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Lars Harms zu TOP 26 Unwirtschaftlichkeit von Kohlekraftwerken
PresseinformationKiel, den 11.12.2008 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 26 Unwirtschaftlichkeit von Kohlekraftwerken Drs. 16/2351Die Debatten der letzten Monate um die zukünftige Energieversorgung und den Klimaschutzhaben gezeigt, dass wir beides nicht unabhängig voneinander betrachten können. Dabei istimmer wieder deutlich geworden, dass wir von den fossilen Energieträgern weg kommenmüssen. Für den SSW steht fest, dass das langfristige Ziel die komplette Versorgung ausregenerativen Energien ist. Bis es jedoch soweit ist, müssen die Weichen entsprechend gestelltwerden. Hierzu gehören deshalb auch die Steigerung der Energieeffizienz und dieEnergieeinsparung.Die Deckelung des Stromverbrauchs aus regenerativen Energien - aus Wind, Wasser, Sonne undBiomasse – ist die Herausforderung der Zukunft. Hierfür ist es notwendig, das Stromnetz, dasheute noch zentral ausgerichtet ist, umzustrukturieren und so umzubauen, dass die dezentralenEnergieträger erschlossen werden können und der Strom eingespeist und weitergeleitet werdenkann. Erzeugung, Verteilung und Verbrauch werden somit zu einer dezentralenVersorgungseinheit. 2Für Schleswig-Holstein ist insbesondere die Windenergie von maßgeblicher Bedeutung.Schleswig-Holstein ist ein Windland. Wir haben das Know-how und unsere Wirtschaft wirdweiter davon profitieren. Die Produktion von Windstrom gerade im Offshorebereich birgtenorme Potentiale. Damit können wir es schaffen, Lieferant von Strom aus regenerativenEnergieformen zu werden, sobald die Offshore-Windparks den Strom produzieren und dieserentsprechend transportiert wird.Aber nicht nur aus energiepolitischen Gründen, wird die Windenergie für Schleswig-Holstein dieEnergieform der Zukunft. Auch aus Gründen des Klimaschutzes wird Offshore-Windkraft einwichtiger Baustein der künftigen Energieversorgung sein.Aber bis es soweit ist, kommen wir um einen Mix aus regenerativen und fossilen Energieformennicht umhin. In diesem Punkt verabschieden sich die Grünen jedoch von der Wirklichkeit. Es wirdso getan, als ob der Sprung aus dem Atomzeitalter ins Zeitalter der regenerativen Energien ohneweiteres machbar ist. Für eine Übergangszeit brauchen wir aber diesen Mix und dabei kommenwir um Kohle nicht herum.Aus Sicht des SSW ist Gas keine Lösung. Zum einen, weil wir uns in eine Abhängigkeit begeben,die politisch fragwürdig ist. Und zum anderen, weil heute Braun- und Steinkohlekraftwerke rund50 % der Stromgewinnung ausmachen und diesen Bedarf können wir auch nicht mitGaskraftwerken decken. Der Bedarf an Gas wäre unerschwinglich hoch.Daher bleibt nur die Möglichkeit, auf Kohlekraftwerke zu setzen. Natürlich ist Kohle auch einendlicher Rohstoff, aber im Gegensatz zu dem vorher genannten Energieträger ist Kohleweltweit vorhanden und was wichtiger ist, wir haben sie im eigenen Land. Damit ist zumindesteine gewisse Verfügbarkeit sichergestellt.Wir halten aber daran fest, Kohle ist nur eine Übergangslösung. Wenn wir uns politisch dazubereit erklären, diesen Weg der mittelfristigen Energieversorgung zu gehen, dann nur, wenn wirgleichzeitig eine Ausstiegsstrategie für die Kohle festlegen – vergleichbar mit dem Atomausstieg. 3Darüber hinaus brauchen wir ein bundesweit abgestimmtes Konzept, wie und wo neueKohlekraftwerke in der Bundesrepublik gebaut werden und welche alten Kraftwerke dafürabgeschaltet werden. Dies haben wir auch vor einiger Zeit hier im Landtag beantragt, aber dieKoalitionsfraktionen wollten diesen Weg nicht mitgehen.Wenn wir über den Bau eines neuen Kohlekraftwerks in Schleswig-Holstein sprechen, dann kanndies nur – wenn überhaupt – in Brunsbüttel sein. Denn dort haben wir die entsprechendeInfrastruktur, die dies überhaupt möglich macht. Jeder andere Standort in Schleswig-Holsteinkommt aus Sicht des SSW nicht in Frage.Was nun den Antrag der Grünen angeht, ist festzustellen, dass er nichts mit der Wirklichkeit zutun hat. Auch wenn er sich auf wissenschaftliche Untersuchungen gründet, haben wir jedochkeine Handhabe, den Bau eines Kohlekraftwerks zu verhindern. Wenn alle planungs- undbaurelevanten Vorgaben erfüllt sind, kann der Bau des Kraftwerks nicht versagt werden. DieGrünen hätten bei ihrem Antrag an die Erfahrungen aus Hamburg denken müssen, wo einegrüne Umweltsenatorin nun den Bau eines Kohlekraftwerks nach recht und Gesetz genehmigenmuss..Die Landesregierung nun zu bitten, auf den Investor dahingehend einzuwirken, dass diePlanungen zum Neubau der Kohlekraftwerke eingestellt werden, weil es sich wirtschaftlich nichtträgt, ist kein Hinderungsgrund. Dies ist eine Entscheidung, die der Investor treffen muss. Undich glaube, dass mögliche Bedenken, gegen ein Kohlekraftwerk, im Vorfeld vom Investorentsprechend abgeklärt werden. Was bleibt, ist die Tatsache, dass wir ein Übergangs- undAusstiegskonzept brauchen. Hier sind wir dank der Handlungsunfähigkeit der Großen Koalitionkeinen Schritt weiter gekommen und das schadet dem Klima mehr als alles andere.