Diese Webseite verwendet ausschließlich für die Funktionen der Website zwingend erforderliche Cookies.
Lars Harms zu TOP 29 - Tätigkeitsbericht 2007 der Bürgerbeauftragten
PresseinformationKiel, den 19.06.2008 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 29 Tätigkeitsbericht 2007 der Bürgerbeauftragten für soziale Angelegenheiten Drs. 16/2022Vielen Dank an Frau Wille-Handels für Ihren hervorragenden Bericht, ihre gute Arbeit und ihrekonstruktiven Vorschläge. Der SSW wird entsprechende Punkte unterstützen, damit sich die vonder Bürgerbeauftragten genannten Probleme endgültig beilegen lassen.Ich möchte hier einige Themenfelder herausgreifen.Verfahren bei Gericht dauern zu lange. Was bei Nachbarschaftsstreitigkeiten ärgerlich ist, ist vordem Sozialgericht Existenz bedrohend: Wer keine Rücklagen hat, kann nicht Monate oder Jahreauf seine Rente oder seine Sozialhilfe warten. Hier muss das Land Schleswig-Holstein umgehendeine Gesetzesänderung anschieben, damit Bearbeitungszeiten bei Sozialleistungen deutlichverringert werden. Die Frist von einem halben Jahr ist nicht hinnehmbar! Hier muss 2nachgebessert werden. Die Agenturen für Arbeit machen es vor. Die Bürgerbeauftragte berichtet,dass es keine einzige Eingabe bezüglich der Bearbeitungsdauer gab. Das ist vorbildlich.Der SSW fordert immer wieder, die Familien mit Kindern finanziell zu entlasten oder zu fördern.Der so genannte Kinderzuschlag hat aber noch nie das gehalten, was uns auf Pressekonferenzenweisgemacht worden ist: zu wenig Geringverdiener steigen durch das komplexe Regelwerk, sodass sie überhaupt Leistungen erhalten. Sogar die Bürgerbeauftragte muss mit ihrem Team dieWaffen strecken, weil die Bescheide nicht nachvollziehbar sind. Familienförderung ist das nicht.Also weg mit dem Gesetz und der Umstellung der Förderung.Bezüglich immer noch bestehender Probleme auf dem deutsch-dänischen Arbeitsmarkt regt derSSW an, eine ständige Kommunikationsplattform einzurichten. So wie man sie in derÖresundsregion kennt. Das Infocenter Grenze und EURES leisten gute Arbeit und die beteiligtenOrganisationen haben inzwischen ein funktionierendes Netz errichtet. Immer noch fehlen indiesem Netz entscheidende Akteure, wie die Kammern, die Finanzverwaltung und dieKrankenkassen. Wir müssen umgehend entscheiden, wie diese Plattform aussehen soll, damitdie Pendler, deren Zahl erst jüngst die 10.000er Marke übersprungen hat, schnelle undunbürokratische Unterstützung erhalten.Leider zeigt auch dieser Bericht eine unrühmliche Tradition: jedes neue Gesetz führt zunächsteinmal zu Unsicherheit und damit auch zu Eingaben. Bei den Kompromissen innerhalb der 3Großen Koalition, ob nun in Kiel oder Berlin, die oftmals erst nach nächtelangem Geschacherzustande kommen, kommt der Gesetzesvollzug oftmals zu kurz. Die Folge ist, dass die Beamtennicht wissen, wie sie entscheiden sollen und die Bürger schauen in die Röhre. Dann muss dieBürgerbeauftragte eingreifen. Die so genannte Gesundheitsreform ist nur eines der Beispiele indem vorliegenden Bericht. Ich hoffe, dass wir das beim neuen Schulgesetz nicht auch erlebenwerden. Allerdings zeigt die Zahl der Petitionen aus dem Jahr 2007 bereits eine Tendenz auf. Eswird niemanden überraschen, wenn die Zahl 2008 weiter steigen wird.Immer noch ist die überstürzte Verabschiedung der Hartz-Gesetze Anlass für das Gros derEingaben. Der Bericht sagt es klipp und klar: Es besteht Rechtsunsicherheit. Das ist neben derunzumutbar niedrigen Höhe der Leistungen, der immer noch unzureichenden Beratung und demAusschnüffeln der privaten Lebensumstände ein weiteres Problem des Gesetzes. Wo frühereinmal unbürokratisch geholfen wurde, um Notsituationen zu vermeiden, hatte ich nach derLektüre des Berichtes den Eindruck, dass Leistungsverzögerungen ein Systemproblem sind. Dassdas auf den Rücken der Arbeitslosen geschieht, ist unerträglich.Es gibt ausgesprochene Dauerbrenner, die jedes Jahr wieder von der Bürgerbeauftragtenangesprochen werden. Dazu gehören die Servicestellen, die uns – im übertragenden Sinne desWortes – auch der Behindertenbeauftragte ans Herz gelegt hat. Sie bieten eineträgerunabhängige Beratung für Menschen mit Behinderungen an, werden aberzusammengestrichen. Das ist der falsche Weg. Die Kollegen von den GRÜNEN haben bereits 4einmal eine bessere Ausstattung der Servicestellen gefordert. Ich denke, es wird Zeit, diesenAntrag noch einmal hervorzuholen. Der Bericht der Bürgerbeauftragten zeigt nämlich, dass nurder Gesetzgeber an der derzeit desolaten Lage etwas ändern kann.Niemand ist so naiv zu glauben, dass das Amt der Bürgerbeauftragten in ferner Zukunft einmalüberflüssig sein könnte. So lange Menschen entscheiden, passieren Fehler. Es liegt aber uns,Probleme im System zu beheben. Thema unserer Arbeit sind weder inkompetente, schussligeoder faule Sachbearbeiter, sondern Rechtsunsicherheiten, lange Bearbeitungsfristen undlebensferne Anrechnungsregeln. Da müssen wir als Gesetzgeber tätig werden. Und zwarschleunigst.Die Umfrage unter den Petenten zeigt, dass mittlerweile fast jede zweite Eingabe nach einementsprechenden Hinweis aus der Verwaltung erging. Dort ist man sich also völlig im Klaren überbestehende Kompetenz- oder Zuständigkeitsprobleme. Der SSW versteht das als einen nichtmehr zu übersehenden Hinweis auf Ausführungsdefizite. Die Wege zwischen Bürger undVerwaltung werden immer länger und intransparenter. Es wird höchste Zeit, das zu ändern.