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Lars Harms zu TOP 18 EU-Kompromiss zum Umbau der Agrarsubventionen
PresseinformationKiel, den 10.12.2008 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 18 EU- EU-Kompromiss zum Umbau der Agrarsubventionen Drs. 16/2333Was die EU zu den Agrarsubventionen Ende November beschlossen hat, ist zwar formell einKompromiss, aber politisch ist es mehr: Es ist ein Schritt hin zu einer mehr der Nachhaltigkeitverpflichteten Landwirtschaft und vor allem ein Schritt weg von der Einzelförderung hin zurStrukturförderung. Wir als SSW begrüßen diesen Schritt sehr, zeigt er doch, dass die EU hierweiter ist als zum Beispiel die bundesdeutsche Politik. Während man hier noch aufBesitzstandwahrung setzte, hat man in Brüssel den ersten konkreten Schritt hin zu einerUmstrukturierung der Landwirtschaftspolitik gewagt.Das Ganze geschieht dabei durchaus unter Berücksichtigung der Schwierigkeiten, in der dereinzelne Landwirt stecken mag. Direkt-Hilfen unter 5.000 Euro werden laut EU-Kompromissnicht angetastet. Das heißt, die Kleinen werden geschont und die Kürzung der Subventionentrifft nur die, die es verkraften können. Bekommt ein Landwirt oder auch einIndustrieunternehmen, schließlich haben diese auch landwirtschaftlich genutzte Flächen, mehrals 5.000 Euro, werden die Subventionen um 5 Prozent gekürzt. Das heißt, auch hier bleiben 95 2Prozent bei den jeweiligen Betrieben und Unternehmen. Nur wenn ein Unternehmen mehr als300.000 Euro Subventionen im Jahr erhält, sollen weitere 4 Prozent, also insgesamt 9 Prozentgekürzt werden. Betrachtet man dieses Modell, so kann man sagen, dass ein Großteil derSubventionen erhalten bleibt und somit die marktwirtschaftlichen Herausforderungen für dieLandwirtschaft erst einmal nur begrenzt sind. Somit bleibt die Planungssicherheit bestehen, abergleichzeitig werden in Schleswig-Holstein 16 bis 17 Millionen Euro Agrarsubventionen freigesetzt,die jetzt anderweitig genutzt werden können und müssen.Die EU hat eindeutig das Ziel ausgerufen, dass die Subventionen für die Landwirtschaft, dieeingespart werden, auch wieder dem Land zur Verfügung gestellt werden aus dem sie entzogenwurden. Allerdings können diese nur abgerufen werden, wenn sie entsprechend co-finanziertwerden. Diese Mittel müssen nun bereitgestellt werden, damit im ländlichen Raum investiertwerden kann. Diese Investitionen können wichtige Impulse geben, die in Zeiten derwirtschaftlichen Rezession nicht unterschätzt werden sollten. Die EU geht hier jedenfalls denrichtigen Weg, in dem mit dem EU-Geld zusätzliche Investitionen ausgelöst werden sollen,anstatt bestehende Strukturen nur zu subventionieren. Jeder Marktwirtschaftler sollte daher vondieser Idee angetan sein.Ziel der Brüsseler Umverteilung ist es, Projekte zum Klima- und Naturschutz anzuschieben oderzur Entwicklung neuer Wirtschaftszweige im ländlichen Raum beizutragen. Hier besteheninsbesondere Chancen für Schleswig-Holstein. Bei der Regionalentwicklung sehen wir Chancenim Bereich der Breitbandversorgung im ländlichen Raum, die für neue Unternehmen sorgenkönnte. Auch der Tourismus bietet im ländlichen Raum Möglichkeiten seine Region weiter zuentwickeln. Wenn man bedenkt, dass die Gesamtförderung des Tourismus im unseren Land rund2 bis 3 Millionen Euro jährlich beträgt, ist die Gesamtsumme von 16 Millionen Euro, die zuvergeben sind, immens.Und auch die Agrar-Umweltmaßnahmen könnten besser gefördert werden. Würde man dies tun,würde man neue Einnahmemöglichkeiten für die Landwirtschaft und den ländlichen Raum 3schaffen. Hier denke ich insbesondere an die Grünlandförderung und an die Extensivierung vonFlächen. Schließlich ist in Schleswig-Holstein seit 2003 bundesweit am meisten Grünlandumgebrochen worden, mit den entsprechenden nachteiligen Auswirkungen für denNaturhaushalt.Welche Feststellungen können wir also treffen? Wir können erstens feststellen, dass der EU-Agrarkompromiss vom November nicht die Kleinbauern trifft, sondern eher die Großen derBranche und große Industriebetriebe. Zweitens können wir feststellen, das die Kürzungen derSubventionen nicht so groß sind, als dass man von einer gravierenden Änderung sprechenmüsste. Es bleibt somit die Planungssicherheit für die Betriebe bestehen. Drittens sind die Mittelnicht verloren, sondern können für sinnvollere Maßnahmen als Subventionen genutzt werden.Das alles ist ein kleiner Kompromiss mit einem deutlichen Fingerzeig in welche Richtung die EU-Politik in dieser Frage gehen will. Und das alles begrüßen wir.Aufgabe des Landes ist es aber nun, hier möglichst viel daraus zu machen und das setzt voraus,dass Programme umgestaltet werden und Geld in die Hand genommen wird, damit wir unsereländlichen Räume mit dem freiwerdenden Geld unterstützen können. Dabei gilt es mindestensdie 16 bis 17 Millionen Euro wieder ins Land zu holen, die in Schleswig-Holstein bei denSubventionen rechnerisch gestrichen worden sind, und möglicherweise sogar nicht abgerufeneMittel anderer Länder für unser Land zu sichern. Hier erwarten wir im Ausschuss konkreteAngaben wie dieses geschehen soll.