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Lars Harms zu TOP 25 - Förderung von Bädern in Schleswig-Holstein
Presseinformation Kiel, den 29.5.2008 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 25 Förderung von Bädern in Schleswig-Holstein Drs. 16/2076Die Diskussionen über Sinn und Unsinn von öffentlich geförderten Schwimmbädern in Schleswig-Holstein hat in der Tat in den letzten Jahren zugenommen und von daher begrüßt der SSW, dassdie FDP dieses Thema aufgegriffen hat und einen Bericht von der Landesregierung darübergefordert hat. In den letzten Wochen hat insbesondere die Entscheidung für das Campus-Hallenbad in Flensburg für große Aufregung gesorgt, weil es in Glücksburg mit der FördelandTherme schon ein so genanntes Spaßbad nur wenige Kilometer entfernt gibt.Auch auf Sylt haben die Planungen für die so genannte „Keitum Therme Sylt-Ost“ zurDiskussionen geführt, weil es bereits mit der „Sylter Welle“ in Westerland ebenfalls inunmittelbarer Nähe ein anderes Bad gibt. Nun könnte man sagen, was geht das den Landtag an,denn die Kommunen müssen ja selbst vor Ort entscheiden, was sie machen wollen. Aber hier gehtes darum, dass die allermeisten dieser Spaßbäder mit öffentlichen Geldern – auch des Landesunterstützt werden. 2Und deshalb müssen wir als verantwortliche Landespolitiker schon die kritische Frage stellen, obwir mit Landesmitteln vor Ort zwei Bäder in unmittelbarer Nähe zueinander fördern wollen, diedann gegeneinander konkurrieren. Das würde natürlich aus Landessicht wenig Sinn machen undwäre reine Geldverschwendung. Denn, damit diese Spaßbäder erfolgreich wirtschaften können,brauchen sie oftmals einen Kundenstamm von 180.000 bis 200.000 Gästen, um überleben zukönnen.Das Einzugsgebiet dieser Bäder ist oftmals sehr weit, weil die Attraktivität besonders für Familienmit Kindern sehr groß ist. Wer will heute schon ein „normales“ und aus Sicht der Kinder„altmodisches“, traditionelles Schwimmbad besuchen? Die Kinder wollen nicht nur Schwimmen,sie wollen was erleben und sie wollen unterhalten werden. Das bieten viele Spaßbäder und derErfolg Beispielsweise der „Sylter Welle“ und des Erlebnisbades in Damp bestätigt dieseEntwicklung.Auch für viele Touristen sind diese Bäder natürlich sehr attraktiv und für Schleswig-Holstein alsTourismusstandort daher wertvoll. Deshalb sind die öffentlichen Zuschüsse für diese Projekte, dieLandesregierung an solche Projekte vergibt, grundsätzlich auch in Ordnung. Nur bin ich derMeinung, dass man bei der Bewilligung von Zuschüssen eine Konkurrenzsituation von zweiSpaßbädern vermeiden sollte. Das kann aus meiner Sicht zum Beispiel das Problem bei der„Keitum-Therme-Sylt-Ost“ sein.In Flensburg sieht die Situation allerdings etwas anders aus. Das Problem ist hier, dass das alteSchwimmbad entweder dringend renoviert werden müsste oder man müsste ein ganz neuesbauen. Die Flensburger Politiker standen also vor der Wahl, ob sie viel Geld für eine Renovierungin die Hand nehmen wollten oder ein neues modernes Schwimmbad auf dem Campus derUniversität bekommen. Bei der Ausschreibung des Campus-Hallenbades hat nun ein Betreibergewonnen, der in seinen Plänen auch einige Spaßbadelemente mit eingebaut hat, damit das Badwirtschaftlich betrieben werden kann 3Allerdings handelt es sich nicht um ein herkömmliches Spaßbad, da auch der Schulsport sowie dieFlensburger Hochschulen dieses Bad nutzen werden. Ich verstehe dennoch, dass dieKreistagspolitiker in Schleswig-Flensburg in diesen Plänen eine Konkurrenz zur Fördetherme inGlücksburg sehen. Denn auch für dieses Projekt sind 1,7 Mio. Steuergelder ausgegeben worden.Aber das Campusbad ist ein ÖPP-Projekt, das nicht mit Landesgeldern finanziert wird, sondern dieBauinvestitionen bezahlen die Stadt und der Betreiber. Natürlich bezahlt die Stadt jährlich einenZuschuss für den Betrieb des Bades, aber das hätte man auch fast in gleicher Höhe für das alteSchwimmbad zahlen müssen. Dazu kommt, dass die Preise für die Benutzer des Schwimmbadesakzeptabel sind, so dass alle Familien sich das auch leisten können. Aus sozialpolitischer Sicht wardieses ein gewichtiges Argument für die Entscheidung.Bisher kommen jährlich ca. 180.000 Besucher in das alte Flensburger Schwimmbad, das wirklich ineinem sehr schlechten Zustand ist. So dürfte die angepeilte Besucherzahl von 220.000 für dasneue Schwimmbad zu erreichen sein, wenn man bedenkt, dass Flensburg über 80.000 Einwohnerhat. Das heißt, auch wenn man die Glücksburger Bedenken verstehen kann, so muss manfesthalten, dass es in Flensburg für dieses Projekt keine Landesmittel gibt und das Land jedenfallshier nicht zwei Spaßbäder fördert. Die öffentlichen kommunalen Gelder für den Betrieb des Badeshätte Flensburg auch für das alte Bad ausgegeben und man wendet sich dort nicht an Kunden ineinem größeren Umkreis – wie in Glücksburg – sondern dient mit dem Flensburger Bad derGrundversorgung vor Ort.Dazu glaube ich, dass man nicht bezweifeln kann, dass man in seiner Stadt wie Flensburgunbedingt ein öffentliches Bad braucht. Es ist den Familien und Kindern doch wohl nichtzuzumuten ganz nach Glücksburg zu fahren, wenn sie mal in ein öffentliches Schwimmbadwollen. Mein Fazit ist also, dass wir bei öffentlich finanzierten Schwimmbädern – insbesonderebei den Spaßbädern - zwar vorsichtig sein sollten, aber man muss in jedem Einzelfall auch immerdie lokalen Gegebenheiten berücksichtigen, wenn man ein Projekt beurteilt.