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24.04.08 , 15:19 Uhr
SPD

Olaf Schulze zu TOP 38 + 53: Nur große Schritte führen in eine regenerative Energiezukunft

Presseinformation der SPD-Landtagsfraktion

Kiel, 24.04.2008 Landtag Es gilt das gesprochene Wort! Sperrfrist: Redebeginn aktuell
TOP 38 + 53, Abschied vom Kohlestrom / Neubau von Kohlekraftwerken in Schleswig-Holstein verhindern (Drucksachen 16/2017, 16/1378, 16/1396 und 16/1982)

Olaf Schulze:

Nur große Schritte führen in eine regenerative Energiezukunft

Die Erderwärmung wird überwiegend durch CO2-Ausstoß verursacht; dieser muss deshalb reduziert werden, führt der energiepolitische Sprecher der SPD- Landtagsfraktion, Olaf Schulze, aus. Wir müssen Klimaschutz und eine bezahlbare und sichere Energieversorgung vereinen. Kohle- und Atomkraftwerke sind keine Alter- nativen; wir brauchen eine innovative und zukunftsfähige Energieversorgung; diese si- chert schleswig-holsteinische Arbeitsplätze, wie das Beispiel Windkraft zeigt. Die Al- ternative zur Fortschreibung der bisherigen Strombereitstellung durch großtechnische Nutzung von Kohle, Gas, Erdöl und Atomkraft ist die dezentralen Energieversorgung mit Kombikraftwerken aus Windenergieanlagen und Solarmodulen, die je nach Ver- fügbarkeit von Wind und Sonne ihren Beitrag zur Stromerzeugung leisten, ausglei- chend werden Biogas und Wasserkraft eingesetzt. Diese Kraftwerke können von hei- mischen Stadtwerken oder von Stadtwerkverbünden betrieben werden.



Die Rede im Wortlaut: Am Dienstag, dem 22.04.2008, konnten wir im Hamburger Abendblatt lesen: Kältere- kord in der Antarktis! Entgegen der globalen Klimaerwärmung nimmt die Eismenge erstmals wieder zu. Trendwende oder Ausrutscher? Ist mit dem Klima wieder alles in



Herausgeber: Landeshaus SPD-Landtagsfraktion Postfach 7121, 24171 Kiel Verantwortlich: Tel: 0431/ 988-1305/1307 E-Mail: pressestelle@spd.ltsh.de Petra Bräutigam Fax: 0431/ 988-1308 Internet: www.spd.ltsh.de -2-



Ordnung? Und können wir den Klimawandel wieder in Frage stellen? Nein, wir können weiter davon ausgehen, dass der Klimawandel bereits voll im Gange ist und wir Men- schen dazu beitragen. Die umfangreichen Berichte des IPPC sind da eindeutig.

Somit müssen wir uns mit den Folgen des Klimawandels weiter auseinandersetzen und die erforderlichen Maßnahmen umsetzen. Wir wissen, dass die Erderwärmung überwiegend durch den CO2 Ausstoß verursacht wird. Hier können wir schnell handeln und dies ist ja auch das Ziel der Bundes- und der Landesregierung.

Erst letzte Woche kam die Meldung, dass der März 2008 weltweit der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen war. Vor kurzem erklärte Professor Dr. Homeyer, dass der Klimawandel schneller im Gang ist als bislang prognostiziert. Selbst der Bericht des IPPC trifft nicht mehr die Realität, die Gletscher schmelzen heutzutage in einem Tempo ab, das erst für 2050 prognostiziert war.

Die Folgen sind hinreichend bekannt. Der Meeresspiegel wird steigen. Und allein die Deiche um einen Meter höher zu bauen, wird nicht helfen. Im Winter fallen mehr Nie- derschläge, die Landwirte hatten dieses Jahr schon Probleme, rechtzeitig die Äcker zu bewirtschaften. Im Sommer wird es trockener und die ärmsten Länder wird es als ers- tes und am härtesten treffen.

