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Lars Harms zu TOP 19 - Einheitliche Küstenwache
PresseinformationKiel, den 12.11.2008 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 19 Bericht Einheitliche Küstenwache – Konsequenzen aus dem 16/2288 Pallas-Unglück Drs. 16/22 88 Pallas-Es ehrt ja den Minister, wenn er fordert, dass wir eine einheitliche Küstenwache brauchen. Undwir sind uns, wie in der Vergangenheit, darüber einig, dass auch der heutige Zustand nur einZwischenschritt sein kann. Aber, dass wir selbst für den Zwischenschritt mit NamenHavariekommando, 5 Jahre gebraucht haben und wir dann nach weiteren 5 Jahren keinen Schrittweiter sind, ist eigentlich ein Armutszeugnis der Politik in Norddeutschland.10 Jahre nach dem Pallas-Unglück wissen wir, dass zwar theoretische Konsequenzen gezogenworden und auch durchaus respektable erste Schritte zur Verbesserung der Struktureneingeleitet worden sind. Aber der ganz große Wurf ist immer noch nicht gelungen. Ich möchtedaran erinnern, dass wir 1999 und Anfang 2000 hier beschlossen haben, eine einheitlicheKüstenwache einzurichten und wir wollten Hindernisse, die uns die Bundesverfassung setzt,nach Möglichkeit aus dem Weg räumen. Die Landesregierung sollte die notwendigenUmsetzungsschritte hierfür einleiten. Geschehen ist dies aber leider nicht. Dabei spielt es ersteinmal keine Rolle welches von den Bundesländern hier der größte Bremser war. Was wir 2feststellen können ist, dass wir immer noch nicht das haben, was eigentlich von Nöten ist: eineeinheitliche, deutsche Küstenwache.Was haben wir stattdessen? Wir haben ein Havariekommando mit durchaus motiviertenhandelnden Personen, das einschreiten kann, wenn eine Notsituation entsteht. Wir haben aberauch 4 Bundesbehörden und 3 Landesbehörden, die dieses Havariekommando gemeinsambilden. Jede dieser Behörden hat seine eigene Struktur und seine eigenen Abläufe. AlleBeteiligten haben ihre eigenen Leitstellen, die dann im gemeinsamen Lagezentrumzusammenarbeiten sollen. Da mag man ja sagen, dass alles nur eine Frage derSelbstorganisation ist, aber wir wissen genau, dass bei solchen Strukturen, die Chancen höhersind, dass Fehler passieren, als bei einer einheitlichen Organisation. Wenn wir dann noch darandenken, dass die Leitung des Lagezentrums regelmäßig zwischen den Partnern wechselt, dann istdas eigentlich keine Organisation, die den dort Tätigen hilft, sondern die diese eher behindert.Das sieht auch die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste so. Auf Dauer sei so einederartige Institution nicht zu führen, heißt es von Seiten der SDN. Ganz bewusst weist die SDNauf die Vorgänge rund um die Versenkung von Steinen in der Nordsee durch Greenpeace hin.Diese Vorgänge sind zwar nur mittelbar vergleichbar, aber sie zeigen, dass es sehr schnell dazukommen kann, dass Verantwortungen zwischen Behörden hin und her geschoben werdenkönnen. Und genau das kann dann natürlich auch in einer eher festgefügten Zusammenarbeit,wie im Havariekommando, geschehen.Neben politischen Vertretern an der gesamten deutschen Nordseeküste hat auch dernordfriesische Kreistag genau auf diesen Umstand hingewiesen. Auch dort sieht man dieEinrichtung des Havariekommandos zwar als ersten Schritt an, aber dieser Schritt ist eben beiweitem noch nicht ausreichend. Angesichts der stetig ansteigenden Frachtaufkommen imSeeverkehr, wird die Gefahr von Schiffsunglücken statistisch eher steigen als fallen. Wir müssenalso für die Zukunft gewappnet sein und dürfen nicht locker lassen. Der WWF hat hier ganzkonkrete Vorstellungen, wie wir für mehr Sicherheit im Seeverkehr sorgen können. Er wirft dem 3Havariekommando nämlich vor, dass es kein ständig aktuelles Lagebild aller Schiffe habe. Manstelle sich dies einmal im Flugverkehr vor! Ein Unfall auf See hat aber nun einmalweitreichendere Auswirkungen als an Land. Dort kann man den Schaden örtlich begrenzen – aufSee kann man dies oft genug nicht. Deshalb fordert der WWF die Nutzung desSchiffsidentifizierungssystems AIS. Für uns zeigt die Forderung deutlich, dass es hier noch anvielem fehlt.Die Erfahrungen der Vertreter an der Nordseeküste sind die, dass es nur schleppend voran geht.Die Schlepperkapazitäten sind zwar ausgeschrieben worden, aber 10 Jahre nach Pallas ist immernoch keine Ende der Geschichte erreicht. Und weil man dies weiß und weiß, dass auch im Nordender Deutschen Bucht Schlepperkapazitäten fehlen, fordert die Insel- und Halligkonferenz einenweiteren Hochseeschlepper im nördlichen Bereich der Nordsee. Auch dies ist für mich einZeichen, dass es immer noch nicht zum Besten steht und die Landesregierung hier aktiv werdenmuss.Insgesamt sind innerhalb der vorhin genannten 7 Bundes- und Landesbehörden, die dasHavariekommando bilden, rund 30 Ämter beteiligt. Und jedes dieser Ämter hat eine eigeneHoheit in Bezug auf EDV-Infrastruktur, Kommunikationsmittel oder auch Fahrzeuge. Dann sindda auch noch die vielen Standorte, auf die sich die Ämter und Behörden verteilen und dann willman noch sagen, dass dies alles nicht zur Unübersichtlichkeit beiträgt? Natürlich arbeiten dieMitarbeiter in den Ämtern und Behörden gut, aber sie bekommen durch die Politik nicht dieStrukturen zur Verfügung gestellt, die sie verdient haben. Und daran hat auch dieLandesregierung in den vergangenen 10 Jahren ihren Anteil gehabt.Es reicht also nicht, von Seiten der Landesregierung nur zu sagen, dass man eine einheitlicheKüstenwache braucht; wir benötigen auch konkrete Schritte hin zu einer solchen Küstenwacheund dabei reicht es nicht aus, zu sagen, dass ein Partner – nämlich Niedersachsen - nicht 4mitmachen will. Dann muss der Druck auf diesem Partner eben erhöht werden. Schließlichkönnen wir uns eine zweite Pallas-Katastrophe nicht leisten.