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29.01.09 , 15:03 Uhr
SSW

Anke Spoorendonk zu TOP 22 & 26 - Stärkung der Beruflichen Bildung

Presseinformation
Kiel, den 29. Januar 2009 Es gilt das gesprochene Wort



Anke Spoorendonk
TOP 22 & 26 Anträge zur Stärkung und zu neuen Perspektiven der Beruflichen Bildung Drs. 16/2407 und Drs. 16/2400

Heute stehen gleich zwei Anträge zur Stärkung und Entwicklung der beruflichen Bildung
zur Debatte. Der Antrag der Großen Koalition zieht inhaltlich gesprochen einen
Schlussstrich unter das Jahr 2008 als Jahr der beruflichen Bildung. Und sozusagen als
Antwort auf diesen Antrag haben die Grünen noch einmal ihren alten Antrag aus dem
Februar 2008 hervorgeholt.


Der Antrag der Großen Koalition greift eine Reihe von Einzelproblemen auf, die auch aus
Sicht des SSW zu reparieren sind. Mit der Aussage gegen eine Zersplitterung der
Ausbildungsberufe werden aber die eigentlichen Herausforderungen in der beruflichen
Bildung ignoriert. Aus Sicht des SSW geht es nicht um eine Veränderung der Berufsbilder,
sondern um die notwendige Modularisierung der einzelnen Lerneinheiten. 2
Außerdem ist die Abbrecherquote in der beruflichen Ausbildung in Schleswig-Holstein
extrem hoch, so dass hier ein Lösungsvorschlag oder zumindest die Erwähnung durch die
Große Koalition wünschenswert gewesen wäre. Die verkehrten Erwartungen,
Unzufriedenheit über Lerninhalte und andere Probleme in den Berufsschulen sind
Faktoren, die in einem individuellen Stützsystem der einzelnen Jugendlichen gelöst
werden können. Erst mit einem flexiblen Baukastensystem schaffen wir es, die hohe
Abbrecherquote in der beruflichen Bildung zu senken, da die Jugendlichen dann erst
nach einer beruflichen Basisorientierung und dem Erlernen grundlegender Kompetenzen
den Ausbildungsberuf wählen müssen.
Zu begrüßen ist die Erkenntnis der Großen Koalition, dass die Qualität der beruflichen
Lehrerbildungsgänge an der Flensburger Universität verbessert werden muss. Hierbei
geht es vor allem um eine strukturelle Veränderung der Lehrerausbildung, ohne die wir
nicht weiter kommen. Auf entsprechende Initiativen dürfen wir mit Blick auf den
Koalitionsvertrag gespannt sein, wo der Status Quo praktisch in Beton gegossen ist.


Die Grünen legen mit ihrem Antrag interessante Vorschläge zur Modularisierung und
Anerkennung von Teilqualifikationen in der beruflichen Bildung vor. Völlig daneben ist
aber die Forderung einer Schulpflicht, die erst mit der Absolvierung der gymnasialen
Oberstufe oder einer Berufsausbildung endet und deren Erfüllung das Ordnungsamt
überwachen soll. Mit dieser Forderung wird das Konzept des Lebenslangen Lernens
falsch verstanden. Es geht nämlich nicht um lebenslänglich, sondern um eine
Motivierung und Befähigung aller Menschen über die gesamte Lebensspanne hinweg zu
lernen. Auch die Forderung nach der Einrichtung von Produktionsschulen beweisen, dass
sie nicht ordentlich informiert sind. Bereits 2006 wurde am Kieler Ostufer die erste
Produktionsschule nach dänischem Vorbild in Schleswig-Holstein eröffnet. Die 3
Herausforderung besteht nun darin, die verschiedenen Möglichkeiten der beruflichen
Ausbildung in Schleswig-Holstein zu optimieren und vor allem in einem transparenten
System miteinander zu verzahnen.
Der SSW fordert daher eine Systematisierung der beruflichen Bildung und ein klar
gestuftes System mit Ausbildungsmodulen, dass allen offen steht.

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