Sind wir uns einig, dass wir den CO2 Ausstoß reduzieren müssen? Wenn dieses so ist, ist der Bau von neuen Kohlekraftwerken allerdings nicht die richtige Antwort auf die Frage, wie wir in Zukunft Klimaschutz und eine bezahlbare und sichere Energie- versorgung vereinen können. Kohlekraftwerke und Atomkraftwerke sind keine Alter- nativen, sondern Techniken aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Was wir heute brau- chen, ist eine innovative und zukunftsfähige Energieversorgung für das 21. Jahrhun- dert, die im Einklang mit Klimaschutz und sicherer Energieversorgung steht. Schließ- -3-



lich fahren Sie heute auch nicht mehr mit der Dampflok von Kiel nach Berlin, sondern nutzen den ICE.

Und die Arbeitsplätze? Der Windenergiesektor zeigt doch am besten, dass wir in Schleswig-Holstein hier vorangegangen sind und welche guten Exportchancen für un- sere heimische Wirtschaft bestehen. Nicht Kohle- und Atomkraft sichert schleswig- holsteinische Arbeitsplätze sondern innovative und regenerative Energieerzeugung. Wir sollten uns bei diesem großen Gedanken nicht – wie momentan mit Krokodilsträ- nen in den Augen von Großkonzernen und deren Lobbyisten vorgetragen – in die energiepolitische Zwickmühle drängen lassen: Ja, wir müssen aus der Kohle- und aus der Atomkraft aussteigen! Die angeblich dadurch entstehende Lücke in der Stromver- sorgung – da die regenerativen Energien nicht so schnell wie angenommen wachsen werden - wird jedoch nicht entstehen.

Eine Stromlücke entsteht nur dann, wenn es in den Köpfen zu keiner Neuorientierung in der Stromversorgung kommt. Dann können wir uns allerdings auch von der von der Bundesregierung angestrebten Minderung der nationalen Treibhausgase um 40 Prozent bis zum Jahr 2020 verabschieden. Hinter diesem Streit um die Zukunft der Stromerzeugung – der übrigens auch innerhalb meiner Partei geführt wird, worauf ich stolz bin, denn nur über den Streit um den richtigen Weg kann eine Partei vorankom- men – liegen zwei unterschiedliche Konzepte:

Der konservative Pfad des Durchwurschtelns, der die bisherige Strombereitstellung einfach fortschreibt und weiter auf die großtechnische Nutzung von Kohle, Gas, Erdöl und Atomkraft setzt: Damit sind weder Klimaschutz noch eine kostengünstige Versor- gung und auch kein die Beschäftigung sicherndes Energiesystem erreichbar.

Die SPD in Schleswig-Holstein geht den Pfad, der das Konzept einer nachhaltigen Entwicklung auf eine Neuorientierung in Wirtschaft und Gesellschaft beinhaltet. Wir -4-



verbinden Wirtschafts-, Energie- und Umweltpolitik, bauen die Brücken in eine re- generative Energiewirtschaft und wollen mehr Verteilungsgerechtigkeit. Nur vor diesen Zielen lassen sich die heutigen Entscheidungen messen. Wollen wir wirklich unseren Enkeln als Erbe nur Reste der Stromerzeugung, von uns tief in der Erde vergraben, hinterlassen? Strahlender Atommüll für ewige Zeiten statt eine gesicherte regenerative Energieproduktion - und bald auch noch bei der Stromerzeugung von Kohle abge- schiedenes CO2 mit einer Technik und in einer Tiefe, die wir heute noch gar nicht aus- loten können?

Wer ernsthaft über diese Fragen nachdenkt, kann nur eins tun: So handeln, wie wir es als SPD in unseren klimaschutz- und energiepolitischen Leitlinien beschrieben haben und sofort den Ausstieg aus der Kohle- und Atomkraft vornehmen.

Für die SPD-Landtagsfraktion stehen im Vordergrund die drei E’s: Energieeinsparen, Energieeffizienz und erneuerbare Energien.

