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Lars Harms zu TOP 38, 53 Neubau von Kohlekraftwerken in Schleswig-Holstein
PresseinformationKiel, den 24.04.2008Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 38 und 53 Anträge zum Kohlestrom sowie zum Neubau von Schleswig- Kohlekraftwerken in Schleswig-Holstein Drs. 16/2017 und 16/1982Angesichts der häufig geführten Klimadebatten, ist immer wieder deutlich geworden, dass dasProblem der zukünftigen Energieversorgung gelöst werden muss. Wir können die Probleme nichtunabhängig voneinander betrachten - sie müssen zusammen gelöst werden. Und hier liegt diegroße Herausforderung. Auf der einen Seite haben wir eine weltweit steigendeEnergienachfrage, bei der wir die Versorgungssicherheit zu bezahlbaren Preisen gewährleistenmüssen und auf der anderen Seite, haben wir das Klimaproblem, dass maßgeblich auf CO2-Emissionen zurückzuführen ist.Was wir also brauchen, ist eine nationale Strategie zur Steigerung der Energieeffizienz,Verbesserung der Energieeinsparung und der weitere Ausbau der Erneuerbaren Energien. Nur sokönnen wir langfristig die Energienachfrage in den Griff bekommen und die Klimaschutzzieleerreichen. Was hier aber so leicht über Lippen geht, lässt sich in der Tat nur schwer umsetzen. 2Natürlich wäre es wünschenswert, wenn wir heute unseren Strombedarf gänzlich ausregenerativen Energieformen decken könnten, aber so ist es leider nicht. Von derLandesregierung liegt uns zwar vor, dass Schleswig-Holstein ab 2020 seinen Strombedarf ausregenerativen Energieformen nicht nur decken kann, sondern auch Strom aus ErneuerbarenEnergien exportieren wird. So die Prognose der Landesregierung.Die Energieversorgung darf aber nicht nur aus Sicht Schleswig-Holsteins betrachtet werden. Eshandelt sich hierbei um eine nationale Aufgabe. Und daher gilt es, die Zeit zu überbrücken, biswir, nicht nur in Schleswig-Holstein, sondern bundesweit, die Stromversorgung komplett ausregenerativen Energien gewährleisten können. Wann wir soweit sind und wann dies bundesweitmöglich sein wird, wird davon abhängen, wie schnell und effektiv die Energieeinsparpotentialegehoben werden können und wie zügig der Ausbau der Erneuerbaren Energien vorangebrachtwird.Angesichts dieser Herausforderungen werden immer wieder Stimmen laut, die Atomenergie neuzu beleben und den Atomausstieg auszusetzen. Damit ließe sich die Energieversorgung sichernund das Klimaproblem lösen. Wir würden also zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Dies kannman politisch so sehen. Aber hier sage ich ganz deutlich, dies ist der falsche Weg, denn dieserWeg ist mit unabsehbaren Risiken behaftet, die wir nicht kontrollieren können und die eingefährliches Abfallproblem für viele nachfolgende Generationen darstellt. Daher wird es mit demSSW keinen Weg aus dem Atomausstieg geben. Wer sich also für die scheinbar einfache Lösung;Verlängerung der Laufzeit ausspricht, verschließt die Augen vor den Gefahren dieser Energieformund handelt verantwortungslos. Darüber hinaus, haben die Pannenserien bei deutschenAtommeilern längst gezeigt, dass diese Technologie nicht sicher ist. Daher müssen sie so schnellwie möglich abgeschaltet werden. Am Atomausstiegstermin darf auf keinen Fall gerütteltwerden. 2020 muss der letzte Meiler in Deutschland vom Netz genommen werden. EinHerauszögern über 2020 hinaus darf es nicht geben. 3Um die Probleme der Energieversorgung und des Klimawandels in den Griff zu bekommen,müssen die eingeschlagenen Wege kontinuierlich weiter gegangen werden und stärker alsbisher vorangebracht werden. Soll heißen; Energieeinsparpotentiale nutzen, Steigerung derEnergieeffizienz und die kontinuierliche Erhöhung des Anteils an erneuerbaren Energien. Dies istdie Antwort, um die Emission der Treibhausgase zu reduzieren. Doch wir müssen uns im klarendarüber sein, dass dies nicht von heute auf morgen zu machen ist.Der heutigen Debatte liegen mehrere Anträge zu Grunde, unter anderem auch ein Antrag desSSW vom Mai letzten Jahres. An der Haltung des SSW hat sich bezüglich unseres Antrages nichtsgeändert. Für uns bleibt bestehen, dass wir langfristig eine dezentrale Versorgung durcherneuerbare Energien brauchen.Hierfür ist es notwendig das Stromnetz, das heute noch zentral ausgerichtet ist,umzustrukturieren und so umzubauen, dass die dezentralen Energieträger erschlossen werdenkönnen und der Strom eingespeist und weitergeleitet werden kann. Erzeugung, Verteilung undVerbrauch werden somit zu einer dezentralen Versorgungseinheit. Angesichts des wachsendenEnergiebedarfs weltweit, ist