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17.12.08 , 13:13 Uhr
Landtag

Ausstellung zur NS-Militärjustiz macht Station im Landtag

165/2008 Kiel, 17. Dezember 2008


Ausstellung zur NS-Militärjustiz macht Station im Landtag

Kiel (SHL) – Ab 9. Januar 2009 wird im Landeshaus die Wanderausstellung »›Was damals Recht war…‹ – Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehr- macht« zu sehen sein. Die Ausstellung zeigt, wie Unrecht und Willkür den Mili- tärjustiz-Alltag kennzeichneten und tausende Männer und Frauen, nicht nur Sol- daten, sondern auch Zivilisten, der Unrechtsjustiz zum Opfer fielen.
Kiel ist nach Berlin, Köln, Wilhelmshaven, München, Halle (Saale), Peenemünde und Freiburg die achte Station der Wanderausstellung. Bis zum 6. Februar 2009 können Interessierte die vom Landtag gemeinsam mit der Landeszentrale für politische Bildung präsentierte Ausstellung besuchen und über die Landeszentrale für politische Bildung Schleswig-Holstein Führungen buchen. Die Präsentation zur NS-Militärjustiz wurde von der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas konzipiert und erstmals im Juni 2007 öffentlich gezeigt.
Kiel und der historische Bezug zur Wanderausstellung
Eine der elf Fallgeschichten in der Ausstellung ist dem U-Boot-Kapitän Oskar Kusch gewidmet, der im Mai 1944 auf dem Schießstand in Kiel-Holtenau hingerichtet wurde. Er hatte ein Bild Adolf Hitlers aus der Offiziersmesse entfernen lassen. Außerdem for- mulierte Kusch Zweifel daran, dass das Deutsche Reich den Krieg gewinnen könnte und brandmarkte den Mord an den europäischen Juden als ein Verbrechen. Der Erste Offizier an Bord denunzierte Oskar Kusch im Januar 1944. Ein Kieler Marinegericht ver- urteilte den mit hohen Auszeichnungen dekorierten U-Boot-Kommandanten wegen »fortgesetzter Zersetzung der Wehrkraft« zum Tode.
Die »Kieler Schule« der juristischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel steht für eine besonders radikale Auslegung des NS-Militärstrafgesetzbuches. Eine Gruppe junger Rechtslehrer der Universität vertrat den Standpunkt, dass weniger die einem Angeklagten zur Last gelegte Tat für das Strafmaß entscheidend sein sollte. Vielmehr sollte nach der Lehre vom »normativen Tätertyp« etwa als Dieb nicht derjeni-
Schleswig-Holsteinischer Landtag, Postfach 7121, 24171 Kiel ▪ V.i.S.d.P.: Annette Wiese-Krukowska, awk@landtag.ltsh.de, Tel. 0431 988 - 1116 oder 0160 - 96345209; Fax 0431 988-1119 ▪ www.sh-landtag.de → Presseticker 2

ge gelten, der sich fremde beweglichen Sachen aneignete, sondern »wer seinem We- sen nach ein Dieb ist«. Diese in der juristischen Strafrechtslehre nicht unumstrittene Auffassung stellte einen weiteren Schritt zur Entgrenzung des Terrors gegen angeklagte Wehrmachtsoldaten dar.
Neu am Standort Kiel: Medienstation
In Kiel wird erstmals eine Erweiterung der bisherigen Ausstellung gezeigt: Mit Mitteln der Bundeszentrale für politische Bildung hat die Stiftung Denkmal eine multimediale Anwendung entwickelt, die verschiedene Aspekte der in der Ausstellung behandelten Themen vertieft. Die Ausstellungsmacher haben sich dabei insbesondere an den Be- dürfnissen von jüngeren Ausstellungsbesuchern orientiert. In der interaktiven Medien- station geht es erstens um eine topographische Übersicht über Haft- und Hinrichtungs- orte der Wehrmachtjustiz. Zum Zweiten werden den Nutzern über weitere Fallgeschich- ten Inhalt und Probleme der grundlegenden Quellen des Themas nahe gebracht. Schließlich verdeutlichen zentrale Debattenbeiträge aus dem Deutschen Bundestag die wichtigsten Standpunkte der Auseinandersetzung um die Rehabilitierung der Verurteil- ten der Wehrmachtjustiz.
Kooperationen und Unterstützungen
Am Standort Kiel wird die Ausstellung vom Landtag Schleswig-Holstein und der Lan- deszentrale für politische Bildung präsentiert. Die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin wurde bei der Realisierung von der Stiftung Sächsische Ge- denkstätten, der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, der Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt – Gedenkstätte ROTER OCHSE Halle (Saale), der Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz e. V. und der Bundeszentrale für politische Bildung unter- stützt. Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien hat das Projekt fi- nanziert.
Mehr Informationen im Internet unter:
www.stiftung-denkmal.de/projekte/ausstellungen/wasdamalsrechtwar
Ausstellungsort: Landtag Schleswig-Holstein, Düsternbrooker Weg 70, 24105 Kiel
Ausstellungsdauer: 9. Januar bis 6. Februar 2009
Eröffnung der Ausstellung (für geladene Gäste und Presse): 8. Januar 2009, 19 Uhr, Plenarsaal
Öffnungszeiten: täglich 10.00 – 18.00 Uhr. Der Eintritt ist frei, Personalausweis erfor- derlich. 3

Besucherservice, Anmeldung von Gruppen und Buchung von Führungen
Tel.: 0431 – 988-5936; E-Mail: astrid.boettcher@lpb.landsh.de

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