Energie einsparen ist nicht nur ein Beitrag zum Klimaschutz, sondern auch die beste Möglichkeit, Geld einzusparen. Gerade in diesem Bereich besteht in Deutschland noch ein erhebliches Potenzial. Auch die IHK erwartet hier Rückgänge, die Statistiken bele- gen dieses. Leider wird das Thema Energieeffizienz bei uns im Land immer noch un- terschätzt. Hier gehen Experten von einem Potenzial von 30 - 40 % aus. Im Bereich der Kraft-Wärme-Kopplung müssen wir in Schleswig-Holstein noch mehr investieren. Gerade für kleine Gemeinden ist die KWK-Technik eine Möglichkeit, eine günstige und sichere Energieversorgung aufzubauen.

Die Energiewirtschaft der Zukunft wird in der dezentralen Energieversorgung liegen. Positiver Nebeneffekt ist die Förderung des örtlichen Handwerks und der heimischen Wirtschaft. Die Angst, dass bei einem Atom- und Kohleausstieg die Lichter ausgehen, -5-



ist reine Panikmache. Bereits heute sind Schleswig-Holstein und die Bundesrepublik Deutschland Stromexporteure.

Das bedeutet, wenn wir parallel zum Kohle- und Atomausstieg die regenerativen Energien ausbauen, ist der Ausstieg machbar. Unsere Forderung ist daher, bis 2020 Strom zu 100 % aus erneuerbaren Energien, Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung und zur Wärmeversorgung übergangsweise Gaskraftwerke. Wir laufen in keine Stromlücke, sondern befinden uns in einer Handlungslücke.

Eine sichere Energieversorgung durch erneuerbare Energien immer und überall ma- chen Kombikraftwerke möglich. Und gerade diese Kombikraftwerke könnten von heimischen Stadtwerken oder von Stadtwerkverbünden betrieben werden. Das Kombi- kraftwerk kombiniert optimal die Vorteile der verschiedenen erneuerbaren Energien: Windenergieanlagen, Solarmodule leisten je nach Verfügbarkeit von Wind und Sonne ihren Beitrag zur Stromerzeugung, ausgleichend werden Biogas und Wasserkraft ein- gesetzt.

Wird zuviel Strom produziert, können Speichermedien die Energie speichern. Erdwär- me, Biomasse, Wärmenutzung von Abwasser und Solarenergie sorgen außerdem für die Beheizung. Einer Vollversorgung mit erneuerbaren Energien steht technisch nichts im Wege.

Versuchsanlagen gibt es bereits. Sie zeigen, dass Kombikraftwerke ein machbarer Weg sind. Gespannt bin ich vor allem darauf, was die Stadtwerke Flensburg gemein- sam mit Prof. Homeyer uns schon bald beweisen werden, nämlich wie auf kommuna- ler Ebene ein Energiekonzept entstehen kann, das nur auf regenerative Energien baut. -6-



Die Kapriolen beim Ölpreis haben uns gelehrt, dass man bei Energie nicht auf kurzfris- tige Preisgünstigkeit setzt. Energiepolitik bedeutet heutzutage über Zeiträume von 30, 40 oder 50 Jahren zu denken und nicht nur kurzfristig an Renditeüberlegungen der großen Konzerne. Es ist der falsche Weg, sich vor Ort in den Kommunen und in den Kreisen hinzustellen und die erhöhten Strompreise zu bejammern und hier im Landtag auf Großkraftwerke zu setzen. Lassen Sie uns endlich mit den großen Schrit- ten im Klimaschutz beginnen, bevor es zu spät ist.

Für eine sichere, wirtschaftliche und umweltverträgliche Stromnutzung und Stromver- sorgung in Deutschland fehlen nicht die technischen Möglichkeiten. Sie sind seit vielen Jahren bekannt. Was fehlt, sind der Mut und die Bereitschaft, sie auch im Interesse von Wirtschaft, Beschäftigung und Klimaschutz zu nutzen!

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