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Lars Harms zu TOP 31 & 36 - Hilfe für Arbeitslose aus einer Hand - Optionsmodell ausweiten
Presseinformation Kiel, den 23.4.2008 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 31; 36 Hilfe für Arbeitslose aus einer Hand – Optionsmodell ausweiten Drs. 16/1991; 16/1999Seit der ersten Evaluation des SGB II Anfang 2006 durch den Deutschen Landkreistag hat sichleider nicht viel getan: Immer noch gilt heute, was bereits vor zwei Jahren wissenschaftlichunbestritten festgestellt wurde: Hartz IV ist eine Dauerbaustelle: allein die Nachbesserungs-anträge und Debatten in diesem Haus füllen inzwischen dicke Ordner. Das Gesetz, das nachlangem Hin und Her verabschiedet wurde, hatte von Beginn Lücken und Widersprüche. Es ist alsodurchaus zu begrüßen, über die Strukturen bei der Umsetzung des SGB II nachzudenken; dasbetrifft auch die Trägerstrukturen, deren Neuordnung durch das aktuelle Gerichtsurteilnotwendig wird.Der SSW befürwortet die Durchführung der Arbeitsmarktpolitik durch die Kommunen.Im Norden Schleswig-Holsteins haben wir nur eine ArGe; nämlich in Flensburg. Unabhängig vonder Bewertung ihrer Arbeit wäre es wünschenswert gewesen, hätten wir im gesamten LandesteilSchleswig nur ein Modell gehabt: die Kooperationsvorteile zwischen den OptionskommunenSchleswig-Flensburg und Nordfriesland sind nämlich enorm. Doch die Stadt Flensburg bleibt 2außen vor. Viele Gremiensitzungen sollen dieses Manko ausbügeln, aber dennoch bleibenKoordinierungsdefizite bestehen, die in der Regel die Arbeitslosen auszubaden haben.Der SSW wird sich nicht auf eine trägerzentrierte Diskussion beschränken. Vergessen wir nicht,dass es um Arbeitslose geht und nicht um Empfindlichkeiten und Befindlichkeiten einzelnerBehördenchefs. Rufen wir uns noch einmal die Grundidee der Hartz-Kommission in Erinnerung:Durch die Vermittlung aus einer Hand sollten Arbeitsvermittlung und Qualifizierungentbürokratisiert und transparenter werden. Das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt undBerufsforschung evaluiert laufend die Maßnahmen des Zweiten Sozialgesetzbuches. Aktuell stelltdie zuständige Forscherin Susanne Koch fest, dass Leistungen aus einer Hand nicht umgesetztwerden; also ein Ziel der Reformen nicht erreicht wird.. Leistungsgewährung undIntegrationsleistungen würden vielerorts getrennt, was besonders bei den ArGen der Fall sei.Diese lassen Vermittlung und Fallmanagement von getrennten Bearbeitern wahrnehmen. Dasmuss sich schleunigst ändern.Die ArGen kranken noch an einem anderen Problem: zwei Organisationen sollenzusammenwachsen, scheitern aber an zwei unterschiedlichen Organisationstraditionen. Das istkeine Ausnahme. Im Gegenteil, das ist weit verbreitet. So scheiterte eine der größtenZusammenschlüsse in er Industrie daran, dass Daimler- und Chrysler-Manager keine gemeinsameGesprächsbasis finden konnten. Bei den ArGen ist es ähnlich. Auch hier wurden zwei Logikenzusammengetan, die sich miteinander schwer tun. Auf der einen Seite stehen die zentralistischorientierten Mitarbeiter der Arbeitsagenturen und auf der anderen diejenigen, die vorher in denjeweiligen Rathäusern gerade zu einer selbständigen Bearbeitung angehalten wurden.Diese Mitarbeiter wurden vor allem in den ersten Monaten auch noch durch neue Fall-Managerergänzt, die inzwischen teilweise wieder entlassen wurden und sich plötzlich auf der anderenSeite ihres alten Schreibtisches wieder finden. Die ArGen sind eben noch nicht eingespielt. VieleLangzeitarbeitslose klagen, dass sie immer neue Sachbearbeiter zugewiesen bekommen. 3Die Optionskommunen haben sich nach teilweise erheblichen Anlaufschwierigkeiten zukompetenten Ansprechpartnern von Arbeitgebern und Arbeitslosen entwickelt. Dieses Modellscheint das bessere zu sein. Bereits vor zwei Jahren hätten sich die vom Landkreistag befragtenOptionskommunen ohne Ausnahme noch einmal für dieses Modell entschieden, während bei denARGEN jede zweite die Trägerschaft verändern wollte. Von daher erscheint die Möglichkeit einesTrägerwechsels den Interessen der Kommunen zu entsprechen.Doch nicht nur aus Sicht der Träger ist es besser, die Arbeitmarktmaßnahmen den Kommunen zuüberlassen, wie es übrigens in Skandinavien schon seit eh und je geschieht. Die Trägerschaftdurch die Kommunen hat noch einen schwerwiegenden Vorteil. Sie ermöglicht die Kontrolle durchdie gewählten kommunalen Vertreter. Die Kontrolle durch gewählte Politiker ist ein gutes,demokratisches Prinzip, das bei den ArGen keine Anwendung findet.Auch aus diesem Grund hat man sich beispielsweise in Nordfriesland ganz klar für dieBeibehaltung des Optionsmodells entschieden. Aber auch über 100 andere Kommunen in ganzDeutschland haben schon den Wunsch geäußert, Optionskommune werden zu wollen. Und wennman wirklich einmal ein skandinavisches Erfolgsmodell hier bei uns übernehmen möchte, dannwäre die kommunale Trägerschaft der Arbeitsmarktmaßnahmen und der Sozialverwaltung eineideale Möglichkeit. Wie im Norden, sollten auch wir hier bei uns alle Leistungen aus einer Handbieten, die leicht und schnell erreichbar sind und einer demokratischen Kontrolle unterliegen.Dieser Ansatz spricht eindeutig für das Optionsmodell.