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Lars Harms zu TOP 29 - Investitionspaket
PresseinformationKiel, den 25.02.2009 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 29 & 35 Konjunkturpaket II - Investitionsprogramm (Drs. 16/2342, 16/2458, 16/2423, 16/2425, 16/2429, 16/2477 )Es ist schon eine verrückte Zeit, in der wir leben. Haben wir noch vor einem Jahr lange um kleinedreistellige Beträge gefeilscht, so können wir es jetzt kaum abwarten, Millionen und Milliardenloszuwerden. Gestern hat die Landesregierung einen Scheck über anderthalb Milliardenausgestellt und eine Bürgschaft über fünf Milliarden übernommen und heute geht es darum, soschnell wie möglich über 430 Millionen Euro auf das Land zu verteilen. Aber es ist nun einmal so,dass das wichtigste und beste Mittel gegen die Krise öffentliche Investitionen sind. DieSanierung und der Ausbau von Straßen, Schulen, Krankenhäusern und anderer Infrastruktursorgen für Arbeit und Umsatz, kommen allen Bürgern zugute und müssen irgendwann ohnehingetan werden. Es ist also richtig, beim Konjunkturprogramm II ein Hauptgewicht auf dieseInvestitionsförderung zu legen, auch wenn wir vom SSW uns eine noch deutlichere Prioritäten-setzung für Investitionen gewünscht hätten.Richtig ist es auch, den Schwerpunkt bei Investitionen in den Kommunen zu setzen. Zum einenwerden hier die meisten öffentlichen Ausgaben getätigt, die zur Stärkung der Wirtschaft 2beitragen können. Zum anderen gibt es hier einen besonderen Nachholbedarf. Das DeutscheInstitut für Urbanistik schätzt den Investitionsstau bei Kommunen auf rund 75 Milliarden Euro,davon allein 6 Milliarden bei den Schulen und 30,9 Milliarden Euro bei Straßen. Es gibt alsogenug zu tun und keiner muss sich fragen, ob dieses Geld auch am richtigen Ende ausgegebenwird.Die inhaltliche Schwerpunktsetzung ist weitgehend durch die Bundesregierung vorgegeben,aber deshalb nicht weniger richtig. Keiner wird widersprechen, dass wir in Bildungseinrich-tungen und Krankenhäuser investieren müssen und keiner wird bezweifeln, dass der ländlicheRaum weiterentwickelt werden muss. Gerade weil unser Land zum größten Teil aus ländlichemRaum besteht, ist diese Prioritätensetzung besonders wichtig. Vor diesem Hintergrund hat esmich gefreut, heute in den Husumer Nachrichten zu lesen, dass der Bund auch den ländlichenWegebau fördert. Denn diese Maßnahme wirkt breit und in der Fläche. Dasselbe gilt für denAusbau der Breitbandnetze im ländlichen Raum; die Anbindung an das weltweite Computernetzist heute ein ebenso wichtiger Standortfaktor wie die Verkehrsanbindung.Das Investitionsprogramm ist jener Teil des zweiten Konjunkturpakets, der die größte Heraus-forderung für das Land darstellt. Denn wir entscheiden mit, wie es in Schleswig-Holsteinumgesetzt wird. Es kommt darauf an, dass die Landesverwaltung in Zusammenarbeit mit denKommunen die wichtigsten Projekte aussucht – große wie kleine – und dann die Gelder schnellund flexibel in die Taschen von Handwerkern, Unternehmern und Arbeitnehmerntransportieren, damit sie die Konjunktur befeuern.Erfreulich ist, dass der Finanzminister den Finanzierungsanteil des Landes von 90 Millionen Euroin seiner Rücklagenschatulle finden konnte und so keine neuen Schulden dafür aufnehmenmuss. Angesichts der anderthalb Milliarden für die HSH-Nordbank ist diese Freude allerdingseher von symbolischem Charakter. Wichtiger ist, dass das Land klammen Gemeinden bei derFinanzierung unter die Arme greifen will, wenn sie nicht die entsprechenden Komplemen- 3tärmittel aufbringen können. Alles andere würde die Ungleichheit verstärken, die schon vor Ortbesteht. Ob die „Sozialstaffel“ für Kommunen, die immer noch eine 12,5-prozentigeEigenbeteiligung vorsieht, wirklich ausreicht, werden wir noch beobachten müssen. Wir hättenes lieber gesehen, wenn die Landesregierung in Extremfällen auch vollständig auf einekommunale Kofinanzierung verzichtet hätte. Die Praxis wird zeigen, ob dies noch notwendigsein wird. Auf jeden Fall gilt: Wer heute kein Geld für Investitionen hat, hat es nach demKonjunkturprogramm schon gar nicht. Denn die beiden Konjunkturpakete der Bundesregierungmit den darin enthaltenen Steuererleichterungen werden zu deutlichen Mindereinnahmen beider Gewerbesteuer und Einkommenssteuer führen.Gerade deshalb muss eines jetzt auch ganz deutlich gesagt werden: Die massiven Investitionenin den Kommunen machen nur dann Sinn, wenn das Land nicht als nächstes wieder in denkommunalen Finanzausgleich eingreift. Es ist klar, dass die finanziellen Folgen der Rezession, derBankenrettung, der Schuldenbremse und auch des Konjunkturpakets unseren Finanzpolitikernbald massive Schmerzen bereiten werden, und dass die Versuchung groß sein wird, das Leid mitunseren Kommunen zu teilen. Deshalb die vorbeugende Warnung: Wer den Kommunen mit dereinen Hand Bundesmittel gibt, um ihnen mit der anderen Hand wieder Landesgeld