es aus Sicht des SSW der richtige Weg auf die dezentrale Versorgungumzuschwenken. Hier können wir uns ein Know-how erarbeiten, dass dazu beitragen kann, dieEnergieversorgung in wirtschaftlich schnell wachsenden Ländern, wie beispielsweise China oderIndien, zu erschließen. Der Energiebedarf in diesen Ländern wird hauptsächlich durch diedezentrale Energieversorgung zu decken sein. Daher sollten wir auch aus wirtschaftlichenGründen, die Umstrukturierung unserer Stromnetze und des Strommanagements voranbringen.Weiterhin müssen wir Übergangslösungen finden, wie der Energiebedarf mittelfristig gedecktwerden soll unter Berücksichtigung der gesetzten Klimaschutzziele. Unter der Voraussetzung,dass der Anteil der Erneuerbaren Energie konstant erhöht wird, sind wir im Übergangszeitraumtrotz allem auf fossile Energieträger angewiesen. Hier muss es einen Energiemix ausErneuerbaren Energien und fossilen Energieträgern geben, um den Bedarf wirklich decken zu 4können. Doch mit welchen fossilen Energieträgern wollen wir die Energieversorgungsicherstellen?Atomenergie spielt aus Sicht des SSW bei der Ausgestaltung des Energiemixes keine Rolle. Übrigbleibt also nur Kohle, Gas oder Öl. Bei Gas und Öl wissen wir, dass die Verfügbarkeit dieserRohstoffe zeitlich eingeschränkt ist und aus Ländern kommt, deren politische Stabilität derzeitnicht die beste ist. Damit würden wir uns in eine Abhängigkeit begeben, die wir so nicht wollen,darüber hinaus wird die Verknappung der Rohstoffe dazu führen, dass die Energiepreise in dennächsten Jahrzehnten enorm steigen werden. Diese Preissteigerung werden die Stromkundendann teuer bezahlen müssen und das kann so nicht gewollt sein. Denn aus Sicht des SSW darf dieEnergieversorgung nicht zu einem reinen Luxusgut werden.Bei Kohle sieht die Situation etwas anders aus. Natürlich ist Kohle auch ein endlicher Rohstoff,aber im Gegensatz zu den vorher genannten Energieträgern ist Kohle weltweit vorhanden undwas wichtiger ist, wir haben sie im eigenen Land. Damit ist zumindest eine gewisseVerfügbarkeit sichergestellt. Wenn wir nun über Kohlekraftwerke sprechen, sollten wir so ehrlichsein und feststellen, dass wir um den Einsatz von Kohlekraftwerken nicht umhin kommen.Bereits heute machen Braun- und Steinkohlekraftwerke rund 50 % der Stromgewinnung aus.Diesen Bedarf können wir auch nicht mit Gaskraftwerken decken, denn der Bedarf an Gas wäreunerschwinglich hoch. Daher bleibt nur die Möglichkeit auf Kohlekraftwerke zu setzen.Im Zusammenhang mit Kohle gebietet es aber auch so ehrlich zu sein, dass Kohlekraftwerkederzeit die größten CO2-Emittenten sind. Natürlich sind sie nicht die sauberste Energieform, aberwenn es uns gelingt, die veralteten Großkraftwerke mit neueren zu ersetzen, erreichen wir aucheine Verbesserung der CO2-Bilanz. Dies erfordert ein nationales Konzept, damit neueKohlekraftwerke nicht planlos aus dem Boden gestampft werden.Hierbei spielt für uns gerade die Nutzung der Abwärme eine maßgebliche Rolle. Bei derStromerzeugung ist der massive Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung eine der wichtigstenMaßnahmen, da dies die höchste Energieeffizienz aufweist, die wir derzeit erreichen können. 5Daher muss die Abwärme nutzbar sein. Dabei kommen nur Standorte in Frage, die großeMengen Prozesswärme abnehmen können. Dies und die vorhandene Infrastruktur sprechen inunserem Fall für den Standort Brunsbüttel. Dieses muss bei der Unternehmensansiedlungspolitikfür Schleswig-Holstein eine Rolle spielen.Generell muss aber auch für die Energiegewinnung aus Kohle gelten, sie ist eineÜbergangstechnologie. Wenn wir uns politisch dazu bereit erklären, diesen Weg dermittelfristigen Energieversorgung zu gehen, dann nur, wenn wir gleichzeitig eineAusstiegsstrategie für die Kohle festlegen – vergleichbar mit dem Atomausstieg.Aus Sicht des SSW ist dies zwar nicht die optimale Lösung, aber das was derzeit machbar ist, auchunter Berücksichtigung des wachsenden Energiebedarfs.Die Forderung der Grünen, von der Landeregierung zu verlangen, jegliche Unterstützung derPlanungen und des Baus neuer Kohlekraftwerke in Schleswig-Holstein einzustellen, ist so nichtumsetzbar. Die Landesregierung kann die Planung und den Bau eines Kohlekraftwerks nichtohne weiteres untersagen, wenn alle planungs- und genehmigungsrelevanten Instanzen positivbeschieden wurden. Dies mag aus Sicht der Grünen bedauerlich sein, aber es ist notwendig.Ansonsten wären alle planungs- und genehmigungsrelevanten Großprojekte derBehördenwillkür ausgesetzt. Dies kann auch nicht von den Grünen gewollt sein.