Diese Webseite verwendet ausschließlich für die Funktionen der Website zwingend erforderliche Cookies.
Lars Harms zu TOP 23 - Milchmengensaldierung stoppen
PresseinformationKiel, den 18.07.2008Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 2 3 16/2165 Milchmengensaldierung stoppen Drs. 16/2165Bereits in der letzten Sitzung des Landtages haben wir die Situation der Milchbauern debattiert.Nun liegt uns ein Antrag der Grünen vor, der dort „rumdoktert“, wo das Übel der Milchwirtschaftbeginnt. Dies ist nicht als Kritik am grünen Antrag zu verstehen, es macht aber deutlich, dassunser Gestaltungsspielraum durch EU-Vorgaben sehr begrenzt ist. Dies liegt daran, dass dasgrundlegende Problem der europäischen Milchwirtschaft darin liegt, dass der Milchmarkt nichtden Kräften der Marktwirtschaft ausgesetzt ist. Dies ist das generelle Übel der europäischenLandwirtschaftspolitik.Der Milchmarkt hat bei uns keine Chance sich selbst zu regulieren. Die Diktatur durchSubventionen, Erstattungen, Interventions- und Beihilfemaßnahmen und ein Quotensystemschnüren das Korsett, in dem die Landwirtschaft und die Milchbauern sich befinden.Dadurch haben wir eine Förderpolitik, die sich nicht am Markt orientiert, sondern dafür sorgt,dass die Preise künstlich in den Keller oder in den Himmel getrieben werden. Das hat nichts mitMarktwirtschaft zu tun. Auf der anderen Seite sollen unsere Bauern aber für den Marktproduzieren. Das führt dazu, dass hier zwei grundlegend verschiedene Wirtschaftssystemeaufeinander prallen. Das kann nicht funktionieren. 2Derzeit erleben wir, dass wir eine Überproduktion von Milch haben, die die Preise in den Kellergetrieben hat. Dann kann man dem nur zustimmen, dass die von der Europäischen Unionbeschlossene Quotenerhöhung von 2% marktunwirksam der nationalen Landesreserve zugeführtwird und nicht zur Saldierung herangeführt wird. Mit der Aussetzung der Saldierung und imGegenzug die volle Superabgabe ab dem ersten Kilogramm Überlieferung zu verlangen, ist einSchritt, im bestehenden Quotensystem, einen Weg zu finden, um den Milchpreis wieder zuerhöhen. Diese Forderungen des Grünen Antrage sind deckungsgleich mit demForderungskatalog des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter. Damit haben wir zwarimmer noch keinen Markt, aber wir können den Milchbauern damit vorübergehend Luftverschaffen. Und das ist genau das was ich meine mit „Rumdoktern“ am System. Wenn aufeuropäischer Ebene der Umrechnungsfaktor 1,03 kg pro Liter Milch angewendet wird, dannsollten wir dies auch für uns so übernehmen, um eben eine EU-weite einheitliche Regelung zuhaben. Nur so schaffen wir Waffengleichheit.Insoweit können wir dem Antrag der Grünen durchaus folgen. Was die letzten zweiSpiegelstriche des Antrages angeht, steckt der Teufel im Detail. Natürlich ist einebedarfsorientierte und flexibel am Markt ausgerichtete Milcherzeugung das Ziel, das auch wirverfolgen. Ich bezweifle aber, dass wir das hinbekommen, wenn wir weiterhin dieMilchmengenregelung hierfür zugrunde legen. Gute Umwelt- und Qualitätsstandards zugewährleisten, ist in Aller Interesse. Daher müssen wir dies über entsprechendeAgrarumweltmaßnahmen finanzieren. Damit erreichen wir, dass auch die Landwirte existierenkönnen, die eben nicht auf großen ebenen Flächen produzieren.Subventionen und Erstattungen sind das süße Gift, das über einen langen Zeitraum gewirkt hat.Dies von heute auf morgen umzustellen, wird nicht möglich sein. Daher müssen Wege gefundenwerden, wie das Subventions- und Quotensystem umgekrempelt und wie die Landwirtschaftlangsam von diesem Gift befreit werden kann. Anders wird die gesamte europäischeAgrarwirtschaft nicht auf die Beine kommen.