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Anke Spoorendonk zu TOP 41 - Europabericht 2008
PresseinformationKiel, den 30.5.2008 Es gilt das gesprochene WortAnke SpoorendonkTOP 41 Europabericht 2008 Drs. 16/1983Am letzten Freitag har der Bundesrat dem EU-Reformvertrag zugestimmt. Damit ist der deutscheRatifizierungsprozess für den Vertrag von Lissabon fast abgeschlossen. Nur fast - weil ja zweiBundestagsabgeordnete – nämlich Dieter Dehm von der Partei „Die Linke“ und Peter Gauweilervon der CSU - gegen diesen Vertrag vor dem Bundesverfassungsgericht klagen wollen. Allerdingsist es zweifelhaft, ob sie Erfolg haben werden. Denn schon bei der viel weitergehenden EU-Verfassung, die vor drei Jahren beschlossen wurde und am Ende durch die Volksabstimmungen inFrankreich und Holland scheiterte, sind entsprechende Klagen vom BVG abgewiesen worden.Außer in Irland wird es in keinem Land Volksabstimmungen über den neuen EU-Reformvertraggeben. Auch in Dänemark sind sich die Regierung und die sozialdemokratische Oppositiondarüber einig, dass dieser Vertrag nicht durch eine Volksabstimmung beschlossen werden soll.Das ist sehr bedauerlich. Der SSW hält jedenfalls immer noch an seiner Forderung nachVolksabstimmungen bei wesentlichen Änderung der EU-Rahmenbedingungen für unabdingbar,um die Akzeptanz der Bürgerinnen und Bürger für Brüsseler Entscheidungen zu verbessern. 2Wenn das traditionell EU – freundliche Irland zustimmt, wird dieser neue EU-Vertrag wohl ohneProbleme bis 2009 in allen Ländern ratifiziert werden können. Aus dem Europabericht 2008 gehtaber hervor, dass damit die Probleme der EU bei weitem nicht gelöst sind. Im Gegenteil: DerBericht der Landesregierung zeigt einige der Probleme auf, die sich vielleicht mit den neuenRahmenbedingungen abmildern lassen, aber dennoch nicht grundlegend geändert werden.Denn ist es eine Tatsache, dass es in der EU mit 27 Mitgliedsländern nicht einfacher wird,effiziente und transparente Entscheidungen zum Wohl der Menschen in Europa zu treffen. Zuunterschiedlich sind die Erwartungen und Herangehensweisen der einzelnen Mitgliedsländer. DerTrend scheint laut Europabericht dahin zu gehen, dass die Durchsetzung nationaler ökonomischerInteressen immer öfter den Gemeinwohlinteressen vorgezogen wird.Bei allen berechtigten Forderungen, die auch der Landtag immer an die gerechte Verteilung vonEU-Investitionsprogrammen stellt, ist dies aber keine gute Entwicklung. Die Zusammenarbeit inder Europäischen Union sollte zwar nicht zentralistisch und bürokratisch geregelt sein, aber einMindestmaß an gemeinsamen europäischen Entscheidungen bei den wichtigen Aufgaben mussschon vorhanden sein, ansonsten wird sich die EU in absehbarer Zeit selbst überleben.Insbesondere bei den aus meiner Sicht entscheidenden Herausforderungen an ein soziales Europasieht der SSW große Probleme auf uns zukommen. Wenn der Europäische Gerichtshof in Namendes freien Binnenmarktes das niedersächsische Tariftreuegesetz kippt, dann müssen wiraufpassen. Man kann nicht auf der einen Seite von einem sozialen Europa reden und dann auf deranderen Seite soziale Errungenschaften wegen des EU-Rechts abbauen. So schafft man vor Ortkein Vertrauen in die Brüsseler Politik.Dieses Beispiel zeigt für den SSW wieder einmal, dass alle vernünftigen Kräfte sich gemeinsam fürein soziales Europa einsetzen müssen. Von daher würden wir uns schon wünschen, dass sich dieLandesregierung nicht nur in Berlin, sondern auch bei ihren europäischen Partnern im Ausschuss 3der Regionen für eine entsprechende Änderung der EU-Bestimmungen einsetzt. DasTariftreuegesetz muss erhalten bleiben, und wenn es nicht anders geht, muss eben das EU-Rechtverändert werden.Die Landesregierung will sich in Zukunft verstärkt der frühzeitigen Beobachtung und Bewertungvon Planungen der EU-Kommissionen widmen. Dies ist auch notwendig, wenn wir in Schleswig-Holstein die Entwicklungen in Brüssel auch nur ansatzweise beeinflussen wollen. Auch derLandtag versucht seit geraumer Zeit im Rahmen der Subsidiaritätskontrolle frühzeitig Einfluss zunehmen. Die Landesregierung und der Landtag sollten diese Bemühungen daher noch besservernetzen, damit wir den schleswig-holsteinischen Einfluss im EU-Entscheidungsprozessmaximieren können.Weitere Schwerpunkte der Europapolitik der Landesregierung sind naturgemäß die integrierteeuropäische Meerespolitik, die den maritimen Standort Schleswig-Holstein stärken soll. Erst imHerbst 2007 hat die EU-Kommission ein Blaubuch für die integrierte Meerespolitik vorgelegt. Indiesem Blaubuch enthalten ist auch ein „Aktionsplan zur Integrierten Meerespolitik“ mit vielenkonkreten Einzelvorschlägen, die jetzt umgesetzt werden sollen. Gerade auch im Rahmen derZusammenarbeit der Ostseeanrainerstaaten wird Schleswig-Holstein die Umsetzung dieserVorschläge mit voranbringen. Das begrüßt der SSW, denn integrierte Meerespolitik ist mehr alsUmweltpolitik.Ich bedanke mich beim Europaminister und bei seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für denausführlichen und informativen Bericht.