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Anke Spoorendonk zu TOP19 - Neuausrichtung der HSH NordbankAnke Spoorendonk
PresseinformationKiel, den 25.02.2009 Es gilt das gesprochene WortAnke SpoorendonkTOP 19 Neuausrichtung der HSH Nordbank Drs. 16/2470Gestern hat die HSH Nordbank ihr neues Geschäftsmodell beim Bund eingereicht und dasKabinett sein HSH-Rettungspaket verabschiedet. Mit diesem Modell und dem Rettungspaketwird nach dem Prinzip Hoffnung versucht, Vertrauen zu schaffen: Vertrauen in die HSHNordbank, damit die Eigner das Kernkapital der Bank aufstocken, damit der Bund einsteigt unddamit die HSH Nordbank auch in Zukunft eine der Top-Ten-Banken Deutschlands bleibt.Aus Sicht des SSW ist es mittlerweile aber völlig unmöglich, Vertrauen in die HSH Nordbank zuhaben. Da haben wir zum einen die katastrophale Informationspolitik der Bank und einenvöllig überforderten Aufsichtsrat; zum anderen die Auszahlung von Dividenden inMillionenhöhe - und dann auch noch eine strategische Neuausrichtung, die angesichts derbisherigen Geschäftspolitik der HSH wie eine Farce wirkt. Zudem eröffnet derMinisterpräsident als Krönung des gesamten Debakels Nebenschauplätze zuManagergehältern, was vor dem Hintergrund der aktuellen Sachlage so wirkt, als wolle erdamit von dem HSH-Rettungspaket und seinen Auswirkungen für dieses Land ablenken. Damit 2keine falscher Zungenschlag entsteht: Auch für den SSW sind unangemesseneManagergehälter und Bonuszahlungen völlig inakzeptabel. Die Empörung desMinisterpräsidenten hätte aber glaubwürdiger gewirkt, wenn sie nicht erst jetzt, sondern sehrviel früher in die Position der Landesregierung eingeflossen wäre.Fest steht, dass die HSH Nordbank derweil beschlossen hat, eine regionale Kernbank zuwerden. Die regionale Ausrichtung ist letztlich auch das einzige Argument, um Hamburg undSchleswig-Holstein zu einer Kapitalaufstockung von 3 Milliarden Euro und weiteren Garantienin Höhe von 10 Milliarden Euro zu überreden. Dabei wissen wir alle längst, dass die HSH einGlobal Player ist. Aus der Antwort der Landesregierung auf die Kleine Anfrage des SSW vom 09.Februar über die Größe des regionalen Anteils der Geschäftstätigkeit der HSH Nordbank gehteindrucksvoll hervor, dass unterhalb der nationalen Ebene keine Statistiken über dasGeschäftsvolumen und die Kreditvergabe der Bank vorliegen. Wenn also die HSH Nordbanknicht einmal in der Lage ist zu sagen, wie groß ihr Engagement in Norddeutschland ist, stelltsich für uns ernsthaft die Frage, ob sie noch eine Bank des Landes ist und bleiben sollte.Selbst der Wirtschaftsminister zweifelt an der Bedeutung der HSH Nordbank für die regionaleKreditfinanzierung und empfiehlt aufgrund der fehlenden Datenlage den Ausstieg aus deröffentlichen Trägerschaft der Bank. Mit anderen Worten: Die HSH Nordbank ist zwar eineprivate Geschäftsbank in überwiegend öffentlicher Trägerschaft, scheint sich aber für diesebesondere Verantwortung überhaupt nicht zu interessieren.Das Verständnis für die Geschäftspolitik der HSH wird auch nicht durch die Auszahlungweiterer 200 Millionen Euro Dividende an Stille Einleger gestärkt. Es ist aber nicht nur die Artund Weise, wie diese rein freiwillige Ermessensentscheidung getroffen wurde; es ist vor allemdie Art und Weise, wie die Bank mit den eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und vorallem auch dem Parlament umgeht, die der SSW kritisiert.Obwohl Herr Nonnenmacher sich in der Finanzausschusssitzung am 20. Februar für dieInformationspolitik seiner Bank entschuldigte, bleibt ein fader Nachgeschmack – nicht zuletzt, 3weil er praktisch im gleichen Atemzug darauf verwies, dass die Mitarbeiterinnen undMitarbeiter der Bank hochgradig durch die verheerenden Medienberichte irritiert sind – alswären die Medien Schuld daran, dass die HSH 1100 Arbeitsplätze wegsparen will. Anders herumkommt es Herrn Nonnenmacher sicherlich entgegen, wenn seine Mitarbeiter bei dengeforderten Überstunden und der desolaten Informationslage in der Bank selbst nach neuenPerspektiven suchen. Dies wird dann „sozialverträglicher Stellenabbau“ genannt – wobeischlicht und ergreifend darüber hinweg gesehen wird, dass zu allererst die Mitarbeiterinnenund Mitarbeiter die Leidtragenden der HSH-Krise sind.Das aktuell vom Kabinett beschlossene HSH-Paket sieht die Einrichtung eines Mini-SoFFin zurRettung der HSH Nordbank vor. Alternativlösungen gibt es nicht, sagt die Landesregierung.Auch einen Handlungsspielraum gibt es nicht mehr. Dass dieses Rettungspaket nun auch vonden Regierungsfraktionen von CDU und SPD mitgetragen wird, ist dabei keine wirklicheÜberraschung. Ich stelle aber in den Raum, dass die Entscheidungsfindung innerhalb derGroßen Koalition maßgeblich dadurch beeinflusst wurde, dass die CDU-Fraktion ihrenLandesvorsitzenden nicht demontieren und die SPD-Fraktion die Koalition nicht an die Wandfahren wollte. Finanzpolitisch ist sie jedenfalls nicht nachvollziehbar. Wenn also HamburgsBürgermeister von Beust bei der Präsentation des Rettungspakets fast beschwörend daraufhinweist, dass sich direkte Belastungen der Bürgerinnen und Bürger nicht ergeben, dann ist dasschon starker Tobak. Denn natürlich wird das Rettungspaket letztlich von den Steuerzahlernbezahlt, und das weiß auch Ole von Beust.Für den SSW steht fest, dass für die HSH Nordbank bis heute kein schlüssiges Konzept mitabschätzbaren Risiken erkennbar ist. Was wir wissen, ist aber, dass Schleswig-Holstein eineaktuelle Schuldenlast von 23 Milliarden Euro und ein jährliches strukturelles Defizit von 600Millionen Euro vor sich her schiebt. Zudem hat die Föderalismuskommission vor wenigenTagen die Nullschulden-Grenze beschlossen, und trotzdem hat die Landesregierung nichtsanderes zu tun gehabt, als weitere Milliarden Schulden aufzunehmen und eine marode Bank 4zu stärken: Monat für Monat beweist die HSH Nordbank, dass sie ein Fass ohne Boden ist.Anfang 2008 wurde das Eigenkapital der Bank bereits um 2 Milliarden Euro aufgestockt, undjetzt sollen weitere 3 Milliarden und eine Garantiesumme von 10 Milliarden Euro fließen. Wieviele Monate werden wohl vergehen, bis Herr Nonnenmacher wieder mit dem Klingelbeutelvor dem Landeshaus steht?Auch die von den Regierungsfraktionen eingebrachte Resolution zur HSH Nordbank verrätzwischen den Zeilen, wie viele offene Fragen es noch gibt. - So zum Beispiel der erste Satz, dass„potentielle mittelbare und unmittelbare Belastungen und Risiken für den Landeshaushaltkurz-, mittel- und langfristig zu minimieren“ sind. Was dies konkret bedeutet, übersteigt meineVorstellungskraft! Richtig gespannt macht mich dagegen Punkt 10 der vorgeschlagenenResolution, wo vonseiten des Landtages eine sorgfältige Prüfung des Gesamtpakets zugesagtwird. Heißt dies im Umkehrschluss also, dass die Große Koalition trotz des gestrigenBeschlusses bereit ist, noch wesentliche Teile des Rettungspakets zu verändern oder garabzulehnen? Die Große Koalition kann im Grunde nichts anderes tun, weil schon heute klar ist,dass sich die Informationspolitik der Landesregierung in Sachen HSH Nordbank in den letztenMonaten von der des HSH Vorstandes nicht wesentlich unterscheidet. Und sollte zutreffen, wiegestern von Bündnis 90/Die Grünen öffentlich dargelegt, dass sich die Landesregierung schonEnde November auf eine Länderlösung zur HSH Rettung festlegte und damit nur zum Scheinmit dem Bund weiter Gespräche führte, dann ist Finanzminister Wiegard auch aus Sicht desSSW nicht mehr zu halten.Für den SSW steht fest, dass wir nicht bereit sind, eine derart riskante Entscheidung auf derGrundlage von Hörensagen zu treffen, zumal in den letzten Wochen viele halbgareInformationen hin und her geschoben, andere wiederum verschwiegen wurden, und kaum einverlässliches Stück Papier auf den Tisch kam. Deshalb wird der SSW diesem Rettungspaket aufkeinen Fall zustimmen, bevor wir nicht eine belastbare Bilanz für die Vergangenheit zu sehenbekommen haben und uns zuverlässiges Material und unabhängige Stellungnahmen zum 5neuen Geschäftsmodell der Bank und zum Rettungspaket vorliegen. Nicht zuletzt muss dieRegierung erneut mit dem Bund verhandeln und endlich dafür Sorge tragen, dass Schleswig-Holstein auf Bundesebene ernst genommen wird.