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TOP 10 Jugend in Schleswig-Holstein
PresseinformationKiel, den 8. Oktober 2008 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 10 Schleswig- Jugend in Schleswig-Holstein Drs. 16/2008n und 16/2228Der Maler Salvator Dali hat einmal gesagt: „Das größte Übel der heutigen Jugend besteht darin,dass man nicht mehr dazugehört.“ Eben. Darum müssen wir fragen, was die jungen Menschenheute bewegt.Die CDU hat mit ihrer Anfrage einen weiten Bogen gespannt. Einmal mehr wird deutlich, wieheterogen die Lebensverhältnisse der jungen Menschen in Schleswig-Holstein sind, obwohlgleichzeitig durchaus ähnliche Interessen erkennbar sind. Die Politik ist also herausgefordert,flexible Maßnahmen zu entwickeln. Wir müssen uns selbst die Schere im Kopf bewusst machen,denn es gibt nicht den repräsentativen Durchschnittsjugendlichen. Ich warne darumausdrücklich vor Verallgemeinerungen, die nur eine falsche Sicherheit vorgaukeln. Ich zitiere ausdem Bericht, Seite 7: „Kinder und Jugendliche in Schleswig-Holstein verfügen über gute Chancenfür ihre private und berufliche Zukunft“. Dieses Pauschalurteil wird auf den folgenden Seitenwiderlegt, und zwar gleich mehrmals. Die Chancen sind ungleich verteilt. Daran hat auch dasSchulsystem seinen Anteil. Die Einführung der Gemeinschaftsschulen wird daran einiges ändern.Richtig ärgerlich finde ich, dass die Offenen Ganztagsschulen an mehreren Stellen des Berichts 2als das Allheilmittel schlechthin angeboten werden. Sie helfen bei der Kooperation derJugendträger, gewährleisten die Vernetzung mit dem Jugendzentrum, wenn sie es nicht ganzersetzen und üben Demokratie und integrieren Migranten. Die offene Ganztagsschule kann nichtjedes Problem lösen; erst recht, wenn sie derart, wie eben ausgeführt, mit Aufgaben überfrachtetwird. Nur professionelle Kräfte im Nachmittagsprogramm gewährleisten die professionelleUmsetzung der Aufgabe.Sicherlich besteht Einigkeit, dass die erworbene Qualifikation über die Lebenschancenentscheidet. Im letzten Schuljahr verzeichnen wir 1.180 Schleswig-Holsteiner ohneSchulabschluss. Das war statistisch fast jeder zehnte Absolvent, womit sich Schleswig-Holsteinim bundesweiten Vergleich im oberen Drittel bewegt. Diese alarmierenden Zahlen weisen aufein großes Problem hin. Die zahlreichen Angebote, den Abschluss im Rahmen einerQualifikationsmaßnahme nachzuholen, sind beeindruckend; doch am allerbesten wäre esnatürlich, wenn alle Jugendlichen bereits im ersten Anlauf einen Abschluss machen würden. Undhier werden durch das Schulsystem entscheidende Weichen gestellt. Gemeinschaftsschulen,aber auch Regionalschulen, werden glücklicherweise durchlässiger werden als ihre Vorgänger.Credo des SSW ist die Schaffung gerechter Chancen für alle, indem die Strukturen flexibel sindund sich nach den Wünschen der Jugendlichen ausrichten können.Viele Jugendliche sind bereit, ein Ehrenamt zu übernehmen. Leider fehlen Hinweise auf dasDeutsche Rote Kreuz und die Jugendfeuerwehren, die gerade auf dem Land die Säulen desjugendlichen Ehrenamtes sind. Andererseits hört man gerade von diesen Verbänden Klagen, dasses nicht gelingt, die Jugendlichen dauerhaft als Übungsleiter oder Mitglied zu binden. Durchwachsende berufliche und schulische Beanspruchung melden sich vor allem die Jugendlichen abdem 16. Lebensjahr ab. Dieses Phänomen ist flächendeckend. Darum erscheint es besonderssinnvoll, wenn die Sozialministerin den Vereinen bewährte Konzepte an die Hand geben könnte.Die Feuerwehren haben gute Erfahrungen damit gemacht, die Jugendlichen nach einer gewissenZeit persönlich anzusprechen.Abschließend zum Freizeitverhalten: „Shoppen“ mag für Kinder reicher