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29.01.09 , 16:07 Uhr
B 90/Grüne

Deltlef Matthiessen zur Grünlandvernichtung

Presseinformation

Landtagsfraktion Es gilt das gesprochene Wort! Schleswig-Holstein Pressesprecherin TOP 14 – Grünlandverluste stoppen Claudia Jacob Landeshaus Düsternbrooker Weg 70 Dazu sagt der umweltpolitische Sprecher 24105 Kiel der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Telefon: 0431 / 988 - 1503 Detlef Matthiessen: Fax: 0431 / 988 - 1501 Mobil: 0172 / 541 83 53
presse@gruene.ltsh.de www.sh.gruene-fraktion.de
Nr. 033.09 / 29.01.2009



Schleswig-Holstein ist Deutscher Meister… in Grünlandvernichtung Das europäische extensive Grünland – also artenreiche Wiesen und Weiden – hat eine einzigartige Bedeutung im Kontext des globalen Biodiversitäts- und Naturerbes. In Deutschland kommen im Grünland mehr als 2.000 Pflanzenarten vor, das ist rund 52 Prozent des Artenbestandes bei uns überhaupt.
Allgemein geht man davon aus, dass von jeder Pflanze allein 20 Insektenarten direkt oder indirekt abhängig sind. Das zeigt uns die enorme ökologische Bedeutung von ar- tenreichen Wiesen und Weiden. Nur in Europa sind in den vergangenen Jahrtausenden in einer co-evolutiven Entwicklung zwischen Mensch, Tieren und Pflanzen diese Le- bensräume entstanden. Dies ist auch ein Grund, warum die Europäische Union bereits in den 1990er Jahren durch die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) von allen Mitgliedsstaaten einfordert, dass Grünland zu erhalten ist.
Trotz alledem schreitet der Verlust an Dauergrünland in Deutschland voran. Dies ergibt sich aus den neuen Zahlen, die die Bundesregierung als Antwort auf eine schriftliche Frage der Grünen Bundestagsfraktion mitgeteilt hat. Während der Grünlandanteil zwi- schen 2003 und 2007 um 2,3 Prozent abgenommen hatte, sind es heute schon 3,4 Prozent.
3,4 Prozent im Durchschnitt. Und Schleswig-Holstein? Unser Land belegt einen trauri- gen Spitzenplatz! Bei der Grünlandvernichtung sind wir Deutscher Meister. In Schles-
Seite 1 von 2 wig-Holstein waren es 7,5 Prozent Verlust zwischen 2003 und 2008. Das ist die Bilanz der Politik des angeblichen Umweltministers von Boetticher, der sich lieber auf seine Rolle als Bauernminister beschränkt und auch dort vor allem als Interessenwalter gro- ßer und schnell wachsender Marktfruchtbetriebe.
In Schleswig-Holstein wurden doppelt so viele wertvolle grüne Wiesen in ödes Acker- land verwandelt wie im Bundesdurchschnitt. 28.000 Hektar Fläche, 280 Quadratkilome- ter, soviel wie die Flächen von Kiel, Flensburg und Neumünster zusammengenommen, wurden vernichtet. Allein im letzten Jahr 3 Prozent zusätzlicher Verlust – von 2007 zu 2008.
Was machen Sie denn? Sie können doch nicht sehenden Auges zulassen, wie unser schönes, vielfältiges Land in Agrarmonokulturen umgewandelt wird. Sie lassen sehen- den Auges zu, wie auf der Halbinsel Eiderstedt die Wasserstände angesenkt und Grä- ben trockengelegt werden und damit den Wiesen und Weiden die Grundlage entzogen wird. Gleichzeitig wird den Wiesenbrütern, schützenswerten Tieren und Pflanzen die Lebensgrundlage vernichtet in einem Gebiet, das einzigartige Voraussetzungen für die Natur bietet, als hätten Sie von den Auseinandersetzungen um die Gebietsausweisun- gen Natura 2000 nichts mitbekommen.
Die Parole der CDU „Naturschutz nur mit den Menschen“ entpuppt sich immer mehr als „Mensch, das geht doch auch ohne Naturschutz“.
Das Ganze wird flankiert von einer Agrarpolitik, die auf Milchmengenerhöhung, niedrigs- te Preise für Milch und zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft setzt.
Es ist deshalb weder Wunder noch Zufall, dass Schleswig-Holsteins Grünland dabei un- ter die Räder bzw. unter den Pflug gerät.
Die große Koalition redet immer vom Erhalt der biologischen Vielfalt, sie redet vom Kli- maschutz. Die Menschen im Lande werden Sie aber nicht nach ihren Sonntagsreden, sondern nach ihren Taten beurteilen. Und da sieht ihre Bilanz wirklich vernichtend aus.
Wir müssen diesen Aderlass an biologischer Vielfalt endlich stoppen. Jede zweite Pflanzenart, jede zweite Vogelart, drei Viertel der Amphibien in Schleswig-Holstein sind gefährdet oder bereits aus der Landschaft verschwunden.
Wie in den Meeren die Korallenriffe sind unsere Wiesen und Weiden Tummelplätze der Artenvielfalt. Wir brauchen nicht weniger, wir brauchen mehr davon.
Wir bitten Sie, unserem Antrag zuzustimmen.
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