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Lars Harms zu TOP 26 - Zentrale SPNV-Projekte in Schleswig-Holstein
PresseinformationKiel, den 19.06.2008 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 26 SPNV- Schleswig- Zentrale SPNV-Projekte in Schleswig-Holstein 16/2097 Drs. 16/2097Der vorliegende Bericht gibt Aufschluss über einige der wichtigsten Infrastrukturprojekte imBereich Schienenpersonennahverkehr, die in Schleswig-Holstein anstehen. Diese Projekte sindaber von Rahmenbedingungen abhängig, die man nur als sehr unsicher bezeichnen kann. Unddiese Unsicherheit führt dazu, dass nicht alles, was wünschenswert ist, auch durchgeführtwerden kann. Deshalb ist es um so wichtiger, dass hier die richtigen Prioritäten gesetzt werden.Dass dies leider nur eingeschränkt der Fall ist, werde ich später erläutern.Doch erst einmal zu den Rahmenbedingungen. Da sind erst einmal die Landesmittel, die nurbegrenzt vorhanden sind und die eine eigenständige Prioritätensetzung und auch kurzfristigeEntscheidungen nahezu unmöglich machen. Man muss die begrenzten Mittel dort einsetzen, woauch Komplementärmittel vorhanden sind. Andere sinnvolle Maßnahmen werden dadurchgefährdet. So wird im Bericht gesagt, dass der zweigleisige Ausbau der Strecke Niebüll-Westerland zwar von der Landesregierung gewünscht und angestrebt wird, aber die DB-AGhieran kein Interesse hat. Damit ist ein solches sinnvolles Projekt hochgradig gefährdet. Und 2somit kann ein überragendes touristisches Ziel nicht angemessen an das Verkehrsnetzangebunden werden. Das darf so nicht sein und hier muss die DB-AG immer wieder unter Druckgesetzt werden, damit sich etwas bewegt.Der Ausbau von Lehnshallig hilft zwar die bestehenden Verbindungen stabiler zu machen, aberan eine Erweiterung und damit weitere Verbesserung der Verbindungen ist hier nicht zu denken.Wenn also im Bericht gleich am Anfang steht, dass für die aufgeführten Projekte hinsichtlich derLandesbeteiligung ein Haushaltsvorbehalt besteht und wenn dann andere auch nicht diewichtigen Weichenstellungen finanziell mit tragen wollen, dann haben wir hier ein erstesProblemfeld, das wir angehen müssen.Das zweite Problemfeld ist die Privatisierung der Deutschen Bahn. Selbst, wenn man die Netzeteilweise vom Betrieb trennt, haben wir es immer noch mit einem großen Unternehmen zu tun.Der Unterschied zu früher ist, dass sich eine teilprivatisierte Bahn noch wirtschaftlichzielgerichteter verhalten wird, als ohnehin schon. Regionalpolitische Aspekte spielen dann beider Grundversorgung mit Bahnangeboten im Nahverkehr kaum noch eine Rolle. Betrachten wiruns wieder ein Beispiel an der Westküste, so wird es wohl vorerst ein Traum aller bleiben, denBahnhof in Westerland auszubauen. Derzeit müssen Züge beschwerlich auf den vorhandenenGleisen hin und her rangiert werden, damit ein flüssiger Verkehr aufrechterhalten werden kann.Würde man die Gleise erweitern, gäbe es hier gute Möglichkeiten, die Abläufe zu verbessern undso Zeit einzusparen. Hier liegen unheimlich große Potentiale, um durch Strukturverbesserungenmehr Züge in den Bahnhof ein- und ausfahren zu lassen. Aber welcher Infrastrukturbetreiber, derauch Konkurrent des dort tätigen Zugunternehmens ist, wird nun gerade dort die Infrastrukturverbessern wollen. Aus wirtschaftlicher Sicht kann man das verstehen, aber ausstrukturpolitischer Sicht kann man das eben nicht verstehen. Ein solches Thema, wie denBahnhof Westerland braucht man deshalb gar nicht versuchen voranzutreiben, solange die Lageso ist, wie sie ist. 3Die Dritte Begrenzung ist das Geld, dass uns als weitere Finanzierung zur Verfügung steht. Dasind zum einen die GVFG-Mittel. Diese Mittel sind in den letzten Jahren zurückgegangen undwird haben hier nur den Rückgang der Mittel ausgleichen können, in dem wir konsequent denBetrieb von Bahnstrecken ausgeschrieben haben. Dieser Weg war erfolgreich und deshalb solltenwir weiterhin transparent und ohne Vorfestlegungen ausschreiben.Was die GVFG-Mittel angeht, sagt der Bericht, dass man sich nicht sicher sein könne, dass dieseMittel weiter bestehen. Wenn diese Finanzquelle weg bricht, dann bricht das ganze Systemzusammen. Das heißt, wir wären dann noch nicht einmal in der Lage, die notwendigstenMaßnahmen und Verkehre zu finanzieren. Wenn wir dann noch betrachten, dass auch derBundesverkehrswegeplan bei weitem nicht alle notwendigen Maßnahmen abdeckt und auchdieser unterfinanziert ist, dann sieht man, wie dünn die Decke ist, nach der wir uns strecken.Nehmen wir auch hier wieder ein Beispiel von der Westküste. Die Zweigleisigkeit der gesamtenStrecke Hamburg-Westerland ist eigentlich eine Grundvoraussetzung, um einen