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24.04.08 , 17:27 Uhr
SSW

Anke Spoorendonk zu TOP 34; 35 - Versorgung mit Lehrkräften an den Gymnasien; Anmeldungen zur Sekundarstufe 1

Presseinformation
Kiel, den 24.4.2008 Es gilt das gesprochene Wort



Anke Spoorendonk
TOP 35 Anmeldungen zur Sekundarstufe 1 Drs. 16/1998
Bisher haben wir nur der Presse entnehmen können, wie die Anmeldezahlen zur Sekundarstufe 1
aussehen. Daher macht es schon Sinn, dass die Ministerin heute in einem mündlichen Bericht
darlegt, wie die Zahlen tatsächlich aussehen. Als wir vor einigen Monaten hier im Plenum den
Stand der Genehmigungen von neuen Gemeinschafts- und Regionalschulen debattieren, wurde
deutlich, wie gut die Gemeinschaftsschule von den Schulträgern angenommen wird. Mag sein,
dass einige Bildungspolitiker davon überrascht worden sind. Fest steht aber jetzt schon – und die
Anmeldezahlen scheinen dies zu belegen: Gemeinschaftsschulen sind Elternschulen.


Die Eltern haben einigen Orts massiv Druck machen müssen, damit vor Ort die entsprechenden
Anträge auf den Weg gebracht wurden. Eltern wollen mit anderen Worten eine Schulform, die ein
Höchstmaß an individueller Förderung ermöglicht. Keine Mutter und kein Vater macht sich die
Entscheidung leicht, welcher Schultyp den Neigungen und Fähigkeiten des Kindes am besten
entspricht, und das Sortieren der Kinder im Alter von zehn Jahren beschwört in vielen Familien die
falschen Bilder herauf. Darum ist es gut, dass die gemeinsame Beschulung sich langsam, aber
deutlich durchsetzt. Die Eltern zeigen mit ihrem Anmeldeverhalten, dass sie die
Gemeinschaftsschule für ihr Kind wollen. 2
Ich warne allerdings davor, die Anmeldungszahlen als Propagandainstrument zu missbrauchen.
Dafür sind sie sicherlich nicht geeignet. Sie geben allerdings deutliche Signale an die Schulpolitik.
Ein Signal ist, dass die Regionalschule zu wenige überzeugende Argumente anbringen kann. Die
Eltern sehen diese Schulform nicht als zukunftsfähig an. Das ist eine Abstimmung mit den Füßen.
In Schleswig liegen bei der Dannewerkschule, die ab nächstem Schuljahr Gemeinschaftsschul-
Unterricht anbietet, 125 Anmeldungen vor; bei der Bruno-Lorenzen-Schule, die ab übernächstem
Schuljahr Gemeinschaftsschule wird, sind es 100. Bei der Regionalschule, der Gallbergschule,
wurden 45 Kinder angemeldet, was einem Fünftel entspricht. Das sind die Fakten. So sieht es auch
im Rest des Landes aus.


Ich erwarte, dass sich dieser Trend fortsetzen wird. Die Gemeinschaftsschule hat nämlich die
Argumente auf ihrer Seite. Die Regionalschule erweist sich als nicht durchsetzungsfähig. Einige
Regionalschulen werden also trotz geringerem Schülerschlüssel als die Gemeinschaftsschulen nur
mit Mühe antreten können.
Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich betonen, dass die Regionalschulen kein Imageproblem
haben, dem man mit etwas professionellem Marketing schon auf die Beine helfen könnte. Die
Regionalschule bietet eben nicht die Möglichkeiten einer Gemeinschaftsschule, sondern engt
Optionen ein.


Das wollen die Eltern offensichtlich nicht. Sie wünschen sich, dass ihr Kind eine Welt eröffnet
wird, anstatt dass Türen knallend ins Schloss fallen. Grundsätzlich gilt daher auch, dass die
Übergänge zwischen den Schularten ein Problem des neuen Schulgesetzes bleibt. Die Hürden, was
beispielsweise den Erwerb der zweiten Fremdsprache angeht, sind zu hoch.


Ich fasse zusammen: Aus sicht des SSW ist es besser für die Kinder, wenn alle Schulen in
Gemeinschaftsschulen umgewandelt werden. Die Gemeinschaftsschulen könnten im Rahmen
ihrer pädagogischen Arbeit einfach schneller auf veränderte Anforderungen reagieren – und das
wissen die Eltern. Das kann man an den Anmeldezahlen überdeutlich ablesen.

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