Diese Webseite verwendet ausschließlich für die Funktionen der Website zwingend erforderliche Cookies.
Lars Harms zu TOP 33 - Ausbildungssituation in Schleswig-Holstein
PresseinformationKiel, den 11.09.2008Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 33 Schleswig- Ausbildungssituation in Schleswig-Holstein 16/2 Drs. 16/2 189In Deutschland kommt, so wie in anderen europäischen Ländern auch, eine Ausbildung einerGrundlage für die Zukunft gleich. Ohne Ausbildung steigt das Risiko der Arbeitslosigkeit auf 18%,mit liegt sie dabei bei 4%. Nicht ohne Grund gibt es so viele Anstrengungen, jungen Menscheneine Ausbildung zu ermöglichen.Mittlerweile allerdings erscheint die Schwelle, einen Ausbildungsplatz zu bekommen undtatsächlich mit einer Ausbildung beginnen zu können, ziemlich niedrig. In einigen Bereichen gibtes sogar Ausbildungsplätze, die nicht besetzt werden können. Schauen wir uns den BereichBankfachleute an. Ein Ausbildungsberuf, der gut bezahlt ist, Aufstiegschancen verspricht undzudem keine körperliche Anstrengung erfordert. Hier stehen laut Tabelle Nr. 2 im Bericht 194Bewerber 585 Stellen gegenüber. Das kann doch etwas nicht stimmen. Sind die Anforderungenzu hoch oder die Bewerberprofile unzureichend; liegt eine regionale Fehlallokation von Stellen 2und Bewerbern vor oder finden sich nicht genügend Männer bzw. genügend Frauen? Und dassind nur die Fragen, die sich angesichts einer Tabellenzeile stellen! Ich könnte problemlos nochmehr Fragen anführen. Der Bericht wirft bedauerlicherweise mehr Fragen auf, als das ertatsächlich beantwortet. Er legt weder regionale, qualifikationsgewertete nochgeschlechtsbezogene Zahlen vor, so dass wir als Landtagspolitiker weiterhin im Dunkel tappen,warum es trotz Lehrstellenproblem offene Stellen gibt. Aus diesem Bericht können keinepolitischen Maßnahmen entwickelt werden. Dazu bedarf es einer vertieften und qualifiziertenBetrachtung. Diese fehlt.Ausschlaggebend ist letztlich, wie viel Schleswig-Holsteiner und Schleswig-Holsteinerinnenerfolgreich ihre Ausbildung absolvieren. Wir lügen uns doch in die Tasche, wenn wir denken, dassmit der Unterschrift unter dem Ausbildungsvertrag bereits die berufliche Zukunft gesichert ist.Fast jeder vierte Ausbildungsvertrag wird vor Ende der Ausbildung aufgelöst! Schauen wir alsoauf die Wirklichkeit hinter den Statistiken!Allein das Konstrukt des „gemeldeten Bewerbers“ zeigt die ganze Problematik desAusbildungsstellenberichtes. Gemeldete Bewerber sind mitnichten alle Bewerber, die sich aufeine offene Stelle bewerben, sondern diejenigen, die sich vorher bei einer Arbeitsagentur desLandes angemeldet haben. Alle anderen werden statistisch nicht erfasst.Somit ergibt sich eine Statistik, die eigentlich zu gar nichts taugt. Ich will mich nicht damitabfinden, dass wir sehr viele, gute Ausbildungsplätze haben, die nicht an den geeignetenBewerber vermittelt werden können; das kann ich weder als sozial engagierter Mensch noch alsarbeitsmarktpolitischer Sprecher des SSW.Gerne möchte ich Maßnahmen empfehlen, um diesem Missstand beizukommen. Doch dieserBericht versetzt mich nicht in die Lage dazu.Ich hätte mir qualifizierte Zahlen über die so genannten Altbewerber gewünscht, alsoSchulabgänger aus den vergangenen Jahren. Wie sieht es mit den Schulabschlüssen aus?Drängen mehr oder weniger Abiturienten auf den Ausbildungsmarkt? Bewerben sich inzwischennoch Hauptschüler, obwohl sie wissen, dass sie keine Chance haben, überhaupt zu einemBewerbungsgespräch eingeladen zu werden? Der Bericht sagt nichts dazu. 3Mädchen sind gut qualifiziert, haben durchschnittlich die besseren Schulnoten. Warumentschließen sich trotzdem so viele von ihnen für Berufe, die keine oder nur geringeAufstiegschancen bieten?Zusammenfassend ist deutlich geworden, dass der Bericht genau die Defizite widerspiegelt, diewir auch auf dem Ausbildungsmarkt finden. Es gibt für den Ausbidungsstellenmarkt keineaktuellen, regionalen Zahlen, solange das Nebeneinander von Kammern und Arbeitsagenturenweiterhin Bestand hat. Sichere, verwertbare Zahlen gibt es erst im Nachhinein, nämlich dann,wenn man die Ausbildungsverträge zählen kann. Dann ist der Zug allerdings weitgehendabgefahren.Kammern und Arbeitsagenturen stehen in einem routinierten Kontakt, dennoch fehlt einezentrale Erfassungsstelle für Ausbildungsplätze in Schleswig-Holstein mit aktuellemDatenmaterial. Weder Ausbildungsbetriebe noch Schulabgänger, geschweige denn die Beraterhaben einen Überblick über die Situation. Das finde ich sehr bedauerlich.Wir bekommen mehr oder weniger seit Jahren einen Ausbildungsbewerber-Bericht. Ich halte dasnicht für ausreichend. Die Zahlen sind, wie gesagt, unbrauchbar und die Schlussfolgerungen desWirtschaftsministers erscheinen willkürlich. In dem Bericht heißt es beispielsweise, ich zitiere,„Die Anforderungen in die Ausbildung steigen, die Ausbildungsfähigkeit der Jugendlichendagegen sinkt seit einigen Jahren.“ Ich möchte angesichts dieses dramatischen Befundes schongerne wissen, was die Bildungsministerin dazu sagt, schließlich trägt sie die politischeVerantwortung für die schulische Qualifikation die hier vom Wirtschaftsminister kritisiert wird.Mit der Verzahnung schulischer und betriebliche Wirklichkeit scheint es nicht so weit her zu sein,legt der Bericht nahe. Daran muss sich schleunigst etwas ändern.Aber es ist eben nur ein Ausbildungsstellenmarkt-Bericht. Die Erkenntnisse bleiben weit hinterdem zurück, was die Landesregierung im letzten Jahr in ihrer Antwort auf die Große Anfrage derKollegen von der FDP analysiert und beschrieben hat. Dort wurden die dramatischen Abbrecher-und Durchfallquoten diskutiert und Handlungsbedarfe vorgestellt. Ganz offensichtlich müssenwir uns in unserer parlamentarischen Arbeit die Informationen durch detaillierte Fragen selber 4besorgen. Die Daten, die die Landesregierung von sich aus vorlegt, sind auf keinen Fallausreichend, um sich ein Bild zu machen.