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16.07.08 , 17:19 Uhr
B 90/Grüne

Karl-Martin Hentschel zur Landesarbeitsgemeinschaft "Sport und Justizvollzug"

PRESSEDIENST Fraktion im Landtag Schleswig-Holstein Pressesprecherin Es gilt das gesprochene Wort! Claudia Jacob Landeshaus TOP 10 – Landesarbeitsgemeinschaft „Sport und Düsternbrooker Weg 70 24105 Kiel Justizvollzug“ Telefon: 0431 / 988-1503 Fax: 0431 / 988-1501 Dazu sagt der Fraktionsvorsitzende Mobil: 0172 / 541 83 53 von Bündnis 90/Die Grünen, E-Mail: presse@gruene.ltsh.de Karl-Martin Hentschel: Internet: www.sh.gruene-fraktion.de


Nr. 274.08 / 16.7.2008

Sport zur Resozialisierung im Strafvollzug verstärken
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren,
das Wegschließen von Gefangenen dient nicht der Sicherheit – wenn es nicht gelingt, sie im Gefängnis zu resozialisieren. Ein wesentliches Mittel zur Resozialisierung ist seit je her der Sport.
Die Wirkung von Sport in Haftanstalten ist unbestritten. Mit Sport können die negativen Auswirkungen für die Gefangenen wie Bewegungsarmut, wenige soziale Kontakte und hohes Stresspotenzial zwar nicht aufgehoben, aber zumindest eingeschränkt werden.
Der Alltag hinter Gittern ist geprägt von Langeweile, Antriebslosigkeit und Frust. 9,5 Quadratmeter sind nicht gerade viel. Wer auf diesem engen Raum leben muss, der ver- spürt schnell einen kräftigen Bewegungsdrang. Deshalb trägt Sport auch zu einer „sozia- len Sicherheit“ im Gefängnis bei, er kompensiert nachweislich Gewalt und Aggression im Vollzug.
Doch das allein reicht nicht. Wenn immer wieder gefordert wird, dass Strafen härter und länger und Anstaltsmauern höher werden sollen, isoliert das den Vollzug gesellschaftlich immer mehr, dann ist das nur die eine Seite.
Denn wenn die Gefangenen anschließend rückfällig werden, dann nützen noch so hohe Mauern nichts mehr.
1/2 Wer Resozialisierung will, der muss die Frage nach den Zielsetzungen, Inhalten und Me- thoden des Vollzugs und deren Wirkungen auf Gefangene stellen. Auch die Fragen nach Effektivität und Wirtschaftlichkeit des Vollzuges muss in Relation zu seinen Ergebnissen gestellt werden. Denn wenn Gefangene immer wieder kehren, dann ist das nicht effektiv, aber teuer. Ganz zu Schweigen davon, dass das auch nicht der Sicherheit dient.
Unter diesem Aspekt spielt der Sport bei der Vollzugsgestaltung der Lern- und Bildungs- angebote eine wesentliche Rolle.
Sport hat wie kein anderes Medium Zugangschancen und ist deshalb wichtiges Element in zielgruppenorientierten Konzepten des sozialen Trainings oder als therapeutische Maßnahme – insbesondere bei der Gewaltprävention und Integration.
Leider hapert es oft an qualifiziertem Personal - aber oft auch an den Grundeinstellungen von Verantwortlichen, die Sport nach wie vor lediglich als positive Freizeitaktivität ein- schätzen.
Meine Damen und Herren, mit unserem Antrag greifen wir deshalb ein erfolgreiches Mo- dell aus Hessen auf. Die dort ins Leben gerufene Landesarbeitsgemeinschaft „Sport und Justizvollzug“ setzte sich das Ziel, den Gefangenensport zu entwickeln und zu qualifizie- ren, um die Resozialisierung zu unterstützen.
Hintergrund war der Gedanke, dass Sport dabei ein zentrales Wertevermittlungssystem darstellen kann, das auch diejenigen erreicht, die aus anderen Bildungszusammenhän- gen heraus gefallen sind oder die ihnen ablehnend gegenüber stehen.
In diesem Sinne ist Sport nicht nur unter einem „Fitnessaspekt“ oder als eine „Ventilfunk- tion“ der Gefangenen zu sehen, sondern vor allem unter einem sozialen Aspekt und un- ter dem Gesichtspunkt der Erziehung und Bildung.
Sport ermöglicht die Entwicklung und Stabilisierung von Arbeits- und Lernvoraussetzun- gen. Dies betrifft sowohl physische wie psychisch-emotionale Bereiche. Die Leitfrage da- zu lautet: Was muss getan werden, um zu einer Persönlichkeitsentwicklung des Gefan- genen beizutragen, damit er nach der Entlassung sozial integriert ist?
Hier kann eine LAG, wie wir sie fordern, Hilfestellung leisten. Gleich dem Vorbild aus Hessen kann sie helfen, den Sport in den Strafanstalten auch in Schleswig-Holstein zu entwickeln und zu qualifizieren. Sie würde damit einen wichtigen Beitrag für einen mo- dernen Strafvollzug leisten.
Ich bitte deshalb die Fraktionen und das Justizministerium um Unterstützung für unseren Antrag.
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