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Anke Spoorendonk zu TOP 28 - Datenschutzbericht 2008
PresseinformationKiel, den 18.06.2008 Es gilt das gesprochene WortAnke SpoorendonkTOP 28 Bericht des Unabhängigen Landeszentrums für den Datenschutz 2008 Drs. 16/1839Wenn wir Anfang Juli den 30.Geburtstag des Datenschutzes in Schleswig-Holstein feiern, werdenwir ganz sicher auch die Gelegenheit haben, uns zu grundsätzlichen Fragen des Datenschutzeszu äußern. Heute geht es allein um den Bericht des Unabhängigen Landeszentrums fürDatenschutz, der wieder einmal durch seinen klaren Aufbau – durch das Aufgreifen zentralerProblemstellungen im Bereich des Datenschutzes - besticht und überzeugt. Dadurch ist derBericht zu ein Markenzeichen für die Arbeit des ULD geworden; dafür danke ich im Namen desSSW Herrn Dr. Weichert und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.Der Bericht belegt zum einen, dass moderner Datenschutz etwas anderes ist als das schlichteÜberwachen der entsprechenden Gesetze und Verordnungen. Die Weiterentwicklung desDatenschutz-Gütesiegels belegt dies eindrucksvoll. Dieses in Schleswig-Holstein erprobte undmittlerweile breit anerkannte Gütesiegel hat 2007 eine europäische Dimension erhalten. Zieleines im Sommer letzen Jahres gestarteten Projektes war somit, das schleswig-holsteinischeGütesiegelverfahren und seine Prüfkriterien an die europäischen Anforderungen anzupassen. Im 2Rahmen dieses Projekts wurden jene Kriterien auf der Grundlage der EuropäischenDatenschutzrichtlinie - mit deren Umsetzung in den nationalen Datenschutzgesetzen - um eineeuropäische Komponente erweitert. In einem zweiten Arbeitsschritt geht es um dieinternationale Anerkennung von Sachverständigen. Dass diese Arbeit auch konkreten Bezug zuSchleswig-Holstein hat, geht aus den Schlussbemerkungen dieses Abschnittes hervor. Dennunter der Überschrift: „Was ist zu tun?“ weist der Bericht darauf hin, dass diegrenzüberschreitende Koordination von Gütesiegelverfahren ausgebaut werden muss, damitInhaber des schleswig-holsteinischen Siegels mit ihren Produkten Erleichterungen bei derZertifizierung in anderen Staaten haben. Soll heißen: Wir haben es mit konkreterWirtschaftsförderung zu tun, weil die mittelständisch strukturierte Wirtschaft in Schleswig-Holstein letztlich nur über Qualität wettbewerbsfähig bleiben wird.Zu Recht hat Datenschutz auch immer mit der Wahrung von Persönlichkeits- und Bürgerrechtenzu tun. Dieser Aspekt spielt auch im Tätigkeitsbericht für 2007 eine entscheidende Rolle. Daraufwerde ich jetzt nicht eingehen, weil dieser Punkt ganz sicher bei den Ausschussberatungen einewichtige Rolle spielen wird. Doch, wie schon bei dem Gütesiegel angedeutet, wird dieeuropäische Dimension künftig eine noch stärkere Rolle spielen als bisher. – Auch, wenn es umBürgerrechte und um den Schutz personenbezogener Daten geht. Deutlich wird dies imTätigkeitsbericht, wo es um die Übermittlung personenbezogener Daten im Bereich der Polizeiund der Justiz innerhalb der EU geht.Dadurch, dass die Standards im Datenschutz auf EU-Ebene weit auseinander klaffen, ist eineHarmonisierung dort immer nur ein Minimalkonsens, mit dem wir nicht zufrieden sein können.Mit deutschem Datenschutzverständnis sind solche Minimallösungen nicht in Einklang zubringen.Der Tätigkeitsbericht des ULD kritisiert daher auch zu Recht, dass unsere Gestaltungsspielräumebei datenschutzrelevanten Themen auf europäischer Ebene zu gering sind. Kritisch zuhinterfragen ist in diesem Zusammenhang auch die Aussage des Datenschützers, dass: „die 3Einbindung der Länder in die Diskussion des geplanten Rahmenbeschlusses zu wünschen übrigließ. Die Datenschutzbeauftragten der Länder wurden teilweise gezielt über die aktuellen Texteim Unklaren gelassen.“Im Innen- und Rechtsausschuss sollten wir diesen Punkt noch einmal aufgreifen, zumal es mitdem neuen Reform-Vertrag der EU für alle Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union einGrundrecht auf Datenschutz geben soll. Doch man gewinnt immer mehr den Eindruck, dass derSchutz personenbezogener Daten dem sicherheitspolitischen Interesse einfach untergeordnetwird.Dies ist nicht nur im europäischen Zusammenhang so zu sehen, sondern auch auf Landesebene.Dies haben gerade die Debatten zum Polizeirecht gezeigt. Der Datenschutz in Schleswig-Holsteinhat sehr viel zu verlieren und nach drei Jahrzehnten sollte einmal evaluiert werden, wo derDatenschutz heute steht – auf Landes- Bundes- und EU-Ebene.