Eltern eine häufige 3Freizeitbeschäftigung sein, doch die Jugendlichen geben sie gar nicht in der zitierten Studie„Jugendverbandsarbeit“ an.Das Freiwillige Ökologische Jahr ist nach dem Bericht der Renner. Für das aktuelle FÖJ, also2008/2009 bewarben sich fast 700 Jugendliche. Es stehen dem 150 Plätze gegenüber. Es istunumgänglich, die Träger bei der Schaffung neuer Plätze zu unterstützen. Da sich vieleJugendliche aus anderen Bundesländern in Schleswig-Holstein bewerben, erscheint einbundesweites Konzept überfällig.Ein Wort zur Wohnsituation junger Erwachsener. In den letzten Jahren hat sich derWohnungsmarkt deutlich entspannt. Eigentlich die besten Voraussetzungen, dass auch jungeMenschen sich eine eigene Wohnung suchen. Vergessen wir an dieser Stelle allerdings nicht,dass die Vorgaben der Sozialzentren sehr strikt sind. In einem Hartz IV-Haushalt müssen diejungen Erwachsenen bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres verbleiben, ansonsten erhalten siekeine Unterstützung. Wir haben über die bevormundende Praxis bereits gesprochen, die im Landtausende Jugendliche betrifft: Immerhin erhält jeder 7. junge Schleswig-Holsteiner Hartz IV. Ichdenke, dass wir nicht einfach zur Tagesordnung übergehen sollten.Die jungen Schleswig-Holsteiner sind mobil; sie nehmen für eine Ausbildung lange Wege in Kauf.Die strukturschwachen westlichen Landkreise Dithmarschen und Nordfriesland sind dabeimeistens der Ausgangspunkt. Bei weitem nicht alle kehren nach Abschluss der Ausbildung in ihreHeimat zurück. Wir beobachten also eine andauernde Abwanderung qualifizierter Menschen.Zumindest in den grenznahen Bereichen sollten wir Kooperationsmodelle entwickeln. Imsüdlichen Dänemark beobachtet man nämlich die gleiche Wanderungsbewegung, auch wenndort die Arbeitslosigkeit junger Erwachsenen geringer ist als bei uns. Aus zwei schwachenAkteuren einen starken zu machen, liegt in unser aller Interesse.Wie bei allen Bevölkerungsgruppen gilt auch bei den Jugendlichen, dass sie sich selbst am bestenvertreten können. Doch gerade in Sachen politische Partizipation melden sich die jungen Leutescharenweise ab. Als Abgeordneter werde ich mich nicht mit der überaus geringen 4Wahlbeteiligung der unter 30Jährigen abfinden. Bei den jungen Frauen zwischen 21 und 24 Jahrewählt nicht einmal die Hälfte. Über 60% von ihnen dreht der repräsentativen Demokratie denRücken. Es ist unsere vordringliche Aufgabe, daran etwas zu ändern.Sicherlich spielt die gefühlte Ohnmacht der jungen Menschen eine Rolle. Wer das Empfinden hat,dass die eigene Stimme keinen Widerhall findet, wird erst gar nicht zur Wahl gehen. An dieserStelle möchte ich noch einmal für eine Revitalisierung der kommunalen Ebene werben. Nurwenn Städte und Kreise über ausreichende Finanzmittel verfügen, über deren Verwendung sieselbst entscheiden können, wird die Wahlbeteiligung steigen; übrigens nicht nur bei den jungenWählerinnen und Wählern. Wenn sie merken, dass sie die Einrichtung eines Jugendzentrums„herbeiwählen“ können, wird ihre Motivation, zur Wahl zu gehen, steigen.Wir benötigen also eine wirksame Kommunalreform. Wenn wir erst Kommunen haben, die starkgenug sind, viele Lebensbereiche selbständig zu gestalten, bin ich mir sicher, wird auch dieWahlbeteiligung zunehmen.Abschließend möchte ich angesichts der beunruhigenden Einmietung des „Thor Steinar“-Geschäfts in der HSH-Nordbank-Passage in Hamburg meine Erleichterung Ausdruck geben, dassrechtextremistische Tendenzen in unserem Land wirkliche Randphänomene sind. Die Zahl derAktivisten stabilisiert sich. Das ist sicherlich der soliden Prävention in Schulen und durch dieKommunen geschuldet. Ich hoffe sehr, dass das so bleiben wird.