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09.10.08 , 16:46 Uhr
SSW

Lars Harms zu TOP 30 - Internationaler Jugendaustausch

Presseinformation
Kiel, den 9. Oktober 2008 Es gilt das gesprochene Wort



Lars Harms
TOP 30 Internationale(r) Jugendaustausch/ Jugendbegegnung Drs. 16/2139 und 16/2236

Die Zimmerleute wissen es schon lange: Wer sich einmal auf der Walz, in der Fremde, bewährt
hat, legt damit einen soliden Grundstein für seine berufliche Zukunft Zuhause. Andere Techniken
und die Neugier auf fremde Menschen sind die Gründe, die Gesellen auf Wanderschaft treiben.
Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein konnte man in einigen Berufen ohne die entsprechenden
Wanderjahre gar keinen Meister machen.
Heutzutage ist es genau anders herum. Oftmals müssen Beschäftigte kleiner und mittlerer
Betriebe kündigen, um überhaupt eine gewisse Zeit im Ausland Erfahrungen sammeln zu
können. Weiterbildung gilt vielerorts immer noch als betriebswirtschaftliche Belastung. Das
müssen wir dringend ändern, denn Auslandserfahrungen sichern nicht nur junge Menschen vor
Arbeitslosigkeit, sondern sind auch ein echter Gewinn für den Betrieb.
Ich möchte das kurz an einem Beispiel erläutern, und zwar dem Besuch angehender Landwirte
aus Westfriesland im Frühling in Nordfriesland. Sie kommen aus Großbetrieben, die sich
weitgehend auf Ackerbau spezialisiert haben. Bei hiesigen Betrieben gewannen sie einen Einblick 2
in die Tierzucht, die Veredelung im eigenen Betrieb und die Vermarktung. Was sie aber vor allem
mitbekommen haben, waren viele Tipps, die man in keinem Handbuch geschrieben bekommt.
Einige überlegen, sich auf neue, für sie vorher unbekannte Techniken einzulassen.
Die Leistungen des kulturellen Jugendaustausches der Chöre und Jugendorcheser will ich nicht in
Abrede stellen, doch die beruflichen Austauschmöglichkeiten zahlen sich für junge Schleswig-
Holsteiner irgendwann einmal in barer Münze aus.
So paradox es klingt: Wer weggeht, kann in seiner Heimat wieder Fuß fassen. Man muss nicht
das Rad neu erfinden, sondern kann sich bei der Erschließung neuer Märkte auf Erfahrungen
anderer Länder stützen. Das sichert den rohstoffarmen Standort Schleswig-Holstein am besten.
Der Landesregierung sind diese Zusammenhänge bekannt; sie unterstützt mehrere
transnationale Austauschprogramme für Auszubildende. Nahe liegend sind da natürlich vor
allem Projekte auf dem deutsch-dänischen Arbeitsmarkt, von denen der Bericht vier näher
ausführt. Leider vermisse ich konkrete Zahlen, also Angaben darüber, wie viele Azubis tatsächlich
die Chance für einen kurzfristigen Arbeitsaufenthalt im Nachbarland nutzen. Sind es mehr oder
weniger als die angegebenen 20 Auszubildenden, die im Zuge des Projekts „Grenzenlose
Berufsausbildung“ nach Frankreich, Österreich oder Dänemark gingen?
Die kleine Fallzahl zeigt überdeutlich, dass die berufliche Bildung im Rahmen des
Jugendaustausches ein Stiefkind ist; sie kann weder inhaltlich noch von der Breitenwirkung her
mit den traditionellen Programmen des Jugendaustausches mithalten. Das Programm
„Leonardo“ führt in Deutschland im Vergleich zu „Comenius“ und „Erasmus“ ein Schattendasein.
Das unflexible deutsche System der dualen Ausbildung verhindert einen Erfahrungsaustausch
während der Ausbildungsphase. Man kann es einem ausbildendem Betrieb kaum verdenken,
dass er neben den Berufsschulzeiten nicht noch vier oder fünf Monate auf seinen Azubi
verzichten möchte. Lediglich die Großkonzerne schicken ihre Auszubildenden regelmäßig ins
Ausland, weil diese dort ebenfalls Fillialen haben und so kein Geld zusetzen müssen – die
Mitarbeiten bleiben ja trotzdem, auch bei einem Auslandsaufenthalt, immer noch im Konzern,
dem dann die Arbeitsleistung, wenn auch an einem anderen Srtandort, zugute kommt.
Besonders ideal ist das beispielsweise für die Firma Danfoss, denn von Nordborg in Dänemark 3
nach Flensburg ist es nur ein Katzensprung. Die jungen Danfoss-Azubis nutzen diese besondere
Chance gerne und der Konzern erweitert sein Kompetenzniveau. Betriebliche und individuelle
Interessen gehen hier Hand in Hand.
Junge Menschen, deren Horizont nicht hinter der nächsten Kreisstadt endet, sind für jeden
Betrieb eine Bereicherung. Die Landesregierung muss in die Bresche: Wir brauchen schleunigst
Konzepte, die auch kleinen und mittleren Betrieben den Jugendaustausch schmackhaft macht.
Sie müssen für die Zeit des Austausches finanziell entlastet werden. Es muss darauf ankommen,
möglichst allen Jugendlichen im Lande internationale Erfahrungen zu ermöglichen.
Maßgeschneiderte Gymnasial- und Studienaustauschprogramme sprechen nämlich nur eine
Minderheit der jungen Menschen an.
Der SSW fordert darum verstärkte Anstrengungen beim berufsbezogenen Jugendaustausch,

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