturen im bundesdeutschen Betreuungssystem lediglich beklagt hat, ist dieserPolitikwandel schon bemerkenswert. Wobei die Diskussionen auf Bundesebene über die Erhöhungdes Kindergeldes deutlich gemacht hat, wie weit manche Politiker der CDU immer noch von einerzukunftsweisenden Familienpolitik entfernt sind. Soll heißen: Für den SSW gibt es keineAlternative zu einem flächendeckenden Ausbau an Kinderbetreuungsplätzen. Nur so werden wirendlich den Familien mit kleinen Kindern die Hilfe bieten, die sie für die Bewältigung ihresAlltages benötigen. Hinzu kommt der nicht unwesentliche Faktor, dass dies auch ein wichtigerImpuls für mehr Wirtschaftswachstum sein wird.Der vorliegende Bericht der Landesregierung muss vor dem Hintergrund gesehen werden, dass esseit September 2007 eine Bund-Länder-Verwaltungsvereinbarung „Investitionsprogramm 2Kinderbetreuungsfinanzierung 2008-2013“ gibt. Daraus geht hervor, dass dieKindertagesbetreuung bis 2013 ausgebaut werden soll – und zwar ausgerichtet an einembundesweit durchschnittlichen Bedarf für 35% der unter dreijährigen Kinder. Um dies fürSchleswig-Holstein zu erreichen, müssen bis 2013 17.000 Betreuungsplätze geschaffen werden; 70% in Kindertageseinrichtungen und 30 % als Tagespflege.Der Bund stellt für den Ausbau der Betreuungsangebote von 2008-2013 insgesamt 136 Mio. € zurVerfügung: 74 Mio. € für Investitionen und 62 Mio. € für Betriebskosten. Alle Bundesmittel sollenungeschmälert den Kommunen zu fließen. Das Land will sich mit 46 Mio. € für Investitionen und62 Mio. € für Betriebskosten beteiligen. Für den Ausbau der Tagespflege kommen bis 2013 weitere5 Mio. € hinzu. Die Investitionsmittel des Bundes stehen schon 2008 zur Verfügung; dieBetriebskosten von Bund und Land fangen erst 2009 an zu fließen. Dafür sind im Doppelhaushalt2009/10 10Mio€ zur Finanzierung der Betriebskosten und 2Mio€ für den Ausbau der Tagespflegevorgesehen.So also sieht die Faktenlage aus. Und auch hier meldet sich ganz schnell eine Diskussion unter derÜberschrift: Ist das Glas halb voll oder halb leer? Richtig ist natürlich, dass dies alles für Schleswig-Holstein ein gewaltiger finanzieller Kraftakt ist. Von daher wird keiner erwarten können, dassalles auf einmal geregelt sein wird. Bedenklich stimmt uns aber, dass es bisher nicht gelungen ist,alle Beteiligten an einen Tisch zu bekommen, so dass für Eltern, Träger und Kommunen einGesamtkonzept zur Verfügung steht. Denn die überzeugend wirkende Darlegung der Faktenlagetäuscht darüber hinweg, dass es Ende Februar anscheinend immer noch keinen konkreten Terminfür den Beginn des Antrags- und Förderverfahrens gibt. Die Gespräche laufen noch, können wirdem Bericht entnehmen, weil es weiterhin Klärungsbedarf gibt – zur Auslegung derVerwaltungsvereinbarung und zur Programmabwicklung.Angesichts der knappen finanziellen Mittel beim geplanten Krippenausbau kann es in diesemZusammenhang schon verwundern, dass sowohl die CDU als auch die SPD im Vorfeld derKommunalwahl mittelfristig ein beitragsfreies 3. Kindergartenjahr versprechen. Die Große 3Koalition sollte also schleunigst klären, was sie unter „mittelfristig“ versteht und wie dasbeitragsfreie Kindergartenjahr finanziert werden soll – eben auch vor dem Hintergrund deranstehenden Kosten für den Ausbau der Kinderbetreuung für Unter 3 Jährige. Alles