Diese Webseite verwendet ausschließlich für die Funktionen der Website zwingend erforderliche Cookies.
Detlef Matthiessen zur Lage des Handwerks
PRESSEDIENST Fraktion im Landtag Schleswig-Holstein Pressesprecherin Es gilt das gesprochene Wort. Claudia Jacob Landeshaus TOP 9 - Lage und Entwicklung des Handwerks Düsternbrooker Weg 70 24105 KielDazu sagt der wirtschaftspolitische Sprecher Telefon: 0431 / 988-1503 Fax: 0431 / 988-1501 der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Mobil: 0172 / 541 83 53 Detlef Matthiessen: E-Mail: presse@gruene.ltsh.de Internet: www.sh.gruene-fraktion.de Nr. 206.08 / 29.5.2008Lage und Entwicklung des Handwerks Das Handwerk spielt in der Wirtschaftsstruktur von Schleswig-Holstein eine ganz wichti- ge Rolle. Das Handwerk steht beispielhaft für den so bedeutsamen Mittelstand. Die Ei- gentümerIn führt das Unternehmen, hat den persönlichen Kontakt zu den KundInnen und den eigenen MitarbeiterInnen und trägt das wirtschaftliche Risiko. Die Zahl der Voll- handwerksbetriebe mit 24.000 ist weiterhin sehr hoch. Dahinter steckt aber eine große Fluktuation, Betriebe werden gelöscht, frisch gegründete Betriebe werden neu angemel- det.Innerhalb von sechs Jahren sind so in Schleswig-Holstein 12.000 Handwerksbetriebe ge- löscht worden. Circa 8000 Handwerksbetriebe müssen in den nächsten fünf Jahren eine Nachfolgeregelung finden, jeder fünfte Betrieb wird pro Jahr geschlossen, weil eine Nachfolgeregelung nicht zustande kommt. Das liegt nicht nur am fehlenden Unterneh- mernachwuchs, sondern auch an den finanziellen Schwierigkeiten des neuen Besitzers. Abstandzahlungen an den alten Handwerksmeister und notwendige Neuinvestitionen er- fordern hohe Kreditbedarfe. Die Förderinstrumente der Landesregierung, Investitions- bank, Mittelständische Beteiligungsgesellschaft und Bürgschaftsbank machen da einen wirklich guten Job.Für die Ausbildungsbereitschaft müssen wir dem Handwerk dankbar sein. Pro Jahr wer- den in über 8000 Ausbildungsstätten über 18.700 junge Menschen ausgebildet. Die Schwerpunkte liegen bei den Elektro- und Metallhandwerken vor den Bau- und Ausbau- handwerken. Für Jugendliche mit einem Hauptschulabschluss bietet das Handwerk im- mer noch eine sehr gute Perspektive mit einem qualifizierten Berufsabschluss. 52 Pro- zent der 7200 Jugendlichen, die eine Lehre im Handwerk 2007 begannen, verfügen über einen Hauptschulabschluss.Die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung (ÜLU) deckt die inhaltlichen Lücken ab, die von kleinen Handwerksbetrieben innerhalb der Ausbildung nicht vermittelt werden kön- nen. Das Land beteiligt sich seit Jahren mit einem Drittel an den Kosten der ÜLU, die jährlich circa zehn Millionen Euro betragen.1/2 Die Beschäftigtenzahlen steigen leicht in den letzten zwei Jahren, von 2000 bis 2007 sind die Beschäftigtenzahlen aber von 145000 auf 115000 abgefallen, das sind 30.000 Beschäftigte weniger in den Handwerksbetrieben. Entsprechend sieht es bei der Um- satzentwicklung aus: Von 11,3 Milliarden Euro in 2000 fiel der Gesamtumsatz des Handwerks in Schleswig-Holstein auf 10,5 Milliarden Euro. Bedenklich ist die rückläufige Anzahl der abgelegten Meisterprüfungen. Das hängt sicher mit der Entwicklung derjeni- gen Handwerke zusammen, bei deren Ausübung keine Meisterprüfung mehr als Voraus- setzung gilt.Für viele Handwerksbetriebe ist es sehr schwer, an öffentliche Aufträge zu kommen. Die Kommunen sind gehalten, die Ausschreibungen in Fach- und Teillosen vorzunehmen - auch wenn das vielleicht etwas teurer wird als mit einem Generalunternehmer. Die Billig- lohnkonkurrenz aus Mecklenburg-Vorpommern oder Brandenburg ist ein großes Problem für das örtliche Handwerk. Eine Möglichkeit, dem entgegen zu wirken, besteht in dem In- strument der beschränkten Ausschreibung. Es werden gezielt Unternehmen aus der je- weiligen Region zu Angeboten aufgefordert. Damit ist dann auch gewährleistet, dass Ta- riflöhne gezahlt werden und die Ausbildungsbereitschaft belohnt werden kann. Ansons- ten müsste hier die Tariftreue zum Zuge kommen. Maßgeblich ist der am Ort der Leis- tung zu zahlende Tariflohn. Nach einem Urteil des EuGH von Anfang April 2008 zum Landesvergabegesetz von Niedersachsen müssen die jeweiligen Tariftreuegesetze der Länder angepasst werden.Für uns Grüne ergibt sich daraus die verstärkte Forderung nach bundesweiten gesetzli- chen Mindestlöhnen. Die Argumente dagegen sind nicht wirklich einleuchtend. Bei einem Mindestlohn von 7,50 Euro bekommt ein Arbeitnehmer bei einer 40-Stunden-Woche brut- to 1.350 Euro. Das ist nun wirklich nicht viel, aber eine deutliche Grenze nach unten.Wo liegen nun die größten Chancen des Handwerks? Das ist die energetische Sanierung von Wohn- und Gewerbegebäuden und weiter die Installation erneuerbarer Energien. Auch deshalb haben wir Grünen einen Entwurf für ein ErneuerbaresEnergienWärmege- setz in den. Landtag eingebracht. Das hat Zukunft, Gebäude können nicht in Niedriglohn- länder exportiert werden. Hier wird qualifizierte Arbeit vor Ort gebraucht.Wir Grüne sind der festen Überzeugung, dass der peak-oil, das Erreichen der weltweiten höchsten Öl-Fördermenge, schon Tatsache ist. Eine zukünftige Energie- und Verkehrs- planung muss diese existentielle Rahmensetzung berücksichtigen. Der Rohölpreis liegt nun schon längere Zeit über 100 Dollar pro Barrel, aktuell bei mehr als 135 Dollar.Bei weiter steigenden Preisen wird sich das Verkehrsverhalten und der Umgang mit E- nergie ändern müssen. Noch 2004 hatte die Internationale EnergieAgentur (IEA) - ein Zusammenschluss der großen Ölverbraucher - für 2008 einen Rohölpreis von 40 Dollar prognostiziert. Die IEA hat immer die Frage der Ölknappheit weit von sich gewiesen und abgewiegelt.Nun hat der Chefökonom der IEA Fatih Birol in einem Interview mit der Zeitschrift IP (In- ternationale Politik) erklärt, dass bei steigendem Weltölverbrauch sich bis 2015 eine Ver- sorgungslücke von 12,5 Millionen Barrel pro Tag auftun wird, dass sind 15 Prozent des heutigen Weltverbrauchs. Damit ist klar, wo die Zukunft des Handwerks liegt: Energieop- timierung, Wärmedämmung und erneuerbare Energien sind die Stichwörter.Handwerk hat nicht nur ab und zu goldenen Boden, sondern immer öfter grünen Boden. Mit Grünen Ideen werden nachhaltig schwarze Zahlen geschrieben. ***