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Anke Spoorendonk zu TOP 25 - Entwicklung rechtsextremistisch motivierter Straftaten
PresseinformationKiel, den 19.06.2008 Es gilt das gesprochene WortAnke SpoorendonkTOP 25 Bericht zur Entwicklung rechtsextremistisch motivierter Straftaten in 2008 und zur Finanzierung von rechtsextremi- stischen Vereinen, Stiftungen und Organisationen Drs. 16/2096Nazis, Schläger und rechte Hassparolen sind leider eine nicht ausrottbare Erscheinung. Doch dieNPD findet keineswegs den großen Widerhall in der Bevölkerung, wie sie der Öffentlichkeitgegenüber weismachen möchte. Seit der Kommunalwahl ist die NPD im Herzogtum Lauenburgmit Kay Oelke und in Kiel durch Hermann Guttsche vertreten. Beide haben bereits kurz nach derWahl mit wüsten Beschimpfungen der so genannten Block- und Altparteien versucht, auf sichaufmerksam zu machen. Doch den Demokraten rate ich zur Gelassenheit. Wir sollten diesenSchreihälsen keinen Raum geben.Wenn immer noch einige Fernsehteams glauben, sie müssten über jede Nazifahne berichten,finde ich das sehr bedauerlich. Eine Ansammlung von sieben Nazis, wie jüngst vor dem KielerRathaus, kann wohl kaum als ernstzunehmende Demonstration durchgehen. Sie ist eineProvokation, mit der man unaufgeregt umgehen sollte. Die rechten Trupps inszenieren sichgerne als Volksmasse; ihnen gelingt aber nicht, in Schleswig-Holstein flächendeckend in 2Erscheinung zu treten, weil ihnen die Mitglieder und Unterstützer fehlen. Trotzdem gibt eskeinen Grund zur Entwarnung oder Verniedlichung.In vielen Kreisen gehen die rechtsextremistisch motivierten Delikte zurück, so im HerzogtumLauenburg, in Plön, Pinneberg und Rendsburg-Eckernförde. Andererseits verdoppelte sich dieZahl in Flensburg. Ich bin davon überzeugt, dass sich das uneinheitliche Lagebild, das derInnenminister uns zeigt, mit unterschiedlichen lokalen Strukturen zusammenhängen: es gibt imLand einige braune Zirkel, die trotz begrenzter Ressourcen kraftvoll in Erscheinung zu tretenwissen. In anderen Landstrichen gibt es lebendige Projekte, die jedem rechtsradikalenGedankengut den Boden entziehen.Der SSW möchte den Innenminister ausdrücklich dafür loben, dass er das Parlament nicht mitPatentrezepten abspeist, sondern offen zugibt, dass er die Gründe für das uneinheitlicheLagebild nicht kennt.Menschenverachtendes Gedankengut, die Verherrlichung des Krieges und die Leugnung desVölkermordes sind keine Bagatellvergehen. Die Polizei in unserem Land verfolgt diese Delikteund ist damit Teil einer starken demokratischen Bewegung. Null Toleranz gegenüberHakenkreuzen und SS-Runen ist die richtige Strategie. Volksverhetzung und das Verwendenverfassungswidriger Symbole machen denn auch das Gros der Delikte aus.Schlimmer als diese Symbole sind allerdings die Parolen, die drohen, in die Köpfe zu sickern. DieNPD versucht immer wieder, die demokratischen Organe zu diskreditieren und die Politiker alskorrupt zu diffamieren. Das Gerede vom Parlament als „Quasselbude“ war einer der Argumentender NSDAP, die ihr vor 75 Jahren die Wähler zutrieb. Darum warne ich alle demokratischenPolitiker eindringlich davor, in die gleiche Kerbe zu schlagen. Wahlverlierer, die gleich mit derDemokratie hadern, weil die Bürger gegen sie stimmten, geben nach meinem Dafürhalten einSignal das sich instrumentalisieren lässt. Aber auch Wahlkämpfer, die ihre Gegner pauschal alsfaul und käuflich verunglimpfen, nähren eine politikfeindliche Haltung, die in die Ablehnung derDemokratie münden kann. 3Die Geschichte führt uns die schlimmen Konsequenzen dieses Verhaltens vor Augen: dieWeimarer Republik ging nicht an Mangel von Demokratie zugrunde, sondern weil ihr dieDemokraten fehlten. In Verwaltung und Reichswehr galt die demokratische Verfassung alsschwach. Die Führungskräfte wollten eine Befehle- und Gehorsamskette statt offenerDiskussionen – und bereiteten damit den Boden für die NSDAP.Darum ist eine Demokratie, die immer wieder neu erlebt und erstritten wird, der beste Garantdafür, dass der Rechtsextremismus eine Randerscheinung bleibt. Lebendige Demokratie lebt vonBeteiligungsrechten. Dass die Bürgerinnen und Bürger das Gefühl haben, dass sie aufkommunaler Ebene kaum etwas bewegen können, belegt die niedrige Wahlbeteiligung.Demokratie ist mit anderen Worten keine Sache von Showveranstaltungen oder Feiertagen,sondern die Gestaltung der Gesellschaft durch alle. Je attraktiver die Beteiligungsmöglichkeiten,desto weniger Chancen haben rechtsextreme Gruppierungen.