andere kannman den Eltern in Schleswig-Holstein nicht bieten.Wie die Situation vor Ort bei den Trägern der Kindertageseinrichtungen ankommt, zeigte kürzlichein Artikel der Flensburger Nachrichten, wo bemängelt wurde, dass der Ausbau derBetreuungsangebote für die Kleinsten nur schleppend voran kommt, eben wegen derungeklärten Finanzierung. Dazu kommt für die Träger das grundsätzliche Problem derBetriebskosten, denn trotz aller Förderung sieht es so aus, dass bei den Trägern eine jährlicheDeckungslücke von rund 2000€ pro Krippenplatz hängen bleibt.Aus Sicht des SSW bleibt somit die Feststellung, dass es trotz anderer Verlautbarungen derLandesregierung zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Planungssicherheit für Kommunen, Trägerund auch Eltern gibt. Mag sein, dass im Ländlichen Raum hinsichtlich des konkreten Ausbaus anKinderbetreuungsplätzen noch keine ganz große Eile geboten ist. In den Städten sieht dieSituation anders aus. Es gibt lange Wartelisten und die Frustration über noch offene Fragen zumkonkreten Verfahren wächst täglich.Ich möchte heute im Zusammenhang mit dem Krippenausbaus einen anderen wichtigen Punktansprechen. Denn nicht von der Hand zu weisen ist, dass die momentane Betreuungseuphorieden Blick auf Probleme der Tagespflege verstellt hat. Die CDU, genauer Jörg Hollmann, hat alsGeschäftsführer der Kommunalpolitischen Vereinigung der CDU, auf das Problem derunzureichenden Berücksichtigung der Tagesmütter hingewiesen. Er bedauert, „dass derBundesgesetzgeber lediglich Investitionskostenzuschüsse für Krippengruppen in Einrichtungenaber nicht für Tagesmütter vorsieht“. Er fordert eine „Gleichbehandlung“ beiderBetreuungsformen. . 4Der SSW stimmt Hollmann überhaupt nicht zu, wenn er sagt: „Die jetzige flexible undbedarfsorientierte Ausbildung für Tagespflegepersonal ist ausreichend.“ Das ist sie eben nicht.Tagesmütter sind keine Arbeitskraftreserve, die man nach Bedarf ein oder ausstellen kann wieeine Leselampe. Tagespflege ist ein Beruf, den es zu systematisieren gilt. Es gibt ländlicheBereiche, wo die Kinderzahl so gering ist, dass sich die Einrichtung einer Krippe nicht lohnt. Dortsind Tagesmütter die beste Alternative. Aber auch in diesen Fällen brauchen sie für ihreverantwortungsvolle Tätigkeit eine professionelle Basis.Davon sind wir noch weit entfernt. Tagesmutter zu werden, gelingt heutzutage fast imHandumdrehen. Einige Sozialzentren drängen arbeitslose Frauen geradezu in diese Form derBeschäftigung. Angesichts der 5.000 neu zu schaffenden Plätze wird der Druck enorm zunehmen,weil arbeitslose Frauen so wunderbar ins Bild der flexiblen Tagesmutter passen. Ich befürchte,dass wir damit einigen Frauen zu viel zumuten, wenn wir ihnen keine professionelleUnterstützung anbieten.Wer gute Betreuung leistet, muss auch gut bezahlt werden! Es gibt zwar in einigen GroßstädtenTagesmütter-Vereine, die gelernte Pädagogen vermitteln. Aber auch sie können nicht dieseVerdienstmöglichkeiten bieten wie das zum Beispiel die dänischen Kommunen tun. Wenn wireinen Neuanfang bei der Betreuung der Kleinsten machen, müssen wir ein flächendeckendesAngebot bieten, den Beruf der Tagesmutter professionalisieren und endlich das schreckliche Wortvon der „Kinderkrippe“ entsorgen. Kleine Kinder wollen und brauchen mehr als Wickeln undFüttern.