vernünftigenVerkehr auf die Schiene zu bekommen. Dieser jahrzehntelange Wunsch der Westküste findetsich aber nicht in den eben genannten Planungen und deshalb werden wir auch hier in Zukunftkeinerlei Bewegung haben – im wahrsten Sinne des Wortes.Wir können feststellen, dass die Mittel begrenzt sind und dass wir deshalb also die richtigenPrioritäten werden setzen müssen. Dies wird auch wieder aus den Bericht deutlich. DieStadtregionalbahn Kiel ist zwar wünschenswert und unter einer Anzahl von Bedingungen auchfinanzierbar. Bricht aber eine Bedingung weg, so verschwindet gleich das ganze Projekt. Undaußerdem gibt es dann auch noch unsichere Projekte, die aus landespolitischer Sicht nochwichtiger sind. Eine solche Stadtregionalbahn wird also wahrscheinlich nur unter einer großenkommunalen Beteiligung zu haben sein – wenn überhaupt.Sehen wir uns aber nun die Prioritäten der Landesregierung an: 4Die Ausbauten der Bahnstrecken Hamburg – Bad Oldesloe – Ahrensburg und Hamburg –Elmshorn – Itzehoe sind zweifellos enorm wichtige Verkehrsprojekte. Wobei man allerdingssagen muss, dass die Entlastung bei Pinneberg-Elmshorn erst dann richtig zu Buche schlagenkann, wenn die Marschbahn richtig ertüchtigt wurde. Und das heißt, auf der ganzen Streckeertüchtigt wurde, wie ich es eben schon bei den einzelnen Beispielen beschrieben habe.Das dritte Großprojekt, der Ausbau der Strecke Hamburg – Quickborn / Norderstedt –Kaltenkirchen, ist gerade für den Pendlerverkehr sehr wichtig. Allerdings wäre uns ein Modell,wie der Schienenflieger wesentlich lieber, weil diese Ideen nicht nur darauf abzielen, bestehendeVerkehrsströme besser abzuleiten. Vielmehr will man beim Schienenflieger neuenSchienenverkehr schaffen und so mehr Pendler auf die Bahn bringen. Das scheint mir immernoch der bessere Weg zu sein.Zwar soll auch beim Ausbau der Strecke Hamburg – Quickborn / Norderstedt – Kaltenkirchen dieK.E.R.N.-Region besser angebunden werden, aber wir erhalten hier eben nur eine Notlösung undnicht einen Komplettausbau. Und selbst diese Notlösung ist noch nicht sicher finanziert. ImBericht steht, dass die Kosten hierfür erst noch ermittelt werden sollen. Erst dann wird man beidiesem Projekt überhaupt an Anträge und Finanzierungen denken können. Hier sind wiranscheinend noch weit weg von einer Realisierung dieses Projektes.Ob unsere Großprojekte etwas werden, hängt natürlich auch immer noch von DamoklesschwertFehmarn-Belt-Querung ab. Man erhofft sich ja eine Beschleunigung der Schienenprojektezwischen Hamburg und Lübeck, wenn die feste Querung kommt. Das mag so sein, aber da manGeld nicht zweimal ausgeben kann, werden die Bahn und auch die öffentlichen Zuschussgebernatürlich woanders streichen müssen. Damit werden andere Regionen ihre Projektehinausschieben oder gegebenenfalls auch ganz aufgeben müssen.Inwiefern diese Entwicklung dann auch kleinere Projekte treffen wird, kann man sicherlich nichtabschätzen, aber trotzdem werden die Mittel knapper. 5Man kann dies auch daran sehen, dass das kleine Land Schleswig-Holstein dem Bund und der DBdas Stationsprogramm vorfinanzieren muss. Das ist eigentlich der falsche Weg, schließlichmüssen wir ja sparen. Aber bevor wir hier gar keine Weiterentwicklung mehr hin bekommen, istdiese pragmatische Lösung natürlich eine gute Lösung. Allerdings erwarte ich dann auch, dassdie Bahnhöfe komplett neu gestaltet werden und man nicht an wichtigen Stellen spart. Sowerden zwar Teile des Bahnsteiges in Friedrichstadt der Wagenhöhe angepasst, damit derZustieg zu bestimmten Wagen des Zuges barrierefrei wird, aber dies gilt eben nicht für diegesamte Länge des Zuges. Sitzt also der behinderte oder ältere Mitbürger im falschen Wagen,muss er immer noch beim Ausstieg in Friedrichstadt mit großen Problemen rechnen. Für einenOrt, der vom Tourismus lebt und dessen Klientel vorwiegend ältere Gäste sind, ist das eigentlichnicht zu akzeptieren. Man akzeptiert dies nur, weil man sonst möglicherweise gar nichts erhält.Und wer einmal die „Pflege“ der Schienen und der Bahnsteige in Friedrichstadt gesehen hat,kann diese Befürchtungen verstehen.Wir sind schon der Auffassung, dass bei den Infrastrukturmaßnahmen für den SPNV im Grobendie richtigen Projekte vorangebracht werden sollen. Allerdings glauben wir, dass derSchienenflieger für den Raum nördlich von Hamburg der wirklich große Wurf wäre. Weiter sehenwir, dass sich an der Westküste ein Problem, nämlich die mangelnde durchgehendeZweigleisigkeit, verfestigt und dass wir beim Ausbau der Bahnhöfe noch viel mehr tun müssen.Diese Probleme müssen nach unserer Ansicht, mindestens den gleichen Stellenwert haben, wiedie Umsetzung anderer Projekte.