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Lars Harms zu TOP 29 - Zukunft der HSH-Nordbank
Presseinformation Kiel, den 23.4.2008 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 29 Zukunft der HSH-Nordbank Drs. 16/1989Der SSW begrüßt den vorliegenden Antrag der FDP, weil er dem Landtag Gelegenheit gibt, sichmit einer wichtigen Grundsatzfrage hinsichtlich der Landesbanken in Deutschland zu befassen.Die Finanzkrise in den USA und die schwerwiegenden Folgen, leider nicht nur für diePrivatbanken, sondern gerade im besonderen Maße auch für viele Landesbanken, stellt die Politikhierzulande vor eine wichtige Fragestellung.Denn wo liegen die Grenzen für die Geschäfte von Banken, die sich mehrheitlich in öffentlicherHand befinden, wie zum Beispiel unsere HSH Nordbank? Der SSW hat sich in den vergangenJahren immer für das System der Sparkassen und Landesbanken stark gemacht und wir haben wiekaum eine andere Partei die Privatisierung dieses bundesdeutschen Erfolgsmodells abgelehnt. Ichwill gleich vorweg schicken, dass diese Haltung für die Sparkassen auch immer noch gilt, obwohlwir auch dort die Auswüchse des internationalen Bankhandels stark kritisieren, wie bei denVerkauf der Forderungen von Sparkassen an amerikanische Investoren. Dass der SSW auch einfunktionierendes Sparkassenwesen als kommunale Daseinsvorsorge ansieht, dürfte allen hier imHause bekannt sein. 2 Denn die Sparkassen kommen den Ziel der kommunalen Daseinsvorsorge zum Beispiel durch Unterstützung der regionalen Wirtschaft immer noch sehr gut nach und sichern somit ihre Existenzberechtigung im deutschen Bankensystem.Bei den Landesbanken ist dieses inzwischen nicht mehr so eindeutig und hier stellt sichinzwischen auch für den SSW die Frage, ob und wie lange noch eine öffentliche Beteiligung derLänder an den Landesbanken sinnvoll ist. Die katastrophalen Folgen der internationalenFinanzkrise zum Beispiel für die Landesbanken in Sachsen oder Bayern zeigen aus unserer Sichtdie Grenzen des Landesbankenmodells auf. Warum sollen Banken, die sich überwiegend inöffentlicher Hand befinden, an solchen zweifelhaften mit hohen Risiko behafteten Geschäftenzum Nachteil der Steuerzahler beteiligen?Ich will gleich voranstellen, dass der Vergleich mit diesen beiden Fällen der HSH Nordbankselbstverständlich überhaupt nicht gerecht wird, weil die Bank trotz einiger Verluste dennoch einhervorragendes Jahresergebnis in 2007 mit einem Überschuss von 285 Mio. Euro aufweisen kann.Auch die Anzahl der Mitarbeiter ist im letzten Jahr stark angestiegen, was wir natürlich begrüßen.Die HSH Nordbank hat in der Vergangenheit und auch aktuell immer noch vor allem einen großenErfolg mit Schiffskrediten. So stieg der Bereich der Kreditvergabe an die Schifffahrt alleine imletzten Jahr um 18 % an. Aus Sicht des SSW ist dieser Geschäftsbereich sehr gut vereinbar mit demStatus als öffentliche Bank, weil auch gerade in Schleswig-Holstein und Hamburg viele Werftenund Reedereien beheimatet sind und die Bank somit diese regionalen Unternehmen mit Kreditenunterstützen kann.Allerdings hat auch die HSH Nordbank bisher fast 1,3 Milliarden Euro Abschreibungen für die sogenannten Subprime-Kredite in den USA in ihrer Bilanz angesetzt. Wobei bisher nur 200 Mio. Eurodavon wirklich als definitiv verloren gelten und die HSH Nordbank aktuell keineLiquiditätsengpässe als Folge der Finanzkrise hat. 3Ist es ja kein Geheimnis, dass die HSH Nordbank durch die Ausweitung ihrer Aktivitäten aufandere Geschäftsfelder fit gemacht werden soll, für einen Börsengang, der vor dem Hintergrundder aktuellen Finanzkrise aber erst einmal verschoben worden ist. Durch die Abspaltung derInvestitionsbank und den Wegfall der Gewährträgerhaftung ist ein Prozess eingeleitet worden,der jetzt durch die aktuelle Finanzkrise noch an Fahrt gewonnen hat.Der SSW ist daher langfristig offen für den Verkauf der Anteile des Landes an der HSH Nordbank,weil das alte Landesbank-Modell unter den heutigen Rahmenbedingungen nicht mehrfunktioniert. Denn die HSH Nordbank wird in Zukunft kaum noch Aktivitäten im Bereich derengeren Daseinsvorsorge ausüben können und dies wäre für den SSW der einzige Grund, dieAnteile an der Bank auf lange Sicht zu behalten.Die Entwicklung der letzten Wochen stellt die Eigentümer jetzt aber vor der Frage, wie mankurzfristig mit der HSH Nordbank weiter verfährt; denn wir sind uns ja einig, dass ein Börsengangzum jetzigen Zeitpunkt nicht genug Geld in die Landeskasse bringen würde. Der Vorstand HSHNordbank will aber für die Ausweitung weiterer Geschäftsfelder eine Kapitalerhöhung um ca. 2Milliarden Euro vornehmen.Ist diese Kapitalerhöhung wirklich notwendig und wenn ja, muss sich Schleswig-Holstein daranbeteiligen? Denn sollten die Zahlen stimmen, muss Schleswig-Holstein 400 Mio. Euro aus demLandeshaushalt zur Kapitalerhöhung bereitstellen, wenn das Land seinen bisherigen 20%-Anteilhalten will.Diese 400 Millionen Euro hat das Land nicht und wird sie daher leihen müssen. Angesichts der zuerwartenden äußerst schweren Verhandlungen für den Landeshaushalt 2009/2010 kann ich mirnicht vorstellen, wie wir als Landespolitiker den Bürgerinnen und Bürgern erklären sollen, dass wir400 Millionen Euro zusätzlich benötigen, um weiterhin 20% an einer Bank zu halten, die wirsowieso in einigen Jahren ganz verkaufen wollen, während wir gleichzeitig in anderen Bereichen 4wieder harte Sparmaßnahmen vornehmen müssen.Der SSW empfiehlt der Landesregierung daher, dass sie sich nicht an der Kapitalerhöhungbeteiligt. Natürlich wird dann der Anteil des Landes an der HSH Nordbank in Zukunft kleiner undder Anteil von privaten Investoren vermutlich größer sein. Aber ist eine solche Entwicklungwirklich so dramatisch, wenn man bedenkt, dass auch Hamburg und die Sparkassenverbändeimmer noch beherrschende Anteile an der HSH Nordbank besitzen? Denn bisher besitzen diesePartner ja zusammen mit Schleswig-Holstein 73% der Anteile und auch wenn nicht alle dieKapitalerhöhung mitmachen, dürfte der Gesamtanteil dieser Anteilseigner auch danach immernoch bei über 50% liegen. Letztendlich muss für uns entscheidend sein, was unsere heutigenAnteile am Tag X des Börsenganges wert sind. Und unsere heutigen Anteile sind möglicherweisemehr wert, wenn ein privater Investor mit einsteigt oder seine Anteile erhöht. Auch diesenGedanken sollte man nicht ausschließen.