aus derTasche zu ziehen, würde die Kommunen betrügen und das Konjunkturprogramm unterlaufen.Also denken sie nicht einmal daran!Aber erst einmal geht es darum, wie das Geld zu den Trägern der Investitionsmaßnahmenkommt. Das Verfahren bei der Verteilung der Investitionsmittel auf konkrete Projekte istweiterhin unklar, denn die Förderrichtlinien liegen noch nicht vor, obwohl das erste Geld schonin zwei Monaten fließen soll. Diese Unklarheit steht in Kontrast zu der hektischenBetriebsamkeit, die das Konjunkturprogramm schon seit Januar auslöst. Wer mitKommunalpolitikern und Verwaltungen zu tun hat, der erlebt derzeit eine Aktivität, die selbstdas berüchtigte Dezember-Fieber in den Schatten stellt. Die Verteilung des Geldes steht an undjeder will daran teilhaben. Allein im Kreis Nordfriesland sind die Anteile an der Konjunktur- 4förderung bereits mehrfach überzeichnet. Es gibt kaum einen Ort, der nicht Licht am Horizontfür seine marode Schule oder die löchrige Dorfstraße sieht.Der aktuelle Geldsegen ist ein positiver Lichtblick im tristen Alltag der kommunalenFinanzpolitiker. Trotzdem ist es wichtig, einen klaren Kopf zu bewahren und zu sehen, wie einegerechte Verteilung aussehen kann. Denn die kommt natürlich nicht von selbst. Von daherbegrüßen wir auch, dass die Landesregierung einen angemessenen Anteil der Fördermittel fürfreie Schulen, darunter auch die Schulen des Dänischen Schulvereins, reserviert hat. Dies zeigt,dass die Regierung ihrer Verantwortung für die Teilhabe aller Schulkinder am Investitions-programm wahrnimmt.Der SSW hat ja bereits im Januar davor gewarnt, dass freie Träger generell schlechtere Karten beider Verteilung der Mittel haben. Ihre Angebote stehen nicht selten in Konkurrenz zu öffentlichenInstitutionen und würden bei einer Prioritätensetzung vor Ort keine Chance haben. Sorgebereitet uns daher, dass es keine entsprechende Festlegung in Bezug auf andere Bereiche desProgramms, wie die Sanierung von Kindertagesstätten und Sportstätten oder Maßnahmen zurStärkung des ländlichen Raums, gibt. Hier sehen wir die Gefahr, dass kommunalen Vorhabengrundsätzlich der Vorrang vor Investitionsmaßnahmen freier Träger eingeräumt werden wird.Dass diese Sorgen nicht unbegründet sind, hat schon die Äußerung eines Landrates aus demNorden gezeigt, dass es schließlich um ein kommunales Investitionsprogramm gehe, daskommunalen Einrichtungen und eben nicht Minderheiteninstitutionen zugute kommen solle.Im Zukunftsinvestitionsgesetz ist zwar festgeschrieben, dass die Mittel trägerneutral zugewähren sind. Aber es wäre blauäugig zu glauben, dass diese Gerechtigkeit sich von selbsteinstellt. Deshalb erwarten wir, dass die Landesregierung sich ebenso hinter die freien Trägerstellt, wenn es um jene Mittel geht, die von den Kreisen und Kommunen vergeben werden. Esliegt in der Verantwortung der Landesregierung, dafür zu sorgen, dass Einrichtungen inTrägerschaft der ADS, der Kirchen, des Dänischen Schulvereins oder der AWO ebenso 5berücksichtigt werden, wie öffentliche Einrichtungen. Die Maßnahmen dieser Organisationenund Vereine müssen aus dem kommunalen Anteil der Investitionsmittel angemessen gefördertwerden. Um dies sicherzustellen, muss in den Förderrichtlinien verbindlich festgelegt werden,dass ein Anteil der Mittel an freie Träger und an die Organisationen und Vereine der dänischenMinderheit zu vergeben ist. Geschieht dies nicht, dann werden freie Träger schon allein deshalbübervorteilt, weil sie vielfach klare Aussagen über die Fördermöglichkeiten – also dieFörderrichtlinien – abgewartet haben, während die Kommunen schon längst ihre Projekteeingereicht haben und in den Startlöchern stehen.Und noch ein letztes Anliegen, dass mir besonders am Herzen liegt: In Verbindung mit demZukunftsinvestitionsgesetz sollen neue Schwellenwerte bei der Vergabe öffentlicher Aufträgegelten. Die Ausschreibung von Teillosen, die freihändige Vergabe bis 100.000 Euro und diebegrenzte Ausschreibung bei Bauleistungen bis zu einer Million Euro sollen wohl zuerst dafürsorgen, dass auf langwierige Ausschreibungsverfahren verzichtet werden kann und die Gelderschnell fließen. Diese neuen Vergaberegelungen tragen aber auch dazu bei, dass die Mittelwirklich in der Region ausgegeben und verdient werden können. Die Landesregierung kann aberselbst und ganz unabhängig vom Bundesprogramm mehr dafür tun. Sie kann und sie mussendlich dafür sorgen, dass unsere eigene Wirtschaft auch über das Konjunkturprogramm hinauseine faire Chance bekommt, sich die öffentlichen Gelder zu verdienen – oder anders herum, dassunsere Steuergelder nicht in andere Regionen und Nationen fließen. Deshalb fordern wir dieLandesregierung auf, endlich eine Nachfolgelösung für das Tariftreuegesetz zu finden. Der SSWhat schon 2008 einen Weg aufgezeigt, wie dies mit Allgemeinverbindlichkeitserklärungen EU-konform geregelt werden kann. Es ist im Interesse unseres Landes.