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Lars Harms zu TOP 43 - Wirtschaftsbericht 2008
Presseinformation Kiel, den 29.5.2008 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 43 Wirtschaftsbericht 2008 Drs. 16/1941Die wirtschaftliche Lage in Schleswig-Holstein ist gut. Seit 2006 haben wir in Deutschland einenAufschwung zu verzeichnen, von dem auch Schleswig-Holstein stark profitiert hat. Die Umsätzesind in den meisten Branchen in den letzten zwei Jahren wieder stark angestiegen und dasWirtschaftswachstum liegt 2007 immer noch bei 1,4 %. Die Arbeitslosigkeit ist auch in Schleswig-Holstein jetzt auf fast 7% gefallen und viele Arbeitslose –auch ältere – sind in den letzten Jahrenwieder in Arbeit gekommen. Aus dem Wirtschaftsbericht geht dann auch hervor, dass Schleswig-Holstein sich auch in der Beschäftigungsentwicklung im Vergleich mit den anderenFlächenländern behaupten konnte.Die Aussichten der schleswig-holsteinischen Wirtschaft sehen auch für dieses Jahr nicht schlechtaus. Viele Branchen vermelden immer noch volle Auftragsbücher. Die größten Sorgen bereitenden meisten Wirtschaftsexperten aber immer noch die Binnennachfrage, obwohl doch auch dieLöhne angestiegen sind. Aber der Anstieg der Öl- und Lebensmittelpreise lässt natürlich auch dieInflation stark anwachsen. Daher fühlen die Menschen nicht, dass sie wirklich mehr im Geldbeutelhaben, als noch vor einigen Jahren. 2Und hier liegt wohl auch einer der entscheidenden Punkte, warum viele Bürgerinnen und Bürgertrotz des in den Medien vermeldeten Aufschwungs frustriert sind. Warum fühlen so vieleMenschen, dass der aktuelle Aufschwung an ihnen vorbei geht? Warum glauben so viele nichtmehr daran, dass dieser Aufschwung auch der ihrige ist?Die Antwort darauf konnten wir vor 10 Tagen aus dem aktuellen Armutsbericht entnehmen. DieKluft zwischen Reich und Arm in Deutschland wird größer und die Anzahl der Menschen, die manals arm bezeichnen kann, steigt auch an. Wir hängen diese Tatsachen damit zusammen, dass unsder Bundeswirtschaftsminister und auch heute der Landeswirtschaftsminister täglich neueRekordmeldungen über die gute wirtschaftliche Lage geben?Man muss es leider klar sagen: Die Arbeitslosenzahlen fallen zwar und auch wenn die Zahl dersozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze ansteigt, so steigt die Anzahl derBilliglohnarbeitsplätze ebenfalls stark an. Das heißt, dass leider zu viele der neu geschaffenenArbeitsplätze schlecht bezahlt werden und hier liegt aus Sicht des SSW eines der Hauptproblemebeim aktuellen wirtschaftlichen Aufschwung.Was nützt es der Gesellschaft, wenn viele Unternehmen Leute einstellen, die von ihrer Arbeitnicht leben können. Das ist nicht nur unwürdig für die Arbeitnehmer, sondern die öffentlicheHand wird durch die zusätzlichen ALG-Leistungen und durch die Wohnungsgeldkosten sogar nochvon solchen Arbeitsplätzen finanziell belastet. Aus Sicht des SSW gibt es daher nur eineMöglichkeit, um diese Probleme zu lösen: wir brauchen endlich einen generellen Mindestlohn inDeutschland.Wenn fast alle europäischen Länder einen Mindestlohn haben, wenn unser NachbarlandDänemark einen Mindestlohn von 13 Euro pro Stunde hat, kann mir keiner erzählen, dass dies dieWettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen wirklich einschränkt. Der SSW fordert daher die 3Landesregierung dazu auf, eine Bundesratsinitiative zu starten, um endlich einen Mindestlohn inDeutschland einzuführen.Aus dem Wirtschaftsbericht der Landesregierung geht leider nicht hervor, wie viele der neugeschaffenen Arbeitsplätze im unteren Lohnbereich anzusiedeln sind. Wir würden dahervorschlagen, dass der Wirtschaftsbericht in Zukunft auch den Aspekt der Billiglöhne umfasst,damit wir uns als Landtag ein mehr realistisches Bild von der Lage in der schleswig-holsteinischenWirtschaft und von unserem Arbeitsmarkt machen können.Ansonsten listet der Bericht, wie im jeden Jahr, die vielen positiven Initiativen auf, die dieLandesregierung im Bereich Bildung, Forschung, Entwicklung oder bei der Clusterbildung in Ganggesetzt hat. Ich habe es bereits bei meinen Redebeiträgen zum Wirtschaftsbericht dervergangenen Jahren gesagt: Die Strukturen und Rahmenbedingungen zur Unterstützung derheimischen Wirtschaft seitens des Landes, die ja bereits unter rot-grün eingeführt worden, sindauch von der jetzigen Landesregierung im großem und ganzen konstruktiv weiterentwickeltworden.Die Förderinstitute des Landes sind weiterhin gut aufgestellt und auch das neue„Zukunftsprogramm“ für Schleswig-Holstein ist gut angelaufen. Wobei der SSW natürlich vor Ortsehr kritisch darauf achten wird, dass die Landesregierung die Westküste und den nördlichenLandesteil bei den Investitionen an die Unternehmen nicht vergisst.Wir haben uns hier im Landtag bereits mehrfach über die Prioritätensetzung der Landesregierungbezüglich der Zusammenarbeit mit Hamburg oder der mit Dänemark unterhalten. Ich will gernezugestehen, dass wir vom SSW den Eindruck haben, dass die Landesregierung die wichtigestrategische Bedeutung, die die grenzüberschreitende Zusammenarbeit für den nördlichenLandesteil hat, besser erkannt hat als die Vorgängerregierung. 4Die letzten Verträge zwischen Schleswig-Holstein und der Region Süddänemark sind jedenfallsein hoffnungsvolles Zeichen, dass wir in der deutsch-dänischen Zusammenarbeit einen weiterenSchritt vorankommen.Natürlich werden wir uns trotzdem über die Details dieser Zusammenarbeit streiten. Und amFreitag haben wir ja auch die Gelegenheit, noch mal die unterschiedlichen Positionen beimAusbau der Verkehrsinfrastruktur im Landesteil Schleswig darzulegen. Aber sie können sicher sein,dass der SSW weiterhin konstruktiv und kritisch den Einsatz der Landesregierung bei dem für unsso wichtigen wirtschaftlichen Thema begleiten wird.