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Lars Harms zu TOP 31 - Bericht zum Schleswig-Holteinischen Integratioskonzept
PresseinformationKiel, den 13.11.2008 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 31 Bericht zum schleswig-holsteinischen Integrationskonzept und zum nationalen Integrationsplan (Drs. 16/2188)Ein Bericht der Landesregierung hat es meist so an sich, dass die bestehende Maßnahmenhervorgehoben werden, dass auch einiges hinzu gezählt wird, das von der Intention her nie fürIntegration gedacht war, und dass weitergehende Handlungserfordernisse eher unterbelichtetwerden. Viel Beschreibung aber weniger Konklusionen, könnte man auch sagen. Von daher istein Glücksfall, dass der Flüchtlingsbeauftragte des Landes erst am 29. Oktober ein großesöffentliches Hearing veranstaltet hat, bei dem viele Beteiligte zu Wort kamen und ein Spaten-stich tiefer gegraben werden konnte. Ich denke, wir können weit kommen, wenn wir diesebeiden Dinge miteinander kombinieren – das gilt auch für die spätere Ausschussberatung.Hier und heute möchte ich gerne einen Aspekt hervorheben, der mir besonders ins Augegesprungen ist. Er betrifft den Bildungsbereich, der angesichts seiner enormen Bedeutung fürdie Chancengleichheit und damit für eine gelungene Integration auch im vorliegenden Berichteine zentrale Rolle spielt. Denn die Statistiken sprechen weiterhin ihre klare Sprache: 2Überproportional häufig werden ausländische Kinder an Sonderschulen bzw. Förderschulenverwiesen. Besonders in den Übergangsempfehlungen der Grundschulen werden Kinder mitMigrationshintergrund schlechter bewertet, was sich auf deren Bildungsbiographien negativauswirkt. Die Lesekompetenz von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund ist inSchleswig-Holstein als dem Land mit dem niedrigsten Migrationsanteil in Vergleich zu denanderen westdeutschen Flächenländern besonders schwach ausgeprägt.Der Schlüssel ist hier nach wie vor der Erwerb der deutschen Sprache. Aus dem Bericht gehthervor, dass auf dem Gebiet „Deutsch als Zweitsprache“ in den letzten Jahren viel geschehen ist.Trotzdem gibt es noch viel zu tun. Auf dem Hearing des Flüchtlingsbeauftragten wurde einesangemahnt, das im Bericht der Landesregierung gar nicht vorkommt: Die Verzahnung derSprachförderangebote mit dem Regel- bzw. Fachunterricht. Wenn die Jungen und Mädchenwirklich gleiche Chancen haben sollen, dann reicht es nicht aus, sie in einem gesonderten DaZ-Unterricht sprachlich zu fördern. Die Sprachförderung muss Bestandteil aller Fächer sein. Damitmeine ich nicht, dass der Mathematiklehrer jetzt die Sprache zum Gegenstand seinesUnterrichts machen soll. Er kann aber dafür sensibilisiert werden, die Matheaufgabenentsprechend zu formulieren. Diese Anregung, die aus dem Mercator-Projekt der LAG der freienWohlfahrtsverbände stammt, kann ich nur unterstützen. Angesichts der Tatsache, dass künftigjedes dritte Schulkind im Land einen Migrationshintergrund hat, muss die Landesregierungerwägen, wie dieses Element stärker in die allgemeine Lehrerbildung mit einfließen kann. DieIdee, dass alle Lehrkräfte Sprachlehrer sind, wird übrigens schon in der Praxis in den Schulen desDänischen Schulvereins umgesetzt.Weitere wichtige Bausteine in diesem Zusammenhang sind Sprachkurse für die Eltern nichtzuletzt und der Unterricht in der Muttersprache. Denn letztlich ist die gute Beherrschung derersten Sprache ein Schlüssel zum Erwerb neuer Sprachen. Vielfach wird verkannt, dass dieSprachkenntnisse der Migrantenkinder - je nach Bildungsstand der Eltern – allzu häufig auch inder Muttersprache nicht über das umgangssprachliche Niveau herausreicht. Insofern ist es auchbegrüßenswert, dass die Türkei nun einen entsprechenden Unterricht für die Kinder aus von dort 3zugewanderten Familien anbietet – auch wenn mir eine Trägerschaft des Landes ebenso liebgewesen wäre.Eines sticht beim Lesen des Berichts sowohl bezüglich der Sprachförderung als auch in anderenBereichen besonders ins Auge: Viele gute Ansätze sind Einzelprojekte vieler verschiedener,engagierter Träger. Das bedeutet zum einen, dass ein großes Bedürfnis besteht, Maßnahmenaufeinander abzustimmen und zu vernetzen, damit die Kinder, Familien und EinzelpersonenUnterstützung aus einem Guss erfahren – und auch, damit die begrenzten Mittel optimaleWirkung entfalten. Zum anderen bedeutet dies aber auch die allseits bekannte Gefahr, dassselbst erfolgreiche und unentbehrliche Angebote nicht kontinuierlich gesichert sind. Deshalbnoch einmal der Appell: Die Einwanderer und ihre Familien sind zumeist nach Deutschlandgekommen, um hier zu bleiben. Deshalb schulden wir den Neubürgern auch, dass wir dienotwendigen Integrationshilfen so weit wie möglich finanziell auf ein unbefristetes Fundamentstellen. Ansonsten werden wir auf Dauer nicht den Menschen gerecht, die Schleswig-Holstein alsneue Heimat gewählt haben.